CO2: So wird der Klimasünder zum wertvollen Rohstoff

CO2: So wird der Klimasünder zum wertvollen Rohstoff
Foto: Malte Reimold/Pixabay CC/PublicDomain

CO2: So wird der Klimasünder zum wertvollen Rohstoff

handelsblatt.com: Grüne Technologien boomen. Immer mehr Firmen entwickeln Verfahren, um CO2 aufzufangen und wiederzuverwerten. Diese Ansätze haben besonderes Potenzial.

Seife aus Treibhausgasen, Bakterien, die CO2 fressen und daraus Lebensmittel produzieren, kohlenstoffneutraler Treibstoff – überall auf der Welt arbeiten Unternehmen und Wissenschaftler an Technologien, die dabei helfen, den CO2-Ausstoß zu reduzieren.

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Das finnische Start-up Solar Foods filtert beispielsweise das Treibhausgas aus der Luft, verbindet es in einem mit Bakterien gefüllten Bioreaktor mit Stickstoff und Wasserstoff und fermentiert es anschließend mit Phosphor und Kalzium. Das daraus entstehende gelbe Pulver, Solein, besteht zum Großteil aus Proteinen und soll Fleischersatzprodukte oder verschiedene andere vegane Eiweißprodukte anreichern. 

Das Verfahren nennt sich Carbon Capture and Utilization (CCU), also CO2 aus der Atmosphäre zu entnehmen und wiederzuverwerten, etwa als Grundlage für neue Produkte wie Treibstoff, Kleidung, Kosmetik und Lebensmittel.

Die Idee, die dahintersteckt: Gelingt es, klimaschädliches Kohlendioxid wiederzuverwerten, lässt sich das Klima auch dann schützen, auch wenn manche Co2-Emissionen nicht vermeidbar sind. Die Relevanz von CO2-Entnahme-Technologien im Kampf gegen den Klimawandel bestätigt auch der Weltklimarat (IPCC). Laut einem Bericht vom April 2022 sind sie „wahrscheinlich unabdingbar“, um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen.

Neben der Einsparung und Reduzierung des CO2-Verbrauchs seien technologische Innovationen die letzte Rettung, um einen Wendepunkt beim Klimawandel zu erreichen. Das Potenzial dafür schätzen die Wissenschaftler als groß ein:Für dieses Jahrhundert ließen sich mit neuen Technologien bis zu 780 Milliarden Tonnen CO2 aus der Luft entfernen. Und die braucht es auch.

Bis zum Jahr 2050 erwarten Wissenschaftler des Global Carbon Project einen Anstieg der jährlichen CO2-Emissionen von heute 37 Milliarden Tonnen (2021) auf bis zu 43,1 Milliarden Tonnen weltweit. Dabei sieht das Pariser Klimaabkommen vor, die Emissionen bis 2050 auf null zu senken. Wissenschaft und Politik sind sich einig: Ohne neue Technologien lässt sich dieses Ziel nicht erreichen.

Genau dieses Potenzial haben auch Unternehmen erkannt. Der Markt für Abspaltung, Speicherung und Wiederverwertung von Kohlenstoff erreichte 2021 einen Wert von über zwei Milliarden Dollar und stieg seit 2016 jährlich um knapp fünf Prozent, zeigt ein Report des Marktforschungsinstituts „Research and Markets“. Laut der Prognose wird das Marktvolumen 2026 schätzungsweise bei 3,5 Milliarden US-Dollar liegen und sich bis zum Jahr 2031 fast verdoppeln. Große Unternehmen, Start-ups und Wissenschaftsinstitute arbeiten an verschiedenen CCU-Technologien.

Proteinpulver aus der Luft

Die weltweite Tierhaltung gehört mit rund 20 Prozent der Treibhausgasemissionen zu den Ursachen für die globale Erwärmung. Neben der Futtererzeugung ist vor allem das aus dem Magen von Rindern freigesetzte Methan Quelle des Treibhausgas-Ausstoßes. Methan gilt als vielfach klimaschädlicher als CO2. Deswegen ist ein Kilo Rindfleisch nach einer Studie im Auftrag des Umweltbundesamts mit einem Ausstoß von 13,6 Kilo CO2-Äquivalent eines der klimaschädlichsten Lebensmittel. Selbst Ananas aus der Dose (1,8 Kilo CO2-Äquivalent) oder Palmfett (2,9 Kilo) schneiden in der Studie deutlich besser ab.

Pasi Vainikka, Co-Gründer des finnischen Start-ups Solar Foods, sagt: „Solein ist eins der wenigen Lebensmittel, das ganz ohne Landwirtschaft auskommt.“ In der Produktion werde nicht nur viel weniger CO2 ausgestoßen, sondern die Luft werde sogar von Treibhausgasen befreit. Die Pilotanlage in Finnland produziert zwar nur ein Kilogramm Solein pro Tag und entnimmt der Luft rund zwei Kilogramm CO2. „Das ist gemessen am Treibhausgasausstoß der Lebensmittelindustrie sehr wenig“, sagt Vainikka. Doch die Testanlage zeigt, dass das Verfahren funktioniert.

Die erste Anlage nimmt in diesem Jahr den Betrieb auf, ab 2024 soll sie Gewinn erwirtschaften. Für den Bau erhielt das finnische Jungunternehmen im Dezember 34 Millionen Euro über den Fördertopf für so genannte „Important Projects of Common European Interests“ von der Europäischen Union (EU) und damit die bislang weltweit größte öffentliche Förderung der zellulären Landwirtschaft, also jenes Forschungsgebiets, bei dem Wissenschaftler Lebensmittel im Reagenzglas aus Zellen herstellen… weiterlesen

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