Synthetische Biologie: Modifizierte Gentechnologie?

Foto: Pixabay CC_PublicDomain

Bei der derzeit in Mexiko stattfindenden 13. Vertragsstaatenkonferenz der UN-Konvention zur biologischen Vielfalt (CBD COP13) taucht der Begriff „Synthetische Biologie“ auf. Doch was ist eigentlich Synthetische Biologie? Von Synthetischer Biologie spricht man, wenn das Genom von Organismen so verändert wird, dass es in der Natur so nicht vorkommt. Das bedeutet eine modifizierte Form der Gentechnologie, bei der gezielt Gensequenzen eines Organismus' in einen anderen eingefügt werden.

 

Da aber weder Folgen noch Risiken dieser neuen Methode bekannt sind, hat man bei der letzten CBD-Konferenz vor 2 Jahren eine Expertengruppe eingesetzt. Deren Vorschlag einer Definition lautet: „Synthetische Biologie ist eine Weiterentwicklung und neue Dimension moderner Biotechnologie, die Wissenschaft, Technologie und technische Planung verbindet, um das Verständnis, den Entwurf, Rekonstruktion, Herstellung und Veränderung von genetischem Material, lebenden Organismen und biologischen Systemen vereinfacht und beschleunigt.“

 

Screenshot: biodiversity.de

Dr. Ricarda Steinbrecher, Beraterin der CBD zu GVO sieht, durch die neuen Methoden, dieselben Probleme, wie sie schon bisher in der Gentechnik-Debatte auftauchen. NeFo, das Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung, hat die Molekulargenetikerin und Entwicklungsbiologin daher zu dem Thema befragt:

NeFo: Frau Steinbrecher, Synthetische Biologie klingt im ersten Moment nach Frankensteins Monster - eine bedrohliche Vorstellung. Um was geht es dabei wirklich?

Steinbrecher: Synthetische Biologie ist gar nicht so einfach zu beschreiben oder festzumachen. Sie ist weitreichender als die bisherige Gentechnik und basiert auf einer Kombination mehrerer Disziplinen. Der Denkansatz ist der von Ingenieuren im Zusammenspiel mit dem Einsatz von Computern, Informationstechnik und Design. Hinzu kommen Biochemie und Molekulargenetik. Biologie im herkömmlichen Sinne ist eigentlich nicht mehr daran beteiligt. Die Sprache hat sich daher auch grundlegend verändert. So denkt und spricht man jetzt von Bausteinen/Blöcken, Chassis (Fahrgestellen), synthetischen biologischen Teilen, Devices und Systemen. Hier werden zum Beispiel Stoffwechselkreisläufe neu erfunden oder es wird versucht, einen Organismus so umzubauen, dass er grundlegend andere Funktionen hat oder andere Stoffwechselprodukte erzeugt. Zugrunde liegt natürlich immer noch die DNA mit ihren Nucleotiden als Informationsträger, so wie auch in der herkömmlichen Gentechnik.

 

 

Das ganze Interview gibt es unter www.biodiversity.de/de/synthetische-biologie-cbd

 

Bleibt abzuwarten wie und worauf sich die Vertragsstaatenkonferenz einigen kann. Bisher konnte man sich wohl noch nicht einmal auf eine Definition einigen. Über solche Entscheidungsvakua freut sich die Industrie, denn in dieser Zeit können Tatsachen geschaffen werden, deren Risiken eigentlich verhindert werden sollten.


hjo

 

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