Hoffnung auf neue Antibiotika liegt am Meeresgrund

Foto: University of Aberdeen

Unsere Zukunft liegt auf dem Meeresgrund: Wissenschaftler der University of Aberdeen suchen in den Tiefseegräben nach bislang noch unbekannten Lebensformen und chemischen Verbindungen, die neue Antibiotika liefern könnten. Auf der Erdoberfläche sind neue Medikamente zur Bekämpfung von Infektionen nämlich kaum noch zu finden.

Der Chemiker Marcel Jaspars un sein Team lassen dafür Suchroboter weit in die Ozeane hinab. Ihr Ziel sind die bis über 10 Kilometer tiefen Gräben im Boden der Ozeane. In den meist sehr engen Tälern erhoffen sich die Wissenschaftler „ein großes Potenzial“ für neue Entdeckungen, zitiert sie die Agentur Pressetext. Den Anstoß für ihr Unternehmen gab den Forschern Sally Davies, die oberste Gesundheitsbeamtin Großbritanniens. Sie malte ein düsteres Bild an die Wand: „ Es stünden einfach zu wenige Medikamente zur Verfügung“, schreibt Pressetext.

 

Fehlende Antibiotika so schlimm wie der Klimawandel

 

Davies verglich, laut der Agenturmeldung, „das derzeit bestehende Antibiotikaproblem mit der Bedrohung durch die weltweite Klimaerwärmung“. Ein Routineeingriff könnte in Zukunft aufgrund von nicht mehr behandelbaren Infektionen zu einem tödlichen Risiko werden.

Noch schlimmer: Immer mehr Erreger sind schon jetzt resistent gegen Antibiotika. Daher befürchten Experten, dass es bald keine wirksamen Antibiotika mehr geben könnte.

 

Isolierte Lebensformen im Meer liefern uns neue Medizin

 

Am Meeresboden stoßen die Wissenschaftler des PharmaSea-Projekts auf Lebensformen, die sich dort über Jahrmillionen völlig isoliert vom Rest der Welt entwickelt haben und daher auch ganz neue Substanzen nutzten und nutzen, um in dieser für uns auf der Oberfläche recht unwirtlichen Gegend zu bestehen.

Camila Esguerra vom Laboratory for Molecular Biodiscovery der niederländischen University Leuven: „Wir finden vermutlich Chemikalien, die wir nie erahnen konnten in diesen unbekannten Organismen des Meeresbodens.“ Sie hofft auf eine ganze Reihe neuer in der Medizin einsetzbarer Wirkmechanismen.

Deshalb wohl steuert auch die EU einen Großteil der hohen Forschungskosten bei. Acht Millionen britische Pfund (rund 9,3 Millionen Euro) erhalten die Forscher aus Brüssel.

Das erste Suchgebiet liegt etwa 160 Kilometer vor den Küsten Chiles und Perus im Pazifik. Dort lassen Marcel Jaspars und seine Kollegen von einem Fischerboot aus ihren Suchroboter in den Atacamagraben. Später wollen sie auch noch vor Neuseeland, vor Norwegen und in der Antarktis suchen.

„Die Wissenschaftler hoffen, dass sie innerhalb von 18 Monaten mit den gesammelten Proben im Labor arbeiten können. Werden neue Behandlungsmöglichkeiten entdeckt, sollten diese innerhalb eines Jahrzehnts zur Verfügung stehen“, beschreibt Pressetext das ehrgeizige Vorhaben der britischen Wissenschaftler.

 

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