Bessere Regulierung des Tierhandels gefordert

Bessere Regulierung des Tierhandels gefordert
Screenshot: Pro Wildlife

Bessere Regulierung des Tierhandels gefordert

Zwei Drittel aller neuartigen Infektionskrankheiten, die von Tieren auf den Menschen übertragen werden, stammen von Wildtieren. Trotzdem ist der Handel mit Wildtieren nach und in Deutschland bis heute größtenteils unreguliert.

Das zeigt die zweijährige Studie „Strategien zur Reduktion der Nachfrage nach als Heimtiere gehaltenen Reptilien, Amphibien und kleinen Säugetieren“, die Pro Wildlife im Auftrag des Bundesumweltministeriums und des Bundesamt für Naturschutz durchführte.

Hintergrund: Jährlich werden in Deutschland hunderttausende exotische Tiere gehandelt und das meist völlig legal. Woher die Tiere stammen, ist oft nur schwer nachvollziehbar, da die Einfuhr von lebenden Wildtieren nach Deutschland nur sehr lückenhaft erfasst wird.

Politik hat Regulierung des Tierhandels bislang versäumt
Screenshot: Pro Wildlife

„Der legale Handel mit Wildtieren ist ein riesiges Geschäft und in Deutschland und in der EU kaum reguliert. Es gibt keine genauen Zahlen, wie viele Tiere jährlich nach Deutschland importiert werden, ganz zu schweigen von den Krankheitserregern, die diese mit sich bringen“, erklärt Katharina Lameter von der Artenschutzorganisation Pro Wildlife. Auch Tiere aus freier Natur dürfen noch immer gehandelt werden. Zudem sind Händler nicht verpflichtet, Angaben zur Herkunft der Tiere zu machen.

In der jüngst veröffentlichten Studie fanden die Autorinnen in einem Jahr mehr als 2.000 verschiedene Wildtierarten im deutschen Heimtierhandel, davon fast 200 exotische Säugetierarten. 88 Arten waren Nagetiere, 23 Primaten sowie drei Arten Flughunde. Diese drei Gruppen sind für die Übertragung von Zoonosen besonders relevant.

Flughunde und Fledermäuse gelten beispielsweise als Ursprung von Krankheiten wie COVID-19, Ebola, Nipah-Virus-Infektion, Marburg-Fieber und SARS. „Die Politik hat den Wildtierhandel bisher viel zu wenig beachtet. 75 Prozent der gehandelten Arten sind nicht geschützt, der Handel mit diesen Tieren wird nicht einmal erfasst“, erklärt Lameter.

Nicht erst Corona ist von Tieren auf Menschen übergesprungen

„Das Coronavirus SARS-CoV-2 ist nur ein Beispiel für eine lange Liste an Krankheiten, die von Wildtieren auf den Menschen übertragen werden können. Wissenschaftler und die WHO weisen Behauptungen zurück, das Virus sei in einem Labor hergestellt worden. Höchstwahrscheinlich stammt das Virus von Fledermäusen und wurde über einen Zwischenwirt auf den Menschen übertragen.“, so Lameter.

Screenshot: Pro Wildlife

Ein tödlicher Erreger, der von exotischen Heimtieren in Deutschland übertragen wurde, ist das Bunthörnchen-Bornavirus. In den USA übertrugen Präriehunde Affenpocken. Die Vogelgrippe H5N1, die über Zugvögel nach Europa kam, wurde auch in gehandelten Papageien nachgewiesen. In diesem Zusammenhang und basierend auf einem Gutachten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit führte die Europäische Union 2005 ein EU-weites Importverbot für Wildvögel ein. Einfuhren lebender Wildvögel in die EU sind nur aus registrierten Zuchtbetrieben möglich.

„Wir brauchen dringend präventive Maßnahmen und strengere Gesetze. Wie beim Wildvogelhandel brauchen wir auch ein Importverbot für alle anderen Wildtiere, mit nur wenigen und klar definierten Ausnahmen, um den zerstörerischen Handel zu beenden und Menschen und Tiere vor Krankheitserregern zu schützen. Auch eine Positivliste, die ausschließlich die Haltung und den Handel von Tierarten erlaubt, die aus Tier- und Artenschutzsicht sowie unter Berücksichtigung gesundheitlicher Aspekte unbedenklich sind, wäre ein geeignetes Instrument“, so Lameter abschließend.

RED

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