Fukushima: Wider das Vergessen

Fukushima: Wider das Vergessen
Grafik: Wikimedia CC/PublicDomain

Fukushima: Wider das Vergessen

Cover Restrisiko
Cover: Scorpio

„Das Geschehen in Fernost ist eine Tragödie. Für Japan und die Welt. Vor allem aber für die Menschen“, schrieben wir im Frühjahr 2011 in unserem damals in aller gebotenen Eile recherchiert und produzierten Buch Restrisiko. Sabine Leise und ich sollten vor 10 Jahren als Autoren in einem Ratgeber für den Münchner Scorpio Verlag beschreiben, wie Menschen sich vor einer atomaren Wolke schützen könnten, wenn diese um den Erdball auch bis nach Europa weht. Viele hatte die Kernschmelze im Atommeiler an der japanischen Ostküste damals in Furcht und Schrecken versetzt.

Glücklicherweise blieb diese schlimme Ahnung für uns Menschen in Europa nur eine Horrorvision. Sie trat nicht ein.

10 Jahre nach der Dreifach-Katastrophe von Fukushima

10 Jahre nach der Dreifachkatastrophe aus Erdbeben, Flutwelle und AKW-Havarie liest sich der Text, den wir unserem Buch damals voranstellten, noch immer als beschreibe er ein aktuelles Szenario:

„Angesichts des Dramas von Fukushima ist ein Moment der Besinnung wichtig. Nehmen wir Anteil am Leid der Opfer. Denken wir an die Menschen, die Hab und Gut verloren haben, die um ihre Freunde und Verwandten trauern. Alle Klagen über materielle Verluste, die das Erdbeben hinterließ, jedes Schätzen der horrenden Summen, die der Wiederaufbau des Landes und der Kampf gegen die Atomstrahlung von Fukushima verschlingen, sind angesichts des menschlichen Leids marginal.

Leider scheint Empathie vielen Menschen im Rennen um Wohlstand und Kapitalvermehrung abhandengekommen zu sein“, schrieben wir damals.

Pandemie zeigt: Menschen lernen nichts dazu

Wie richtig wir damit lagen und wie sehr dies auch heute zutrifft, belegt die Lage nach der aktuellen Corona-Pandemie und den dadurch erzeugten wirtschaftlichen Verwerfungen. Sie macht erneut deutlich, wie richtig diese Analyse war. Die Verschnaufpause, die wir der Erde im Kampf gegen den Klimakollaps mit den weltweiten Lockdown verschafften, weil wir weniger konsumierten oder reisten, war nur von kurzer Dauer. Schon klettern die Werte der Treibhausgase wieder. Und an den Börsen jagt ein Superlativ den nächsten. Von Umdenken, gar einer Abkehr vom Wachstum als allein selig machendes Dogma unseres Lebensstils, ist nichts zu erkennen. Von Innehalten und Nachdenken über ein angepasstes Verhalten – und Wirtschaften – ist wenig zu entdecken.

Fukushima zerstoertes AKW Flickr CC
Foto: Naturalflow/Flickr cc CC BY-SA 2.0

Noch einmal ein Blick in unser Buch: „Vielleicht hilft die Dimension des japanischen Unglücks“ – an einem Tag des Gedenkens – „wenigstens dabei, dass wir solche Gedanken wieder zulassen. Dann haben wir alle die Chance, nicht nur mit dem üblichen Reflex zu reagieren: zu spenden – und mit beruhigtem Gewissen zu vergessen! Das nämlich wäre fatal… Das Ziel muss sein, ein Vergessen zu verhindern.“

Der ehemalige Bundesumweltminister Röttgen im Deutschlandfunk-Interview, 11.3.2021

Daran erinnerte auch der damalige Umweltminister Norbert Röttgen nun im obigen Deutschlandfunk. Er belegt, was wir vor 10 Jahren schrieben. Gerade vor dem Hintergrund der neuerlichen Debatten, dass Atomkraft den Klimaschutz stärke, bleibt es wichtig zu wissen: „Am 11. März 2011 zerplatzte zum wiederholten Mal der Traum, eine berechenbare, kontrollierbare und saubere Technologie der Zukunft geschaffen zu haben.“

Gerd Pfitzenmaier

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