Ansteckende Feuer

Ansteckende Feuer
Pyrocumulonimbus sind in der Meteorologie hoch reichende Gewitterwolken, die durch große Brände entstehen. Sie können Rauch in die untere Stratosphäre transportieren, der sich von dort monatelang weltweit verbreitet. Foto: Merrin Macleod /Wikimedia, CC BY-SA 4.0

Durch Waldbrände können sich auch schädliche Mikroben verbreiten

Von Norbert Suchanek

Große Wald- und Buschfeuer haben in den vergangenen Jahren in Australien, Brasilien und Kalifornien zugenommen und setzen weite Gebiete tage- und wochenlang unter dichte Rauchschwaden. Dies hat nicht nur ökologische, sondern auch gesundheitliche Folgen. Die Qualmwolken enthalten giftiges Kohlenmonoxid (CO) und Feinstäube, die gerade für Menschen mit Lungenproblemen wie Bronchitis oder Asthma gefährlich sind. Australische Forscher schätzen, dass bei den verheerenden Buschbränden zwischen November 2019 und Februar 2020 etwa vier von fünf Personen in Australien vom Smog betroffen waren. Mehr als 400 Menschen starben an den Folgen. Wissenschaftler aus Kalifornien und Idaho warnen jetzt davor, dass die großen Flächenbrände auch noch andere Gesundheitsgefährder bis in weit entfernte Städte hinein verbreiten: Mikroorganismen.

Rekordbrände in Brasilien

Die Rauchschwaden könnten potenziell schädliche Bakterien und Pilze sowie Teile von ihnen aus abgelegenen Gebieten über weite Strecken transportieren, schreiben Leda N. Kobziar von der University of Idaho und George R. Thompson von der University of California in Davis im Fachjournal »Science«. Durch Studien belegt ist, dass die Luftverschmutzung durch Wald- und Buschbrände das Risiko von Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen erhöht. Inwieweit mit dem Rauch auch krankmachende Mikroben verbreitet würden, sei bislang hingegen wenig untersucht, erläutern die Ökosystemforscherin Kobziar und der Mediziner Thompson.

Die Bakterien und Pilze gelangten beim Verbrennen von Pflanzen und Boden als Bioaerosole in den Rauch. Jahrzehntelang wurde allgemein angenommen, dass Mikroorganismen im Rauch eines Waldbrands nicht überleben könnten. Dies allerdings widerlegten nun die beiden US-Forscher. Einige der Mikroben würden zwar bei den hohen Temperaturen absterben, doch viele seien in den Rauschwaden überlebensfähig.

Die Wissenschaftler fanden Bakterien selbst bei sehr intensiven und heißen Bränden in einer Höhe von 300 Metern über dem Feuer. Mehr als 60 Prozent dieser Mikroben waren überlebensfähig. Kobziar und Thompson vermuten, dass Rußpartikel im Rauch die Mikroorganismen vor der für sie tödlichen ultravioletten Strahlung schützen.

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Coccidioides_immitis Foto: Wikimedia/Gemeinfrei

Die Hauptfrage aber sei, inwieweit diese Bakterien und Pilze tatsächlich eine Gesundheitsbedrohung darstellen. So haben die Forscher im Rauch mehrere überlebende Mikroorganismen gefunden, die Atemwegserkrankungen auslösen können: „Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Organismen eine Infektion verursachen, ist hoch, wurde jedoch noch nicht experimentell getestet.“ In Regionen mit vermehrten Flächenbränden gelte eine Infektion mit dem Bodenpilz Coccidioides immitis bereits als typisches Berufsrisiko für Feuerwehrleute, berichten die Forscher.

Frühere Studien zu den Auswirkungen von Hurrikanen und anderen Stürmen haben gezeigt, dass Erreger mit dem Wind extrem lange Strecken zurücklegen können. Die Fähigkeit der Rauchschwaden, Mikroben auf der ganzen Welt zu verbreiten, lasse jedoch darauf schließen, dass es sich möglicherweise um ein »fehlendes Glied« handelt, um einige Infektionsmuster zu erklären. Viele Fälle von ungeklärten Infektionen könnten aufgrund des Transports von Krankheitserregern aus Waldbränden verursacht sein.

Kobziar und Thompson halten deshalb eine stärkere Überwachung der von Wald- und Buschbränden ausgehenden Rauchschwaden für dringend erforderlich. Angesichts des Klimawandels, der die Waldbrandsaison verlängert und das Ausmaß von Bränden vergrößert, sei es nötig, die vom Rauch transportierten Krankheitserreger und ihre Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit multidisziplinär zu untersuchen.

Studie in „Science“ DOI: 10.1126/science.abe8116

Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors!

Die Erstveröffentlichung erfolgte in „Neues Deutschland“ am 30.01.2021 

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