„CCS keine Universallösung für Klimaschutz“

„CCS keine Universallösung für Klimaschutz“
CCS-Lagerstätte Foto: Vit Hladik/Wikimedia CC 3.0

„CCS keine Universallösung für Klimaschutz“

spektrum.de: Deutschland sollte Kohlendioxid unterirdisch einlagern, sagt die Geophysikerin Susanne Buiter im Interview. Sie erklärt, was CCS für den Klimaschutz leisten kann – und was nicht.

Soll Kohlendioxid, das als Treibhausgas die Erderwärmung vorantreibt, auch in Deutschland tief im Untergrund eingelagert werden, um es aus der Atmosphäre fernzuhalten? 2012 hatte die damalige schwarz-gelbe Koalition das so genannte »Carbon Capture and Storage« (CCS) wegen Angst vor Protesten aus der Bevölkerung auf Eis gelegt. Nun soll es einen neuen Anlauf geben. Im Interview erklärt die Geophysikerin Susanne Buiter vom Deutschen GeoForschungsZentrum (GFZ) in Potsdam, ob und unter welchen Bedingungen CCS zum Klimaschutz beitragen kann und wie sie über Risiken denkt.

Frau Buiter, woher kommen aus Ihrer Sicht diese tief sitzenden Bedenken und auch Ängste in der Gesellschaft, wenn es um CCS geht?
Prof. Dr. Susanne Buiter Foto: GFZ Potsdam

Susanne Buiter: Viele Menschen sind erst mal beunruhigt, wenn sie hören, dass etwas im Untergrund eingelagert werden soll. Der Untergrund wird schon für andere Sachen in Anspruch genommen, zur Erdgasförderung und -speicherung, für Geothermie, für die Endlagerung radioaktiver Abfälle. Wenn nun zusätzlich Kohlendioxid eingelagert werden soll, ist das zunächst ein weiterer Eingriff. Da ist es auch richtig und verständlich, dass Bevölkerung und Umweltorganisationen Fragen stellen. Die Diskussion sollte nur bitte sachlich laufen und auf Fakten basieren.

Welche falschen Behauptungen begegnen Ihnen?

Es stimmt zum Beispiel nicht, dass bei CO2-Speichern Lecks sehr wahrscheinlich sind und dass CCS automatisch den Anstrengungen schadet, den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren.

Welche Rolle kann Deutschlands größtes Geoforschungszentrum in der Debatte spielen?

Wir können vor allem die Erkenntnisse und Erfahrungen aus unserem Forschungsprojekt in Ketzin westlich von Berlin einbringen. Dort haben wir zwischen 2008 und 2013 die Einlagerung von Kohlendioxid in 650 Meter Tiefe im Pilotmaßstab unter industriellen Bedingungen erprobt und erforscht.

Lesen Sie auch:
Wie sind Sie dabei vorgegangen?

Entscheidend für die lokale Akzeptanz des Projektes war, dass wir vom ersten Moment an Bevölkerung und Behörden den offenen Dialog angeboten und immer transparent informiert haben. Wir haben den Standort dann intensiv untersucht und schließlich – unter permanentem Monitoring – 67 000 Tonnen CO2 eingespeichert. Unsere Nachuntersuchungen über fünf Jahre hinweg haben anschließend gezeigt, dass der Speicher dicht ist, also kein Kohlendioxid entweicht. Dann haben wir das Gelände zurückgegeben. Auf dem Gelände stehen heute eine Biogasanlage und ein Windrad. Das CO2 liegt tief im Untergrund.

Wie ging es mit der CCS-Forschung weiter?

Gar nicht. Das CCS-Gesetz der damaligen Bundesregierung hätte zwar für kurze Zeit noch Forschungsprojekte erlaubt, aber im Kern wurde dem Ganzen damals ein Riegel vorgeschoben, und das ist bis heute so geblieben. Ketzin ist deshalb das einzige größere CO2-Speicherprojekt in Deutschland geblieben.

Hat Deutschland wegen des Verbotsgesetzes der schwarz-gelben Koalition bei CCS zwölf wertvolle Jahre verloren?

Ich halte es nicht für sinnvoll, jetzt in der Vergangenheit zu stochern, sondern würde lieber nach vorne schauen. Wir alle kennen die Aussagen des Weltklimarats IPCC, wie schnell und drastisch die CO2-Emissionen sinken müssen. Das heißt volle Fahrt voraus beim Ausbau der erneuerbaren Energien und dem Auslaufen fossiler Energien, volle Fahrt voraus beim natürlichen Klimaschutz, wo Moore, Aufforstungen und andere natürlichen Kohlenstoffsenken ausgebaut werden. Und es heißt – auch das empfiehlt der IPCC –, CCS nach Möglichkeit dort zu nutzen, wo Emissionen nicht auf andere Art reduziert werden können und wo man das Kohlendioxid gut einsammeln kann. In diesem Kontext wäre es gut, wenn Deutschland jetzt ein neues Gesetz bekäme, das CCS mit den nötigen Auflagen erlaubt.

Viele Menschen denken bei einem CO2-Speicher an eine Kaverne im Untergrund. Wie sieht so etwas wirklich aus?

Nein, es geht bei CCS auf gar keinen Fall darum, ein großes Loch nahe der Oberfläche zu graben. Das Gas wird vielmehr mit Druck zwischen 600 und 1200 Meter tief ins Gestein verpresst, entweder in erschöpfte Erdgaslagerstätten oder in Schichten, zum Beispiel Sandstein, die Salzwasser führen. Darüber gibt es immer Deckschichten, die den Speicher nach oben abdichten. weiterlesen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.