Bayern torpediert das Deutschlandticket

Bayern torpediert das Deutschlandticket
Foto: Pixabay CC/PublicDomain

Bayern torpediert das Deutschlandticket

Seit dem 1. Mai 2023 gibt es das 49 Euro- oder Deutschlandticket. Viele Verkehrsunternehmen und Aufgabenträger hatten vor der Einführung Bauchschmerzen, haben aber doch letztendlich ihre Vorbehalte hintenan gestellt, um das Projekt nicht zu gefährden.

Was jetzt in Bayern passiert ist, macht einen ob der Dreistigkeit sprachlos. Die Bayerischen Verkehrsverbünde haben offenbar bereits Mitte Mai einen Brief aus dem Bayerischen Staatsministerium erhalten. Darin vertritt das Ministerium die Auffassung, dass alle Mehrerlöse, die im Zusammenhang mit dem Verkauf der Variante Plastikkarte des 49 Euro-Tickets entstehen, nicht bei den Verbünden verbleiben dürfen sondern an das Ministerium abzuführen seien. Auch alle Kosten, die mit der Ausgabe der Karte entstehen, dürfen nicht von den Einnahmen abgezogen werden, eine Vertriebsprovision (die selbstverständlich ist) dürfe ebenfalls nicht abgezogen werden.

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Absichtlich die Plastikkarte kaputt gemacht

Deshalb haben im Verbund „mona“ (Mobilitätsgesellschaft für den Nahverkehr im Allgäu) die Kemptener Verkehrsbetriebe als erste diese Auslegung öffentlich gemacht und Konsequenzen gezogen. Die Plastikkarte des 49 Euro-Tickets gibt es dort ab September 2023 nicht mehr.

Damit macht das Bayerische Staatsministerium absichtlich den Vertrieb als Plastikkarte kaputt! Denn die ausgebenden Unternehmen würden beim Weiterverkauf unverantwortlich handeln, weil sie noch nicht einmal ihren Aufwand ersetzt bekommen. Das faktische Verbot des Verkaufs einer Plastikkarte bedeutet einen Zwang zum Kauf als digitale Variante.

Warum? Der DBV hat darauf keine Antwort.

Die Willkür, mit der das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr plötzlich seine Meinung ändert, schadet letztendlich dem Erfolg des 49 Euro-Tickets. So geht man nicht im kooperativen Miteinander um.

Bayern blockiert den Verkauf des Deutschlandtickets

Das faktische Verbot der Variante Plastikkarte bedeutet eine Beschränkung der Zugangs- und Nutzungsmöglichkeiten. Ist das gewollt? In Bayern scheinbar ja. Der DBV fordert stattdessen, die noch bestehenden Zugangshürden zum 49 Euro-Ticket abzubauen. Es muss auch spontan mit sofortiger Wirkung und ohne Zwangsabonnement zu kaufen sein.

Fazit: Die nachträgliche Auslegungen des Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr führen zu Finanzproblemen und der Einstellung des Verkaufs bei den regionalen Verbünden.

Frank Böhnke

Frank Böhnke (DBV)

Der Autor
des Gast-Kommentars
ist im
Bundesvorstand des
Deutscher Bahnkunden e. V. (DBV)
für Länderaufgaben
zuständig

One thought on “Bayern torpediert das Deutschlandticket

  1. Es ist enttäuschend zu hören, dass die Bayerischen Verkehrsverbünde mit dieser Vorgehensweise konfrontiert sind. Die Einführung des 49 Euro Deutschlandtickets sollte eine positive Entwicklung sein, um den Zugang zum öffentlichen Verkehr zu fördern. Es ist bedauerlich, dass das Bayerische Staatsministerium versucht, die Einnahmen und Mehrerlöse auf diese Weise zu beanspruchen. Eine faire und transparente Verteilung der Einnahmen aus solchen Programmen ist wichtig, um den öffentlichen Verkehr und die Mobilität der Bürger zu unterstützen. Es bleibt zu hoffen, dass diesbezüglich eine gerechte Lösung gefunden werden kann.

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