Australischer Umweltminister opfert Delfine

Schädel eines Delfins.

Umweltminister Josh Frydenberg hat mit seiner umstrittenen Entscheidung für mehr Hainetze unzählige Delfine, Seekühe, Rochen und Haie zum Tode verurteilt.

Josh Frydenberg, neuer australischer Umweltminister, hat mit einer Sondererlaubnis das Stellen von bis zu 10 Hainetzen an fünf Stränden entlang der Nordküste des Bundesstaates New South Wales ermöglicht. Frydenberg, der mit seiner Entscheidung die lokale Tourismusindustrie stützen möchte, verurteilt damit unzählige bedrohte Meerestierarten, darunter Delfine, Haie, und Meeresschildkröten, zu einem sinnlosen und grausamen Tod.

 

Die Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD) hat Josh Frydenberg aufgefordert, die Sondererlaubnis aus Artenschutzgründen unverzüglich rückgängig zu machen und sich für nicht-tödliche Haischutzmaßnahmen einzusetzen.

 

Hainetze töten unterschiedslos

Mit sogenannten Hainetzen wird in Australien, Südafrika oder Brasilien versucht, Schwimmer oder Surfer vor Angriffen großer Haie zu schützen. Es handelt sich um vor der Küste angebrachte tödliche Fallen aus jenseits der Brandung parallel zur Küste ausgebrachten Stellnetzen. In Australien sind sie jeweils ca. 150 Meter lang, vier bis sechs Meter hoch und unter der Wasseroberfläche treibend in 7 bis 10 Meter tiefem Wasser verankert.

 

Ganz überwiegend (in Australien bis zu 80 Prozent) sterben in den Netzen allerdings für den Menschen völlig harmlose Meerestiere, wie Delfine, kleinere Haie, Rochen, Meeresschildkröten oder Seekühe – und das in großer Zahl, darunter auch vom Aussterben bedrohte und geschützte Arten.

 

Entscheidung im "nationalen Interesse"

Das Stellen neuer Hainetze ist nach den Bestimmungen des australischen Umweltschutz und Biodiversitätsschutzgesetzes nicht erlaubt. Frydenberg ermöglichte es nun mit einer Sondererlaubnis im "nationalen Interesse" zum Schutz der Tourismusindustrie. Laut Frydenberg spült sie jährlich viele Millionen Dollar ins Land, dies sei auch durch den starken Widerhall, den Haiangriffe in den Medien fänden, gefährdet. Nach Hai-Angriffen mussten einige Strände in New South Wales mehrere Tage geschlossen werden. Es soll bereits Rückgänge bei Buchungen gegeben haben.

 

"Josh Frydenberg hat eindeutig den falschen Job. Als Umweltminister darf er nicht negative Auswirkungen auf bedrohte und geschützte Arten bewusst in Kauf nehmen, um die lokale Tourismusindustrie zu stützen", erklärt der Biologe Ulrich Karlowski von der GRD.

 

In New South Wales stehen derzeit an 51 Stränden Hainetze. Haiangriffe können sie dennoch nicht verhindern.

 

Die neuen Todesstrände für Delfine und andere Meerestiere in New South Wales sind: Lighthouse Beach, Sharpes Beach, Shelly Beach nahe Ballina, Seven Mile Beach bei Lennox Head and Evans Head Beach.

 


06.12.2016 10:59
Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V.

Ulrich Karlowski

info@delphinschutz.org