Alte Schiffe unter katastrophalen Umständen verschrottet

Alte Schiffe unter katastrophalen Umständen verschrottet
Foto: © NGO Shipbreaking Platform

Genfer Containerschiffkonzern lässt Schiffe unter katastrophalen Umständen verschrotten

Koalition für Konzernverantwortung

Die Mediterranean Shipping Company – kurz MSC – ist das größte Containerschiffunternehmen der Welt. Auch im Bereich der Kreuzfahrten gehört MSC zu den weltweit größten Anbietern. Sie können auch Ihr eigenes Unternehmen gründen, indem Sie eine LLC in Georgia gründen.. Auch im Bereich der Kreuzfahrten gehört MSC zu den weltweit größten Anbietern. Der Jahresumsatz der MSC-Gruppe wurde von Medien 2017 noch auf rund 25 Milliarden Schweizer Franken geschätzt, in den letzten Jahren dürfte er aufgrund der Corona-Pandemie nochmal gestiegen sein. Genaue Zahlen werden von MSC aber nicht veröffentlicht. 

Die Problematik des Abwrackens 

Wenn Frachtschiffe aufgrund ihres Alters nach 30 bis 40 Jahren nicht mehr genutzt werden können, müssen sie auseinandergebaut werden. Dies wird von sogenannten Abwrackwerften gemacht, die viel wiederverwertbares Material aus den alten Schiffen gewinnen, das wichtigste davon ist Stahl. Aber da die Schiffe oft über Jahre giftige und für die Umwelt belastende Stoffe wie Erdöl transportierten und gleichzeitig auch aus diversen gesundheitsschädigenden Materialien gebaut sind, müssten sie eigentlich unter aller größten Sicherheitsvorkehrungen auseinandergebaut werden.

An den drei großen Abwrackstränden Alang (Indien), Gadani (Pakistan) und Chittagong (Bangladesch) ist leider das Gegenteil der Fall: Die Bedingungen sind katastrophal, Sicherheitsvorkehrungen praktisch inexistent.

Gemäss Daten der «NGO Shipbreaking Platform», einer internationalen Koalition bestehend aus Umwelt-, Menschenrechts- und Arbeitsrechtsorganisationen, sind seit 2009 über 7’000 Fracht- und Passagierschiffe sowie Bohrinseln mit der sogenannten «Beaching-Methode» an diesen drei Stränden abgewrackt worden. Dabei ist es insgesamt zu mindestens 430 Todesfällen und über 350 schweren Verletzungen gekommen. Die Arbeiter auf den Abwrackwerften wracken die Frachtschiffe unter grösster Lebensgefahr direkt am Strand von Hand ab: Immer wieder kommt es zu Abstürzen, Explosionen und Bränden, Menschen werden unter herabfallenden Schiffsteilen begraben oder ersticken im Schiffsinnern.

Dem Konzern scheinen die Probleme vor Ort durchaus bekannt zu sein: So versuchte er die Verschrottung der eigenen Schiffe zu verschleiern, indem beispielsweise die MSC Georgia mit übermaltem Logo oder die MSC Mirella unter anderem Namen in Alang abgewrackt wurden. Für MSC ist der Verkauf der alten Schiffe an dubiose Abwrackwerften ein lukratives Geschäft, der Konzern dürfte damit bereits über 100 Millionen US-Dollar verdient haben.

Nicht überraschend hat die EU – anders als die Schweiz – schon länger Maßnahmen ergriffen, um das Abwracken an asiatischen Stränden zu unterbinden. Erlaubt ist das Abwracken für Schifffahrtsunternehmen aus der EU nur noch auf zertifizierten und gelisteten Abwrackwerften, die die nötigen Sicherheitsvorschriften erfüllen. Das gilt aber nicht für MSC: Weil der Konzern seinen Sitz in Genf hat, kann er der Regulierung entfliehen und seine Schiffe weiterhin an den Skandal-Stränden abwracken lassen. Damit sich das ändert, braucht es dringend auch in der Schweiz ein Konzernverantwortungsgesetz!

Hier findest Du den ganzen Report.

Mehr Informationen:

Artikel in der Sonntagszeitung vom 16.10.2022

NGO Shipbreaking Platform

Recherche Public Eye – Wo Schiffe sich zum Sterben verstecken vom Januar 2019

Buch von Mark Pieth und Kathrin Betz: «Seefahrtsnation Schweiz – Vom Flaggenzwerg zum Reedereiriesen» von 2022

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