15.02.2017

Zuhause im Fußabdruck: Habitate im Elefanten-Tritt

Foto: Wikimedia CC/Eva Hejda

Wissenschaft fördert mitunter skurrile - sber deshalb nicht unweichtige - Ergebnisse zutage: Jetzt untersuchte Senckenberg-Wissenschaftlerin Viola Clausnitzer vom Senckenberg Museum für Naturkunde in Görlitz gemeinsam mit internationalen Forscher-Kollegen erstmals die Trittspuren von Elefanten. So erkundeten sie den Lebensraum für aquatische Tiere.

Ihre Studie publizierten die Wissenschaftler jetzt im Fachblatt African Journal of Ecology. Sie belegt die Lebensvielfalt in den Spuren der Dickhäuter. Dort fasnden die Wissenschaftler bis zu 61 verschiedene Tierarten aus 27 Familien.

 

Elefanten als "Lebensraum-Ingenieure"

 

Wer über 6.000 Kilogramm wiegt, hinterlässt Spuren – so geht es auch den afrikanischen Elefanten im Kibale-Nationalpark in Uganda. „Wir haben nun erstmalig untersucht, welche Tiere von diesen Fußabdrücken profitieren können“, erklärt Dr. Viola Clausnitzer vom Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz und ergänzt: „Die wassergefüllten Vertiefungen bieten einer erstaunlich vielfältigen Anzahl von wasserlebenden Makroinvertebraten einen Lebensraum.“

Hintergrund für die Studien: Schon länger ist bekannt, dass Elefanten als „Ökosystem-Ingenieure“ arbeiten: "Sie reduzieren den Baumbewuchs und halten die Landschaft und für viele Tiere lebenswichtige Wasserlöcher offen", erläutern die Wissenschaftler in ihrer Pressemeldung zur Studie. Im Verdauungstrakt der Mikrolebewesen wandern Pflanzensamen über viele Kilometer und werden so verbreitet. „Wir haben nun gezeigt, dass der Schutz der bedrohten Dickhäuter auch für die kleinsten Organismen enorm wichtig ist“, fasst Clausnitzer zusammen.

 

Schwimmkäfer und Stechmücken im Fußabdruck der Dickhäuter

 

Elefantenspur Foto: Senckenberg

Das Team aus Portugal, Österreich und Deutschland untersuchte 30 natürliche, wassergefüllte Fußabdrücke und legte zudem selber künstliche Spuren zu Testzwecken an. „Uns hat interessiert wie schnell die Löcher besiedelt werden, welche Tiere diese Mini-Habitate nutzen und wie sich die Zusammensetzung der Organismengruppen mit der Entfernung von natürlichen Gewässern ändern“, erläutert Clausnitzer.

Insgesamt 2751 Proben wurden in den dreißig Elefantenspuren genommen. Am artenreichsten waren Wasser- und Schwimmkäferarten in den Proben vertreten, am häufigsten fanden die Wissenschaftler Vertreter von Stechmückenarten.

Bereits nach fünf Tagen haben die Wissenschaftler in den achtzehn künstlich angelegten „Fußabdrücken“ – etwa dreißig Zentimeter tiefe und breite Löcher, in die ein Eimer eingelassen wurde – 410 Organismen entdeckt. „Die Artenvielfalt nahm ab, je weiter unsere Testspuren von der Wasserquelle entfernt waren – die Löcher scheinen demnach einigen Arten als sogenannte ‚step stones’ zu dienen, über die sie sich ausbreiten können“, fügt die Görlitzer Wissenschaftlerin hinzu und fährt fort: „Aber nicht nur die Lage der Abdrücke spielt eine Rolle, auch das Alter der Fußspuren und die sonstigen ‚Hinterlassenschaften’ der Elefanten machen sich in der Zusammensetzung der Fauna in diesen Mikro-Lebensräumen bemerkbar.“ Umso älter die Löcher waren, desto artenreicher war die Lebenswelt in ihnen.


red

 

 

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