Begrünte Dächer fördern die Artenvielfalt

Begrünte Dächer fördern die Artenvielfalt
Grüne Dächer für mehr Artenschutz Foto: wikimedia commons 4.0

Begrünte Dächer fördern die Artenvielfalt

welt.de: Hamburg hat seit mehr als sieben Jahren seine Dächer besonders im Blick und fördert deren Begrünung. Die positiven Effekte sind nachweisbar. Ein Zwischenbericht hat Erstaunliches zutage gebracht.

Wenn Hanna Bornholdt ihren Blick über das Dach der Hamburger Umweltbehörde schweifen lässt, hat sie kaum Augen für die Elbphilharmonie oder den Michel am Horizont. Die Landschaftsarchitektin betrachtet stattdessen die Gräser, Moose, Kräuter und Fetthennen-Arten, die auf dem Flachdach der Behörde wachsen.

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Denn die haben in den vergangenen acht Jahren eine erstaunliche Artenvielfalt auf die Gründächer der Hansestadt gebracht, wie eine ökofaunistische Begleituntersuchung von Stadt, der Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaften und der Universität Hamburg ergeben hat.

„Wir haben mehrere Käfer gefunden, die auf der Roten Liste stehen und sehr selten vorkommen – vor allem hier mitten in der Stadt. Darunter waren viele Arten, die selbst Biologen nie so erwartet hatten“, sagt die Projektleiterin für Hamburgs Gründachstrategie. Insgesamt mehr als 235 verschiedene Käferarten sind den Experten auf sieben Gründächern der Hansestadt innerhalb von zwei Jahren in die Becherfallen für das wissenschaftliche Monitoring gegangen. Auch viele Wespen und Wildbienen wurden registriert.

Damit wird gleichzeitig die Vogelwelt unterstützt. „Denn wo Insekten sind, gibt es auch mehr Vögel.“ Wer beispielsweise bei der Umweltbehörde auf ein Gründach steigt, der kann dort etwa brütende Möwen, Austernfischer und Enten finden.

Dem Naturschutzbund Nabu zufolge ist Deutschland im internationalen Vergleich gut aufgestellt. „Hierzulande werden weltweit die meisten Dächer begrünt“, sagt Fachreferent Stefan Petzold. Große Konkurrenz gebe es vor allem im asiatischen Raum. Das liege besonders an der Bevölkerungsdichte und daran, dass die Notwendigkeit wegen der Feinstaubbelastung und schlechter Luftqualität groß sei. Allgemein lasse sich ein positiver Trend beobachten. „So hat sich die Gesamtfläche an begrünten Dächern in Deutschland seit 2008 mehr als verdoppelt.“

Hamburg gilt dabei als einer der Vorreiter in Sachen grüne Dächer in der Stadt. In einem Ranking basierend auf etwa fünf Jahre alten Zahlen des Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaften findet sich die Hansestadt auf Platz fünf nach unter anderem Stuttgart und München. Seit 2014 ist aber auch viel Grün dazugekommen, denn seitdem gibt es in der Hansestadt die sogenannte Gründachstrategie. Ziel ist es, mindestens 70 Prozent der Neubauten und der geeigneten, zu sanierenden Dächer zu begrünen.

Dabei gibt es auch Fördermittel – 3,5 Millionen Euro bis Ende 2024. Bis zu 50 Prozent der Kosten pro Quadratmeter und maximal 100.000 Euro sind als Zuschuss von der Stadt möglich. Bislang wurden 325 Anträge gestellt und 94 000 Quadratmeter Dachbegrünung bewilligt. Auch Fassadenbegrünung wird seit 2020 gefördert. Unter Solaranlagen ist auch ein Gründach möglich.

Zur Strategie gehört aber auch: darüber reden und über bestehende Gesetze mehr einfordern. „Städtebaulich relevante Projekte finden in Hamburg kaum mehr ohne Gebäudebegrünung statt“, so Bornholdt. Etwa die Hälfte von Hamburgs Dächern sind flach genug für eine Begrünung – derzeit sind etwa fünf Prozent davon begrünt… weiterlesen

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