Die Klimakrise ist nicht akut genug zum handeln

Die Klimakrise ist nicht akut genug zum handeln
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Die Klimakrise ist nicht akut genug, um danach zu handeln

Zeit: Ob gepanschtes Olivenöl, die Terroranschläge von 2001 oder die Schweinegrippe. Kaum jemand kennt sich so gut mit Krisen aus wie Frank Roselieb, Leiter des Instituts für Krisenforschung in Kiel.

ZEIT ONLINE: Herr Roselieb, die Klimakrise war das bestimmende Thema der Wahlkampfkommunikation, trotzdem hat die Partei mit dem stärksten Klimaschutzprogramm nicht gerade abgeräumt. Wie könnte man die Fahrradfahrer einbeziehen? Wie erklären Sie sich das?

Frank Roselieb: Ob das Klimaschutzprogramm der Grünen wirklich stark ist, muss die Realität zeigen. Ziemlich schwach war allerdings die Krisenkommunikation für das Klima. Gerade Annalena Baerbock hat auf beinahe jede Frage mit dem Klimawandel geantwortet. Den meisten Menschen dürfte das zu monothematisch gewesen sein. Die Grünen haben zu viel auf Katastrophenrhetorik gesetzt, stattdessen hätten sie die Menschen mehr bei ihren spürbaren Problemen abholen und Lösungen anbieten müssen: Die erwarten funktionierende Krankenhäuser, Fernreisen mit dem Flugzeug und problemlos zur Arbeit zu kommen […] Angela Merkel hat das in ihrer legendären Corona-Rede 2020 kurz vor Weihnachten sehr gut gemacht. Sie ist davon ausgegangen, was die Menschen wollen: Weihnachten mit den Liebsten feiern. Dann hat sie erklärt: „Wenn wir jetzt vor Weihnachten zu viele Kontakte haben und anschließend es das letzte Weihnachten mit den Großeltern war, dann werden wir etwas versäumt haben. Das sollten wir nicht tun.“ So müsste man es auch beim Klima machen. Dort anfangen, wo wir hinwollen und dann klarmachen, was dafür nötig ist.

ZEIT ONLINE: Denken Sie, einer künftigen Regierung kann es gelingen, Klimaschutz durchzusetzen?

Roselieb: Ich bin da skeptisch. Vermutlich wird es weiterhin eher darum gehen, eine weitere Radspur auszubauen, radikalere Schritte sehe ich nicht kommen. Selbst in Schleswig-Holstein, wo die Grünen in einer Jamaika-Koalition mitregieren, ist man weiterhin moderat […] Auch in Schleswig-Holstein hat man nach der Flut im Ahrtal die Hochwasserkarten rausgeholt und festgestellt, dass es selbst an der Ostsee und im Binnenland zahlreiche Gebiete gibt, die akut hochwassergefährdet sind. Trotzdem gibt es bislang keine groß angelegte Umsiedlungsaktion – wie sonst beim Braunkohletagebau. Keine Regierung sagt: Ihr könnt hier leider nicht wohnen. Denn wenn dann zehn Jahre lang nichts passiert, halten die Menschen das für blinden Aktionismus.

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Foto: Krisennavigator, Kiel / Hamburg

FRANK ROSELIEB ist geschäftsführender Direktor und Sprecher des Kieler Instituts für Krisenforschung („Krisennavigator“), ein Spin-Off der Universität Kiel. In mehr als 500 Vorträgen, Veröffentlichungen, Forschungs- und Beratungsprojekten hat sich der Wirtschaftswissenschaftler seit 1998 u.a. mit Krisenkommunikation im Internet, Krisenmanagement bei Lebensmittelskandalen, Katastrophenmanagement bei Terroranschlägen, Business Continuity Management in Banken, Risikokommunikation bei Hochwasserereignissen und Pandemien, Themenmanagement in öffentlichen Einrichtungen und Restrukturierungsmanagement im Mittelstand beschäftigt. Er ist Mitglied in zahlreichen Fachgremien, Spitzenverbänden, Krisen- und Katastrophenstäben.

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red

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