dena-Leitstudie Aufbruch Klimaneutralität

dena-Leitstudie Aufbruch Klimaneutralität
Foto: José Antonio Alba/Pixabay CC/PublicDomain

dena-Leitstudie Aufbruch Klimaneutralität

„Aufbruch Klimaneutralität“ – der Anspruch ist hoch: Nach 17 Monaten intensiver Arbeit mit einem breiten Kreis von Akteuren hat die Deutsche Energieagentur (dena) unter diesem Mortto jetzt in Berlin ihre Thesen vor, wie dieser Weg in den Klimawandel zu beschreiten sei. Sie identifiziert darin die entscheidenden Handlungsfelder und Lösungsansätze und „bietet eine Basis für fundierte strategische Entscheidungen der politischen und wirtschaftlichen Akteure zur Erreichung von Klimaneutralität 2045“, so die dena.

dena Leitstudie
Cover: dena-Leitstudie Klimaneutralität

Zehn wissenschaftliche Institute haben dazu ihre Expertise eingebracht und mehr als 70 Unternehmen ihre Branchenerfahrungen und Markteinschätzungen gegeben, ebenso ein 45-köpfiger Beirat mit hochrangigen Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft. Ziel der arbeit dieser Experten war es Bedingungen zu definieren, bis 2045 ein integriertes klimaneutrales Energiesystem in Deutschland zu realisieren. Dabei wurden konkrete Lösungssätze und CO2-Reduktionspfade für einzelne Sektoren (Bau, Verkehr, Industrie, Energieerzeugung sowie zu LULUCF) analysiert.

Klimaneutralität „ist eine historische und fundamentale Herausforderung für Wirtschaft, Gesellschaft und Politik“, beschreibt die Agentur die 10 von ihridentifizierten Aufgabenfelder.

  1. Welche Anforderungen muss eine integrierte Gesamtstrategie für Klimaneutralität erfüllen?
  2. Wie wird das Energiemarktdesign zur Basis für ein klimaneutrales integriertes Energiesystem?
  3. Welchen Beitrag leisten Innovationen auf dem Pfad zur Klimaneutralität?
  4. Wie wird die Transformation zu Klimaneutralität in der Gesellschaft verankert?
  5. Wie erfolgt die Einbettung der deutschen in die europäische und die internationale Energiewende?
  6. Wie kann die Transformation zu einem klimaneutralen Gebäudebestand gelingen?
  7. Wie kann die Industrie die Umstellung auf klimaneutrale Prozesse und eine effiziente Kreislaufwirtschaft schaffen?
  8. Wie kann im Verkehr effiziente motorisierte Mobilität mit neuen, innovativen Mobilitätskonzepten verbunden werden?
  9. Wie kann eine klimaneutrale und sichere Energieversorgung gestaltet werden?
  10. Welche Bedeutung haben natürliche Ökosysteme und technische Senken zur Erreichung der Netto-Null?
Querschnittsaufgabe für alle Lebensbereiche

Die Transformation zur Klimaneutralität betriffe, betont die dena in einer Pressemeldung, jeden Lebensbereich und jedes politische Ressort. Diese Querschnittsaufgabe sei aber nicht allein mit einer Verteilung auf verschiedene Bundesministerien mit ihrer eigenen Sicht und eigenen politischen Agenda anzugehen. Stattdessen erfordere Klimaneutralität eine ganzheitliche politische Betrachtung, in der verschiedene Politikfelder – insbesondere Energie-, Umwelt-/Klima- und Wirtschaftspolitik – integriert und koordiniert werden.

„Die dena-Leitstudie liefert der zukünftigen Bundesregierung eine praxisorientierte Perspektive zur Erreichung von Klimaneutralität bis 2045. In Ergänzung zu einer umfassenden und ausdifferenzierten Analyse wurden insgesamt 84 Aufgaben in zehn zentralen Handlungsfeldern identifiziert, die eines gemeinsam haben: Jede einzelne Aufgabe ist machbar. Die erforderliche parallele Orchestrierung aller dieser Aufgaben aber ist eine gewaltige Herausforderung. Deutschland muss neuen Schwung holen in der Energie- und Klimapolitik. Es gilt eine neue Veränderungsdynamik anzustoßen. ‘Weiter so‘ ist keine Option! Energiewende und Klimapolitik müssen besser organisiert, das historische Klein-Klein der vergangenen Jahre überwunden werden. Es bedarf einer grundlegenden Veränderung der Herangehensweise an diese Jahrhundertaufgabe. Gelingt uns dieser ‘Aufbruch Klimaneutralität‘, werden wir in der Lage sein, die gesetzlich verankerten Ziele für 2030 zu erreichen. Auch Klimaneutralität im Jahr 2045 kann dann eine erreichbare Perspektive sein“, erklärte Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der dena. „Die konkreten sektorspezifischen Jahresziele für die unmittelbar vor uns liegenden Jahre werden allerdings mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht erreicht. Zuviel ist liegen geblieben in den vergangenen Jahren. Dessen sollte sich die neue Bundesregierung unbedingt bewusst sein. Die gegenwärtigen gesetzlichen Regelungen stehen einem zielorientierten effizienten Handeln entgegen und verhindern so die notwendige Dynamik“, so Kuhlmann weiter.

Vier Säulen für Klimaneutralität

Neben Strom werden erneuerbare gasförmige und flüssige Energieträger und Rohstoffe benötigt.

Die dena zeigt anhand eines zentralen Szenarios wie die Sektorziele im Jahr 2030 und Klimaneutralität im Jahr 2045 erreicht werden können – welche Energieträger und Technologien in welchen Mengen benötigt werden sowie die dafür notwendigen transformatorischen Veränderungen. Sie setzt sich an verschiedenen Stellen mit Zielkonflikten und umzukehrenden Trends auseinander und beschreibt die Rolle, welche die verschiedenen Akteure übernehmen müssen.

In vier Pfadausprägungen untersucht die Studie zudem Varianten zur Zielerreichung, etwa einen höheren Anteil von direkt-elektrischer Nutzung gegenüber einem höheren Anteil von gasförmigen oder flüssigen Energieträgern oder die Auswirkungen von verstärkten gegenüber begrenzten Anstrengungen zur Erhöhung der Energieeffizienz.

Solarmodule Sebastian Ganso Pixabay CC PublicDomain
Foto: Sebastian Ganso/Pixabay CC/PublicDomain

Um Klimaneutralität zu erreichen, sei aus technologischer Betrachtung eine Vier-Säulen-Strategieerforderlich: Die Erhöhung der Energieeffizienz als eine wesentliche Maßnahme in allen Verbrauchs­sektoren, insbesondere in der Industrie und im Gebäudesektor.

Für den umfassenden direkten Einsatz von erneuerbaren Energien ist in vielen Anwendungsbereichen neben der Energieeffizienz­verbesserung eine breite und deutlich beschleunigte Elektrifizierung eine Grund­voraus­setzung.

Als vierte Säule braucht es technische und natürliche CO2-Senken.

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„Diese vier Säulen haben unterschiedliche zeitliche Perspektiven. Ihnen allen ist gemein, dass sie erhebliche Anstrengungen in den Aufbau entsprechender Infrastrukturen bedürfen. Das gilt für Strom, Gas, Wasserstoff, Wärmenetze und CO2 in gleicher Weise wie für die Verkehrsinfrastruktur, die Digitalisierung und die administrative Infrastruktur, gegenwärtig eine der Hauptblockaden für das Aufnehmen neuer Dynamik“, erklärte Kuhlmann.

Massive Anstrengungen in allen Sektoren

Die Energieversorgung ist aktuell der größte CO2-Emittent. Reduktionen müssten hier am stärksten und am schnellsten erfolgen, so die Studie (von 308 Mio. Tonnen CO2ä in 2018 auf 104 Mio. t CO2ä in 2030 und auf -8 Mio. t CO2ä in 2045). Zentral sei zudem, dass sich die erneuerbaren Stromkapazitäten bereits bis 2030 mehr als verdoppeln müssen.

Die Kohleerzeugung werde 2030 marktgetrieben kaum noch eine Rolle spielen, die Nutzung von Erdgas in der Stromerzeugung nehmet dagegen bis 2030 zu. Bereits dieser ‚Fuel Switch‘ trage bis 2030 erheblich zur Emissionsminderung in der Energiewirtschaft bei. Wasserstoff und Powerfuels würden, so beschreibt es die dena, bis 2030 nur eine geringe Rolle spielen.

Der Aufbau entsprechender Infrastruktur und Märkte sei unabdingbar. Bis 2035 spiele blauer Wasserstoff eine, wenn auch geringe Rolle, danach gehe er gemäß Modellierung der Leitstudie sukzessive aus dem Markt.

Klimaneutralität braucht beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien

„Um Klimaneutralität in der Energieversorgung zu erreichen, braucht es den beschleunigten, marktbasierten Ausbau der erneuerbaren Energien durch eine Vereinheitlichung und Vereinfachung von Genehmigungsverfahren und die Bereitstellung von mehr Flächen. Parallel müssen bis 2030 leistungsfähige Märkte und Infrastrukturen für Powerfuels entstehen. Wichtig ist vor allem eine aktive Begleitung des vorzeitigen Ausstiegs aus der Kohleverstromung.

Dabei gilt es eine Reihe von technologischen Anforderungen zu beachten, die in einem gesonderten Exkurs im Detail in der Studie dargelegt werden. Dazu gehört auch: Versorgungssicherheit in der Transformation erfordert ein neues Konzept mit dem Zubau von gesicherter Leistung und Anreizen für Flexibilitäten. Ohne einen entsprechenden Mechanismus für die Sicherung neuer Kapazitäten wird das nicht möglich sein. Auch auf den Ausbau der Stromnetze und die Wärmeversorgung kommen dabei immense Herausforderungen hinzu, die eine Reihe von absichernden Mechanismen erforderlich machen“, so Kuhlmann.

pit

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