Buchenwald braucht unsere Hilfe

Buchenwald  braucht unsere Hilfe
Rotbuche Foto: Nicola Uhde/BUND

Buchenwald braucht unsere Hilfe

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sorgt sich zum Tag der Buchenwälder (25. Juni) um die bedrohten, für Deutschland jedoch typischen Lebensräume. „Bund und Länder müssen endlich ihre internationale Verantwortung für diese wertvollen Lebensräume ernst nehmen und besonders alte Buchenwälder besser schützen“, fordert BUND-Chef Olaf Bandt: „In Deutschland stünden von Natur aus besonders viele Rotbuchenwälder, damit haben wir eine internationale Verantwortung für den Erhalt dieser vielfältigen Lebensräume – gerade in Zeiten des Artensterbens und des Klimawandels.“

Die unterschiedlichen Buchenwälder beherbergen eine enorme biologische Vielfalt – bis zu 11.000 Tier-, Pflanzen- und Pilzarten. „Alte, naturnahe Buchenwälder von über 180 Jahren zählen zu den am stärksten bedrohten Lebensräumen der Erde“, erklärt Bandt weiter. „Dabei sind sie wahre Hotspots der Artenvielfalt, die wir dringend erhalten müssen.“

Nur noch jede 6. Buche ist gesund

Der Verantwortung für die Buchenwälder werden Bund und Länder nach Auffassung der Naturschützer bislang jedoch nicht gerecht – seit Jahren würden vielerorts zu viele Bäume in zu kurzen Zeitabständen gefällt.

„Wir fordern von der öffentlichen Hand einen verantwortungsvolleren Umgang mit den ihnen anvertrauten Buchenwäldern“, sagt daher der BUND-Vorsitzende. Infolge jahrzehntelanger intensiver Forstwirtschaft seien viele Buchenwälder so stark aufgelichtet worden, dass sie besonders anfällig für die Folgen der Klimakrise sind. Bandt weiter: „Das Waldsterben ist von Menschenhand gemacht. Sei es der Trockenstress in Folge der Klimakrise oder die Stickstoffemissionen aus Verkehr, Industrie und Landwirtschaft, den Wäldern geht es so schlecht wie seit Jahrzehnten nicht. In Dürrezeiten verdursten die Bäume regelrecht.“

Totholz im Steihgerwald Nicola Uhde BUND
Totholz im Steigerwald Foto: Nicola Uhde/BUND

Nur jede sechste Buche ist laut aktuellem Waldzustandsbericht noch gesund. Die Bundesregierung müsse „jetzt schnell effektive Klimaschutzmaßnahmen ergreifen sowie Schadstoffemissionen wirksam reduzieren“, schreibt der Verband in einer Pressemeldung zum TAg der Buchenwälde. Ein schonenderer Umgang mit den Wäldern sei längst überfällig. Bandt: „Bund, Länder und Kommunen müssen einer verkehrten Forstwirtschaft, die die Wälder durch zu starke Eingriffe schwächt und alte Waldbestände systematisch vernichtet, ein Ende bereiten. Die ökologische Waldwende ist überfällig. Wer in Zeiten der Klimakrise Buchenwälder, die über 100 Jahre gewachsen sind, massiv auflichtet, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, diese Wälder zu zerstören.“

MIndestens 10 Prozent der Wälder müssten naturbelassen wachsen dürfen

Nach Auffassung des BUND müssen mindestens 10 Prozent der Wälder dauerhaft ihrer natürlichen Entwicklung überlassen werden. Eine intakte Waldwildnis sei ein essentieller Baustein für den Schutz der biologischen Vielfalt. Mit Blick auf den Anteil von Naturwäldern in Deutschland ergänzt Bandt: „Nur 2,8 Prozent Naturwälder ist ein absolutes Armutszeugnis. Deutschland kann sich im globalen Kontext nur dann glaubwürdig für den Erhalt von Regenwäldern einsetzen, wenn es seine Verantwortung für den Schutz der heimischen Buchenwälder ernst nimmt und Waldwildnis eine echte Chance gibt.“ 

Gerade bei der Ausweisung von Naturwäldern und dem Schutz von alten Buchenwäldern komme den Bundesländern eine besondere Aufgabe zu. Der BUND-Vorsitzende fordert: „Insbesondere die Länder müssen in den wenigen noch verbliebenen großflächigen Laubmischwäldern endlich dauerhaft auch größere Wälder unter Schutz stellen, vor allem in Bayern durch einen Nationalpark Steigerwald und Teile des Hochspessarts. Wir fordern die Bundesregierung auf, ein Programm zur Sicherung von Naturwäldern auf den Weg zu bringen, in das Bund, Länder und Kommunen einbezogen werden. Wildnisfonds und Waldklimafonds bieten hier Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung.“

Vor dem Hintergrund der Klimakrise fordert der BUND eine sofortige Abkehr von der Nadelholz-Wirtschaft. Der Umbau der Wälder hin zu Laubmischwäldern könne nur gelingen, wenn die natürliche Verjüngung von Laubbäumen eine Chance hat und kleine Buchen aufwachsen können, ohne vom Wild abgefressen zu werden.

pm

JUnge Rotbuchen Nicola Uhde BUND
Junge Rotbuchen Foto: Nicola Uhde/BUND
Für die Waldwende fordert der BUND:

Klima schützen und Stickstoffemissionen reduzieren

  • effektive Klimaschutzmaßnahmen ergreifen: Maßnahmen zur absoluten Energieeinsparung, ein schneller Ausstieg aus fossilen Energien, allen voran der Kohleverstromung und eine schnellstmögliche Umstellung des Energiesystems auf 100 Prozent erneuerbare Energien
  • Schadstoffemissionen aus Verkehr, Industrie und Landwirtschaft wirksam reduzieren: fossile Feuerungen in Energiewirtschaft, Industrie und Haushalten dauerhaft reduzieren, Mobilitätssektor umbauen, Agrarwende einleiten, mit einem Umbau der Nutztierhaltung und einer Halbierung der Nutztierbestände bis 2050 

Schonender Umgang und ökologisch verträgliche Waldbewirtschaftung

  • ökologische Mindeststandards in den Waldgesetzen von Bund und Ländern festschreiben
  • den Anteil der Buchenwälder mit einem Alter über 180 Jahre in den öffentlichen Wäldern massiv erhöhen, ebenso wie den Anteil von Biotopholz in öffentlichen Wäldern, insbesondere dicke Stämme; private Waldbesitzer sollen hierfür finanziellen Ausgleich erhalten

Schutz von Naturwäldern und Waldwildnis

  • mindestens 10 Prozent der Wälder dauerhaft ihrer natürlichen Entwicklung überlassen
  • in den wenigen verbliebenen großflächigen Laubmischwäldern der Länder endlich dauerhaft auch größere Wälder unter Schutz stellen
  • Programm zur Sicherung von Naturwäldern auf den Weg bringen, in das Bund, Länder und Kommunen einbezogen werden

Waldumbau durch Naturverjüngung unterstützen, Jagdgesetz waldfreundlich gestalten

  • im neuen Bundesjagdgesetz sicherstellen, dass das Wildtiermanagement die natürliche Verjüngung und Wiederbewaldung durch Laubbäume und Tanne ohne Zaun oder andere Schutzmaßnahmen zulässt
  • die Ausgestaltung der Jagd verbindlich an den Erfolg des Waldumbaus und der Wiederbewaldung mit Laubbäumen knüpfen
  • als objektive Grundlage bei der Festsetzung des Abschusses von Wild sind verpflichtende, periodische und öffentlich zugängliche Vegetationsgutachten heranzuziehen, die revierweise Auskunft über die Zukunftsfähigkeit der nächsten Waldgeneration geben

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