Gespräche mit Bauern bringen mehr als Traktor-Blockaden

Gespräche mit Bauern bringen mehr als Traktor-Blockaden
Foto: Pixabay CC/PublicDomain

Gespräche mit Bauern bringen mehr als Traktor-Blockaden

Die Resonanz war sensationell: Mitten in der durch Massenproteste und Traktoren-Blockaden aufgepeitschten Stimmung in Deutschland, lud die Ökologisch-demokratische Partei (ÖDP – die Naturschutzpartei) zur sachlich-fundierten Fachdebatte per Video-Chat über die Forderungen der seit Tagen demonstrierenden Landwirte in Deutschland – und war von der Resonanz der Diskussion hoch erfreut. Die übergroße Zahl der Zuhörer beim Meinungsaustausch über Subventionen in und für die Landwirtschaft und mögliche Alternativen dazu brachte die Server an ihre technischen Grenzen. Helmut Scheel, stellvertretender Bundesvorsitzender der Partei, Organisator und Moderator des Abends: „Die Zahl und Engagement der Teilnehmenden zeigt, dass wir ein Bedürfnis bedient haben. Die Menschen interessieren die Argumente der Landwirtinnen und Landwirte, und sie wollen deren Lage verbessern.“

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Rede und Antwort standen den Zuhörern der Diskussion Agnes Becker, Ko-Vorsitzende des ÖDP-Landesverbands Bayern und Initiatorin des Artenschutz-Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ von 2019, Ökolandwirt und Mitglied im ÖDP-Bundesarbeitskreis Landwirtschaft Jürgen Schilling sowie der Chef des bayerischen Landesverbands der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Josef Schmid. Alle waren sich einig, dass Proteste eine Form der zulässigen Meinungsäußerung im demokratischen Staat sind und bleiben müssen. Aber auch, dass die Politik Subventionsgelder nicht weiter nur mit der Gießkanne und an möglichst große Höfe ausschütten dürfe. „Bauern wollen nicht am Tropf hängen“, betonte Jürgen Schilling, „sie wollen aber, dass die Produkte, mit denen sie den Menschen täglich den Tisch decken, angemessen bezahlt sind.“

Arbeit der Bauern mit gerechten Preisen für Agrarprodukte entlohnen

Agnes Becker nahm Bauern durchaus auch in die Pflicht: Die Regelungen, gegen die deren Berufskolleginnen und -kollegen zurzeit Sturm liefen, hätten schließlich auch einen berechtigten Grund. „Sie dienen der Umstellung der ganzen Wirtschaft – und eben auch der Landwirtschaft auf eine fossilfreie Zukunft und sind somit in unser aller Interesse – allerdings sollten wir keinen Bauer mit den Bürden dieser Transformation allein lassen“, betonte sie: Die Verbraucherinnen und Verbraucher müssten bereit sein, die Mehrkosten, die eine solch klimafreundliche Produktion erfordert, auch an der Ladentheke mit zu tragen.

Deutlich wurde bei der Debatte mit den vielen ÖDP-Interessierten, dass die öffentliche Diskussion um „die Bauern“ unter einer Verzerrung leidet. Der Deutsche Bauernverband (DBV) als übermächtige, lautstarke und mit dem konservativen Politspektrum stark verquickter Lobbyverband vertrete längst nicht alle Landwirte, wie dies oft – und fälschlich – dargestellt werde. Viele Bauern sind in ökologischen Vereinigungen organisiert. Sie stehen – aus Artenschutz sowie Klimaschutz-Gründen – hinter einer Transformation ihrer Wirtschaftsweise und begrüßen den Ausstieg aus der Agrarindustrie, die auf Massenproduktion mit Chemieeinsatz setzt.

„Sie gilt es zu unterstützen“, forderten die ÖDP-Mitdiskutanten in zahllosen Chatbeiträgen während der Onlinediskussion. Als besten Weg, die Kluft zwischen der Bauernschaft und ihren Kunden zu überbrücken, sahen sie die direkte Kommunikation. „Ein Gespräch mit Bauern verbessert das Verständnis für die gegenseitigen Anliegen“, war sich die Rund einig. Dialog könne Missverständnisse beseitigen und Unverständnis abbauen.

Gerd Pfitzemaier

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