Fair-Handels-Label enttäuschen

Fair-Handels-Label enttäuschen
Screenshot: Forum Fairer Handel

Fair-Handels-Label enttäuschen

Diese Kröte ist ziemlich dick und für viele auch „eklig“: Einer neuen Studie zufolge nämlich versagen ausgerechnet zahlreiche Organisationen – allen voran: Fairtrade –, die menschenwürdige Handelsbeziehungen und ein faires Miteinander von Produzenten und Verbrauchern garantieren wollen, bei der Einhaltung oder Überprüfung von Regeln zu Menschenrechten bei der Produktion ihrer Waren. Das berichtet nach gut zehnjähriger Recherche jetzt die Multi Stakeholder Initiative Integrity in ihrem aktuellen Report.

Sie gelten vielen Konsumentinnen und Konsumenten als Garant für faire Produktions- und Handelsbeziehungen: Organisationen und deren Label wie Fairtrade, Rainforest Alliance, Forest Stewardship Council, Better Cotton Initiative, Roundtable on Sustainable Palm Oil, Alliance for Water Stewardship, UN Global Compact, Global Sustainable Tourism Council, haben bei Verbrauchern einen eher guten Ruf. Käuferinnen und Käufer verlassen sich auf die Aussagen, dass die Organisationen ihre Produkte anständig erzeugen, ihre Arbeitskräfte besser entlohnen und die Umwelt dabei möglichst wenig belasten würden.

Leere Versprechen in Bezug auf Menschenrechte

Die Versprechen halten sie – zumindest, wenn es um die Frage der Einhaltung von Menschenrechten geht – offenbar nicht ein, sagt die MSI-Studie. Die Plattform Treehugger berichtet darüber jetzt ausführlich.

Bereits n der Vergangenheit gab es immer einmal wieder Kritik an den Organisationen, die sich (selbst) zum Hüter fairen Wirtschaftens stilisieren. Konsumenten-Zweifel gab es dabei stets eher nur kurzzeitig, der Markt mit den von den jetzt erneut Kritisierten, boomte weiter. Immerhin arbeiten die von MSI inspizierten Organisationen in 170 Ländern der Erde. Sie kooperieren mit 50 Regierungen und 10.000 Unternehmen.

Fairhandelorganisationen FFH
Fairhandels-Organisationen in Deutschland Screenshot: FFH

Und jetzt die neuen Angriffe. Auch der britische Guardian zitiert MSI: Nur 13 Prozent der untersuchten Organisationen bezögen jene Personengruppe, um die es gehe tatsächlich in Entscheidungen ein oder gäben ihnen einen Platz in der Struktur. Nur ein Drittel der Verbände verfüge über einen Beschwerdemechanismus zum Thema Verletzung der Menschenrechte.

Im Report heißt es dazu: „Die MSIs verfügen über keine effektiven Tools, um die Menschenrechte und die Mitarbeiter vor deren Missbrauch zu schützen oder um deren Opfern nach einer Verletzung auch Hilfen zukommen zu lassen.“

Regierungen dürfen sich nicht aus Verantworrtung für Menschenrechte schleichen

Zwei Gründe für die Misere legt der Report offen. Erstens liege der Fokus der Organisationen auf dem Funktionieren und der Organisation des ökonomischen Erfolgs. Deshalb hörten die Verbände eher auf die Stimmung an den Spitzen der Partnerunternehmen, die Arbeiter fänden dabei wenig Gehör. Zweitens schränkten die Organisationen das Handeln der Unternehmen nicht ein, das fördere aber die Ungleichheiten, was auch die Verletzung von Menschenrechten einschließe.

Regierungen kritisiert der Report, weil sie sich hinter den Aktivitäten der Nichtstaatlichen Organisationen verschanze und politische Eingriffe mit dem Verweis ablehne, dass dies der Markt regele. MSI-Direktorin Amelia Evans sagt dazu: „Nur weil NGO involviert sind, garantiert das noch nicht die Einhaltung der Menschenrechte, keine Regierungen darf sich daher aus der Verantwortung schleichen.“

pit

Ein Gedanke zu “Fair-Handels-Label enttäuschen

  1. Bitte: Sagt doch klar auch in der Überschrift, dass es nicht zentral um den fairen Handel geht in der Studie. Es geht um Multi-Stakeholder Initiativen (MSI), instgesamt 40 Stück, darunter auch Fairtrade. Aber eben auch um UTZ, Rainforest, den Round Table for Sustainable Palmoil und viele mehr. 15 MSI aus dem Bereich Landwirtschaft u.a., aber auch 11x Mining & Energy. Dann als Titel zu wählen, das der Faire Handel es nicht hinbekommt, ist doch sehr kurz gegriffen.
    Und: Die abgebildeten „Fairhandels-Organisationen in Deutschland Screenshot: FFH“ kommen bis auf Fairtrade in der Studie überhaupt nicht vor.

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