„Grüne Infrastruktur“ sanieren

„Grüne Infrastruktur“ sanieren
Foto: E. Nowakowska/Pixabay CC/PublicDomain

„Grüne Infrastruktur“ sanieren

focus.de: Für ein zukunftsfähiges Deutschland mit Wirtschaftskraft und Wohlfahrt müssen wir nicht nur Brücken und Straßen reparieren oder Wohnungen bauen, sondern auch ganz dringend die völlig vernachlässigte grüne Infrastruktur sanieren, fordert Ökologe Pierre Ibisch.

Was versteht man unter grauer, blauer und grüner Infrastruktur?

Infrastruktur ermöglicht und erleichtert uns das Leben. Die sogenannte graue Infrastruktur ist uns gut vertraut, weil wir sie gezielt bauen, damit sie uns unterstützt. Es geht um Straßen- und Schienennetze, natürlich Gebäude aller Art, aber auch um Kraftwerke, Stromleitungen oder Glasfaserkabelnetze.

Die blaue Infrastruktur sind die Gewässer, die uns häufig als Verkehrswege sowie als Wasserleitungen und Reservoire oder Erholungsorte dienen.

Die grüne Infrastruktur bezeichnet die natürlichen Systeme, die uns mit den sogenannten Ökosystemleistungen versorgen. Immer häufiger hört man auch von blau-grüner Infrastruktur. Wir merken nämlich zusehends, dass Wasser und Ökosysteme nicht wirklich voneinander getrennt behandelt werden können.

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Warum ist die grüne Infrastruktur so wichtig für Deutschland?

Die Frage zeigt ja schon das Dilemma, in dem wir stecken. Zum einen ist sie zuständig für das Allerwichtigste, nämlich unsere Gesundheit, unser Leben und Überleben. Zum anderen nehmen wir sie kaum wahr, weil sie scheinbar ‚eh‘ da ist und zuverlässig für uns arbeitet.

Die grüne Infrastruktur ist nicht nur die unverzichtbare Arbeitsgrundlage für Land- und Forstwirtschaft, sondern sie bestimmt auch das Vorhandensein und die Qualität von Trinkwasser oder den Schutz von Menschen vor Naturgefahren.

Ein Dilemma ist außerdem, dass wir die grüne Infrastruktur zum Nutznießen bearbeiten und beeinträchtigen müssen, etwa wenn auf dem Acker Nahrung produziert wird. Außerdem scheint die grüne Infrastruktur immerzu dem Ausbau der grauen im Wege zu stehen. Straßen und Leitungen zerschneiden Wälder, Siedlungen versiegeln fruchtbare Böden, Verkehr und Produktion schädigen Organismen durch Müll und Gifte aller Art.

Jetzt kommt noch die vom Menschen entfesselte Klimakrise obendrauf, die die grüne Infrastruktur weiter zerstört.

Das passiert in einer Zeit, in der wir sie eigentlich mehr benötigen denn je. Die bittere Wahrheit ist, dass wir das nun so langsam merken, während das Thema des Naturschutzes politisch oft irgendwo in der Ecke von Romantik und „Gedöns“ behandelt wird.

Es scheint etwas zu sein, was man auch noch mal machen könnte, wenn man dafür Ressourcen hätte. Oder schlimmer noch: Man hält „grüne“ Infrastruktur für ein lästiges Steckenpferd grüner Politik – sie heißt ja schon so.

Wie beeinflusst der Zustand der grünen Infrastruktur die Lebensqualität und Gesundheit der Bevölkerung?

Der Einfluss ist direkt und indirekt, und es gibt mehr oder weniger lebenswichtige Funktionen der grünen Infrastruktur. Viele Menschen denken vielleicht an den Spaziergang im Grünen, Erholung und Entspannung.

Tatsächlich senken schon einzelne Bäume und Parks in der Stadt das Risiko für gewisse Erkrankungen. Menschen sind als Lebewesen in grünen Ökosystemen entstanden, da ist in uns genetisch fest verankert, dass wir Grünes und Lebendiges lieben. Eigentlich sind wir nicht dafür gemacht, nur in grauen Städten zu leben, aber der Kontakt zu Pflanzen und Tieren kann uns dabei helfen.

Noch lebenswichtiger sind die Leistungen der grünen Infrastruktur auf der Landschaftsebene. Hier geht es um die Bereitstellung und Reinigung von Wasser, die Erzeugung von Nahrungsmitteln und im Prinzip erneuerbaren Rohstoffen wie Holz. In der Klimakrise nimmt die Bedeutung von natürlichen Kohlenstoffsenken wie Wäldern zu, die der Atmosphäre Treibhausgase entnehmen. Außerdem wird die Vorbeugung und Minderung von Naturkatastrophen immer wichtiger.

Inwiefern trägt eine intakte grüne Infrastruktur zur Prävention von Naturkatastrophen bei?

Geeignete und gesunde Ökosysteme können uns vor vielen Naturgefahren bewahren. Ein kühler und feuchter Wald brennt nicht. Lockere, humusreiche Böden nehmen Wasser auf wie ein Schwamm. Das hilft bei Trockenheit, wenn sie über lange Zeit ohne Niederschlag Wasser spenden und Quellen, Bäche oder Flüsse speisen…. weiterlesen

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