Studie: Wasser"import" versalzt kostbares Grundwasser

Trinkwasser ist knapp- das ist keine Neuigkeit. Um das kostbare Nass von Orten des Überflusses dorthin zu bringen, wo jeder Tropfen gebraucht wird, ließen sich Wissenschaftler, Ingenieure und Politiker so einiges einfallen- und kosten. Und erzeugen damit oft noch mehr Probleme.

 

Dies jedenfalls legt eine neue Studie US-amerikanischer und marokkanischer Wissenschaftler nah, die jetzt im Fachblatt Applied Geochemistry veröffentlicht wurde. Darin untersuchten die Forscher die Auswirkungen des Wassertransfers aus dem marokkanischen Hohen Atlasgebirge in das sub-saharische Drâa-Becken. Mit Hilfe des aus den Bergen umgeleiteten Schneeschmelzwassers und des Oberflächenabflusses werden hier sechs landwirtschaftliche Farmen betrieben.

 

Foto: Wikimedia commons/Florence Devouard

Mit verheerenden Nebenwirkungen, wie die Forscher herausfanden. „Durch das importierte Wasser lösen sich natürlich vorkommende Salze im Boden und darunter liegendem Gestein- und gelangen so ins Grundwasser“, erläutert Avan Vengosh, Professor für Geochemie und Wasserqualität an der Duke’s Nicholas School of the Environment. Die gemessenen Werte von 12.000 Milligramm Salz in einem Liter Wasser sind für Feldfrüchte in der Regel untragbar- gerade einmal 1.000 bis 2.000 Milligramm werden von den meisten Pflanzen noch toleriert. Selbst für die häufigen Dattelpalmen, die es auch bei über 4.000 Milligramm noch gut aushalten, wird es auf den drei südlichsten Farmen mittlerweile eng.

 

Neue Lebensader entdeckt

 

Zu diesen Erkenntnissen gelangten die Forscher mit Hilfe der sogenannten Fingerprint-Methode. Diese beruht darauf, dass verschiedene, in Wasser gelöste chemische Elemente wie Sauerstoff, Strontium und Bor je nach Salzgehalt des Wassers in unterschiedlicher Form vorliegen, also einen spezifischen Fingerabdruck hinterlassen. „Diese Fingerabdrücke vergleichen wir dann mit denen anderer Proben- so können wir auf die Art der Salzquelle rückschließen“, erläutert Nathaniel Warner, Doktorand und Leiter der Studie.

 

Dank dieses Verfahrens entdeckten die Forscher eine neue Lebensader: Einen Wasserlauf, der auf natürliche Weise vom Anti-Atlasgebirge bis ins Drâa-Becken fließt. Und der die Salzbilanz erheblich verbessert: Hier maßen die Forscher „nur“ zwischen 450 und 4.225 Milligramm Salz je Liter Grundwasser.

 

Prof. Vengosh schließt daraus: Die Milliarden von Dollars, die bereits zwecks Wassertransfer in Staudämme, Kanäle und Pipelines flossen, wären besser in die Förderung der lokalen Grundwasservorkommen investiert. Aufgrund prognostizierter sinkender Niederschläge würden sich Schneeschmelze und Oberflächenabfluss künftig reduzieren, so dass das Grundwasser auf Dauer wohl die beste- wenn nicht einzige- verlässliche Wasserquelle sei. „Diese lebenswichtigen Quellen zu schützen und den Regierung der Wüstenregionen zu helfen, neue, noch unerschlossene Vorkommen zu finden, ist auf lange Sicht der klügere Weg“, so Vengosh.

 

niso

 

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