Artenvielfalt: Doch noch Grund zur Hoffnung

Artenvielfalt: Doch noch Grund zur Hoffnung
Calotes goetzi Foto: Henrik Bringsoe/WWF

Artenvielfalt: Doch noch Grund zur Hoffnung

Zum Tag der Biologischen Vielfalt (22. Mai) schickt der WWF nach all den vielen wenig positiven Meldungen der Naturschutzszene über den Schwund der Arten auf der Erde eine eher hoffnungsfrohe News: Ein neuer WWF-Bericht dokumentiert die Arbeit hunderter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von Universitäten, Naturschutzorganisationen und Forschungsinstituten weltweit, die in Kambodscha, Laos, Myanmar, Thailand und Vietnam insgesamt 290 Pflanzen, 19 Fische, 24 Amphibien, 46 Reptilien und ein Säugetier entdeckt haben.

Damit erhöht sich die Gesamtzahl der seit 1997 in der Greater Mekong-Region beschriebenen Gefäßpflanzen, Fische, Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere auf 3.389.

Die Erde ist doch noch bunter als bislang gedacht
  • Eine Echse, die zur Verteidigung ihre Farbe wechselt,
  • ein Frosch mit „Moos-Haut“, der ausschaut wie ein Fantasiewesen,
  • eine neuentdeckte und vielleicht bereits ausgestorbene Fledermaus,
  • eine „göttliche“ Giftschlange und
  • eine Orchidee, die wie berühmte Muppets-Monster aussieht
Impatiens subfalcata Foto: Shuichiro Tagane/WWF

Das sind nur einige der 380 neuen Arten, die Forschende in der südostasiatischen Mekong-Region in den Jahren 2021 und 2022 entdeckt haben. Der jetzt veröffentlichte Bericht des WWF zeigt, dass viele dieser Arten bereits zum Zeitpunkt ihrer Erstbeschreibung vom Aussterben bedroht sind. „Massive Lebensraumzerstörung, riesige Wasserkraftanlagen und Wilderei im großen Stil bedrohen den gesamten Naturraum“, schreibt die Artenschutzorganisation dennoch. Das „Goldene Dreieck“, eine Region in der Thailand, Myanmar und Laos aufeinandertreffen, gilt den Naturschützern zudem auch als Hot Spot des illegalen Wildtierschmuggels.

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„In der Mekong-Region gibt es vermutlich noch unzählige Arten, die die Wissenschaft nicht kennt. Es könnten Tier- und Pflanzenarten für immer ausgelöscht werden, bevor wir überhaupt von deren Existenz erfahren“, zitiert der Bericht Dr. Stefan Ziegler. „Unser Ziel muss es sein, die biologisch wertvollen Gebiete am Mekong grenzüberschreitend und dauerhaft zu schützen, sowie die natürlichen Ressourcen nachhaltig zu nutzen. Gesunde und intakte Ökosysteme kommen dabei auch der lokalen Bevölkerung zugute.“

Milliarden für den Artenschutz endlich auch zahlen

Angesichts dessen fordert der WWF zum Internationalen Tag der Artenvielfalt von der Bundesregierung mehr Engagement zum Schutz der weltweiten Biodiversität. Deutschland müsse, so die Forderungen, seine gegebenen Versprechen einhalten. Bundeskanzler Olaf Scholz hatte im September 2022 im Rahmen der UN-Generalversammlung verkündet, die internationale Biodiversitätsfinanzierung bis 2025 auf 1,5 Milliarden Euro pro Jahr zu erhöhen.

Die Umweltverbände fordern mindestens zwei Milliarden Euro pro Jahr. Bisher, so die WWF-Kritik, stehen jedoch keine neuen Mittel im kommenden Bundeshaushalt in Aussicht. Die Bundesrepublik müsse angesichts des weltweiten Artensterbens endlich „das Gaspedal durchdrücken“ und den gegebenen Zusagen, auch im Rahmen internationaler Abkommen, nachkommen.

Die Highlights des Berichts
  • Die Blaukopf-Schönechse (Calotes goetzi) aus Kambodscha, die ihre Farbe als Verteidigungsmechanismus wechselt und in der Nähe einer archäologischen Stätte aus der Angkor-Ära gefunden wurde.
  • Hayes-Dickdaumen-Mausohr (Myotis hayesi), eine Mausohrfledermaus mit ungewöhnlich fleischigen Daumen, könnte mit ihrer Neuentdeckung bereits ausgestorben sein. Identifiziert wurde die Fledermausart durch ein Exemplar, das 20 Jahre lang in einem ungarischen Museum aufbewahrt wurde. Jetzt suchen Forscher in Kambodscha nach noch lebenden Exemplaren.
  • Eine neue Moosfroschart (Theloderma khoii) ist eine spektakuläre Entdeckung im Norden Vietnams. Die grünen Amphibien haben eine Moos-gleiche Hautstruktur und sind dadurch bestens getarnt.
  • Dendrobium fuscifaucium, eine Mini-Orchidee mit leuchtend rosa und leuchtend gelber Färbung, die der Monster-Crew ähnelt, die den bekannten „Mah na mah na“-Song aus der Muppets Show singt.
  • Suzhens Krait (Bungarus suzhenae), eine äußerst giftige Schlange, benannt nach Bai Su Zhen, einer Schlangengöttin aus einer chinesischen Legende namens „Die Legende der Weißen Schlange“.
Hebius terrakarenorum Foto: WWF/Ton Smits_Thailand

  • Eine halbaquatische Schlange, Hebius terrakarenorum, die im Dawna-Tenasserim-Gebiet zwischen Thailand und Myanmar gefunden wurde. Sie ist 650 Millimeter lang und wurde ausschließlich anhand von über einen Zeitraum von zehn Jahren gesammelten überfahrenen Exemplaren und einigen Fotos identifiziert.
  • Der Thai-Krokodil-Molch (Tylototriton thaiorum) in Vietnam, bedroht durch landwirtschaftliche Eingriffe, Abholzung und die Sammlung durch Gemeinden als traditionelle Heilung gegen Bauchschmerzen und parasitäre Infektionen.
  • Ein Bogenfingergecko in Thailand (Cyrtodactylus rukhadeva), benannt nach einer mythologischen Nymphe, die in Bäumen lebt und die Wälder schützt. Er wurde in den Tenasserim-Bergen an der Grenze zu Myanmar entdeckt und öffnet aggressiv seinen Mund und wedelt mit dem Schwanz, wenn er bedroht wird.

red

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