10 Jahre nach Dakar: Paradigmenwechsel in der Textilbranche

10 Jahre nach Dakar: Paradigmenwechsel in der Textilbranche
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10 Jahre nach Dakar: Paradigmenwechsel in der Textilbranche

Ein Jahrzehnt ist seit der Tragödie von Rana Plaza in Dhaka vergangen, die einen dunklen Schatten auf die Textilindustrie geworfen und die Notwendigkeit eines radikalen Wandels deutlich gemacht hat. Wie hat dieser tragische Moment die Debatten über Arbeitsbedingungen und Nachhaltigkeit in der Mode- und Berufsbekleidungsindustrie beeinflusst?

Gewinnmaximierung auf Kosten der Mitarbeitenden

Was in der Textilfabrik bei Dhaka geschah, ist ein extremes Beispiel für rücksichtslose Gewinnmaximierung. Eine baufällige Immobilie wurde zur Unterbringung von Textilfabriken missbraucht, die Sicherheit der Arbeiter:innen ignoriert. Trotz eines polizeilichen Zutrittsverbots wurden die Beschäftigten zur Weiterarbeit gezwungen, was zum Einsturz des Gebäudes mit 1.135 Toten und etwa 2.500 Verletzten führte.

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Die Ereignisse in Bangladesch sollten allen Herstellern von Textilien und anderen Produkten als eindringlicher Weckruf dienen, bei der Auswahl und Planung von Produktionsstätten keine Kompromisse bei der Standort- und Arbeitssicherheit einzugehen. Erfreulich ist, dass immer mehr Unternehmen den Nachhaltigkeitsgedanken tief in ihre Unternehmensphilosophie integrieren und bei Neubauten konsequent auf ein sicheres und sorgenfreies Arbeitsumfeld für ihre Beschäftigten setzen. Diese extreme Vernachlässigung der Menschenrechte ist ein Zeichen für ein größeres Problem, nämlich die Behandlung von Kleidung als billige Massenware.

Kleidung als Massenware und Wegwerfprodukt

Die miserablen Arbeitsbedingungen, die zu den Vorfällen in Bangladesch geführt haben, sind auch eine Folge der heutigen Produktion von Kleidung als billiger Massenware. Sie wird zu niedrigen Preisen gekauft und oft weggeworfen, sobald sie abgenutzt oder defekt ist. Diese Praktiken sind typisch für eine Wegwerfgesellschaft, die Ressourcen verschwendet und die Umwelt belastet. Die gute Nachricht: Das Bewusstsein für die Problematik des heutigen Konsumverhaltens wächst und immer mehr Menschen distanzieren sich von der Wegwerfmentalität und legen Wert auf Qualität und Umweltschutz. Während Mode als Wegwerfprodukt betrachtet wird, gibt es einen anderen Bereich, der nicht aus den Augen verloren werden darf und anders betrachtet werden muss – die Berufsbekleidung.

Berufsbekleidung wird nicht ausgetauscht, wenn ein neuer Modetrend einsetzt, sondern erst dann, wenn sie verschlissen ist und ihren Zweck als Arbeits- und Schutzkleidung nicht mehr erfüllt. Gerade deshalb ist es wichtig, dass die Hersteller der Versuchung widerstehen, billige Ware möglichst kostengünstig herzustellen, und sich stattdessen auf die Bereitstellung qualitativ hochwertiger, robuster und langlebiger Arbeitskleidung konzentrieren.

Schwedisches Unternehmen – Vorreiter für nachhaltige Produktionsstätten

Blåkläder Workwear, ein 1959 gegründetes schwedisches Familienunternehmen für Berufsbekleidung, zeigt, wie durch ein konsequentes Nachhaltigkeitskonzept im gesamten Unternehmen energieeffiziente, klima- und ressourcenschonende sowie sichere Arbeitsbedingungen realisiert werden können. Die Produktionsstätten des Unternehmens in Vietnam, Sri Lanka und Myanmar verdienen zu Recht das Prädikat sicher, „grün“ und in hohem Maße nachhaltig. Entsprechende Zertifikate belegen die nachhaltige Ausrichtung.

Seit 1999 produziert das Unternehmen in Vietnam und hat seit 2006 weitere sechs Standorte in Sri Lanka errichtet. Blåkläder Workwear unterscheidet sich von anderen Textilherstellern dadurch, dass das Unternehmen alle Produktionsstandorte nach einer eigenen Nachhaltigkeitsrichtlinie konzipiert hat. Diese Praxis wird auch offiziell anerkannt, und eine Produktionsstätte in Myanmar erhielt kürzlich die LEED Platin-Zertifizierung.

Das LEED Platin ist kein einfaches Lob, sondern ein von weltweit renommierten Bewertungssystemen für ökologisches Bauen nach strengen Verfahren vergebenes Zertifikat. Besonders nachhaltige Betriebe erzeugen oft einen Großteil ihres Stroms selbst mittels Photovoltaik, nutzen wassergekühlte Klimasysteme und wasserersparende Technologien. Blåkläder implementiert diese umweltschonenden Technologien schon in der Planungsphase seiner Standorte.

Ganzheitliche Nachhaltigkeit als Alleinstellungsmerkmal

Ob im Bau von Produktionsstätten, der Wahl der Herstellungsverfahren oder der Verarbeitung von Materialien, jeder Bereich bietet erhebliches Potenzial für Nachhaltigkeit. Gleichzeitig muss die Situation der Produktionsmitarbeiter:innen immer berücksichtigt werden; jede:r verdient einen sicheren Arbeitsplatz, faire Bezahlung und angemessene medizinische Versorgung. Doch das schwedische Familienunternehmen geht noch weiter: Es versorgt die Kinder der Mitarbeiter:innen mit Schulbüchern, bietet der Belegschaft kostenlose Mahlzeiten und unterstützt die Gemeinden, in denen die Produktionsstätten liegen.

Konsequent umgesetzte Nachhaltigkeit umfasst neben Umwelt-, Klima- und Ressourcenschutz auch soziale Verantwortung. Bei Blåkläder Workwear ist Nachhaltigkeit seit der Firmengründung fest verankert und bildet das Herzstück des Unternehmens. Das Ergebnis ist ein zukunftsorientiertes Konzept, das nicht nur Umwelt, Klima und Ressourcen schont, sondern auch die Mitarbeiter:innen.

Christian Schultze

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