Gefährliches Pestizid: Ein Insider packt aus

Gefährliches Pestizid: Ein Insider packt aus
Foto: Pixabay CC0

Gefährliches Pestizid: Ein Insider packt aus

Die „Rundschau“ des Schweizer Fernsehens berichtete kürzlich über eine verstörende Recherche von Public Eye zu einem der ältesten und giftigsten Pestizide der Welt, dem hochgiftigen Syngenta-Herbizid Paraquat. Das Pestizid ist in vielen Ländern bereits verboten, doch Syngenta verkauft es bis heute vor allem in Entwicklungsländer. Seit seiner Markteinführung 1962 sind Zehntausende Menschen an Paraquat-Vergiftungen gestorben. 

Die Schweizer NGO Public Eye und Unearthed sowie die Investigativabteilung von Greenpeace in Großbritannien, haben nach Sichtung interner Dokumente und Korrespondenz Brisantes aufgedeckt. Demnach wissen Syngenta und seine Vorgängerunternehmen seit Jahrzehnten, dass das Brechmittel, das dem Paraquathaltigen Produkt Gramoxone zugesetzt wird, Todesfälle durch Vergiftungen nicht verhindern kann.

GramoxoneBottle PAN India 2019
Die Etikette einer Flasche Gramoxone – gekauft in Odisha, Indien, im Jahr 2019 – zeigt: Bis heute verkauft Syngenta Graomoxone mit nur 0,05% Brechmittel, einer Dosis, die kaum oder gar nicht hilft, Vergiftungen zu vermeiden. Foto: PAN India

Seit seiner Markteinführung 1962 sind Zehntausende Menschen an Paraquat-Vergiftungen gestorben. Zu tödlichen Paraquat-Vergiftungen kam es in Ländern aller Weltregionen – von den USA, über Brasilien bis nach Malaysia, Indien und Südafrika. In 48 Ländern ist Paraquat heute verboten, so auch in der Schweiz, Sitz von Syngenta und in England, wo trotz des Verbots von Paraquat im eigenen Land nach wie vor Zehntausend Tonnen Paraquat hergestellt und von dort exportiert werden.

Dass diese Geschichte erzählt werden kann, ist vor allem der Beharrlichkeit des britischen Wissenschaftlers Jon Heylings zu verdanken. Heylings, heute Professor für Toxikologie an der Keele University, hat während 22 Jahren für ICI, deren Nachfolgefirma Zeneca und schliesslich Syngenta gearbeitet. Heylings informierte bereits 1990 seine Vorgesetzten und legte in zahlreichen Memos detailliert dar, dass seiner Meinung nach nur eine starke Erhöhung der Dosis des Brechmittels PP796 die Zahl der Todesfälle durch Paraquatvergiftungen reduzieren könne.

Stattdessen konnte der weltgrößte Pestizidhersteller die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) sogar dazu bringen, seine PP796-Dosierung zum globalen Standard für sämtliche Paraquat-Produkte zu erklären. Die FAO teilt Public Eye und Unearthed mit, dass sie aufgrund von Heylings’ Bedenken eine „Sondersitzung“ abgehalten habe, um ihre Spezifikationen zu Paraquat zu überarbeiten. Der Bericht dieser Sitzung werde „derzeit fertiggestellt“.

Hier der ausführliche Bericht von Public Eye…

red

Lesen Sie auch:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.