Hecken und ihr Beitrag zum Klimaschutz

Hecken und ihr Beitrag zum Klimaschutz
Foto: PixabayCC/PublicDomain

Hecken und ihr Beitrag zum Klimaschutz

spektrum.de: Hecken sind nicht nur wichtige Biotope, sie leisten auch einen Beitrag zum Klimaschutz. Einst erfunden, um Vieh und Wild aus Gärten und Äckern fernzuhalten, fielen sie seit 1950 vielerorts der Flurbereinigung zum Opfer. Nun wäre es an der Zeit, Hecken wieder neu anzulegen – doch dafür brauchen Bauern mehr Unterstützung.

Eine Hecke bietet fast das ganze Jahr über beste Unterhaltung. Jedenfalls für Naturfreunde. Im Herbst leuchten pink-orangene Pfaffenhütchen und rote Hagebutten um die Wette, im Frühjahr hüllen Schlehen und Weißdorn die Hecke in einen weißen Blütenmantel. Im Sommer singen Nachtigallen und Heckenbraunellen ihre Lieder zwischen den dornenbewehrten Zweigen. Selbst im Winter schützen und ernähren Hecken viele ihrer Bewohner, vom winterschlafenden Igel bis zur Drossel, die sich an den blauen Früchten der Schlehe gütlich tut.

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»Hecken sind echte Tausendsassas«, sagt Axel Don, stellvertretender Leiter des Thünen-Instituts für Agrarklimaschutz in Braunschweig. Sie bremsen den Wind, speichern und filtern Regenwasser, bilden Humus und verschönern das Landschaftsbild. Sie schützen vor Bodenerosion, binden überschüssigen Stickstoff und speichern Kohlenstoff. Zudem vereinen Hecken sehr unterschiedliche mikroklimatische Bedingungen auf engem Raum, von schattig-feucht im Kern der Hecke bis zu sonnig-trocken an ihrem Rand. Das macht sie zu einem der artenreichsten Lebensräume überhaupt. (siehe Kasten »Hotspot der Artenvielfalt«)

Allerdings ist Hecke nicht gleich Hecke. Gartenhecken sind schmal und bestehen oft aus nur wenigen Baum- oder Straucharten – etwa Hainbuchen oder immergrünen Pflanzen wie Kirschlorbeer oder Thuja. Artenreiche Feldhecken dagegen sind mehrere Meter breit, reich an heimischen Sträuchern, häufig mit einem Kern aus einigen großen Bäumen und einem Saum aus krautiger Vegetation. Manchmal werden sie deshalb auch als doppelter Waldrand bezeichnet. Typische Heckenpflanzen sind dornige Sträucher wie Schlehe, Weißdorn und Wildrosen, die schnell ein undurchdringliches Dickicht bilden – ganz ohne Stacheldraht oder Elektrozaun. Daneben finden sich in Feldhecken häufig Haselnuss, Holunder, Hartriegel, Eichen, Weiden und Obstgehölze.

Hecken als Klimaschützer

Axel Don, Sophie Drexler sowie ihre Kolleginnen und Kollegen am Thünen-Institut haben in einer aufwändigen deutschlandweiten Studie untersucht, wie Hecken Kohlenstoff speichern. Dazu sammelten sie an 23 Heckenstandorten Proben – und das nicht nur oberirdisch, sondern auch – mit Baggern, Spaten und Sonden – im Wurzelraum der Hecken. »Wir haben 3900 Bodenproben bis in ein Meter Tiefe analysiert und über Monate Wurzeln ausgewaschen, getrocknet, gemörsert und gewogen, um den Kohlenstoffgehalt darin bestimmen zu können«, beschreibt Don die akribische Arbeit.

Hotspots der Artenvielfalt

Wissenschaftler haben auf einem Quadratmeter Heckenfläche über 70 verschiedene Pflanzenarten gezählt. Wo es viele unterschiedliche Pflanzen gibt, leben auch viele Tiere: Nachtigall, Neuntöter, Goldammer, Dorngrasmücke, Rebhuhn, Dachs, Siebenschläfer, Zauneidechse und Distelfalter sind nur einige von tausenden, teils selten gewordenen Arten, die sich in Hecken wohlfühlen. Zahlreichen Tieren dienen Hecken zudem als Verbindungswege, wie etwa der scheuen Wildkatze, die im Schutz der Hecken von einem Waldgebiet zum anderen wechselt.

Auch wenn die Auswertungen im Projekt »CarboHedge« noch nicht ganz abgeschlossen sind, liegen schon interessante Ergebnisse vor: So ist die pflanzliche Biomasse, also Wurzeln, Stämme, Zweige und Blätter, für mehr als 80 Prozent des Kohlenstoff-Speicherpotenzials der Hecken verantwortlich, während der Humusgehalt des Bodens knapp 20 Prozent ausmacht. Die Unterschiede zwischen verschiedenen Hecken sind naturgemäß erheblich, aber im Schnitt speichern die Gehölze pro Quadratmeter ähnlich viel Kohlenstoff wie Wälder. Hecken schaffen das trotz vergleichsweise niedriger Wuchshöhe und größtenteils dünner Stämme durch ihre optimale Sonnenexposition. Relativ hohe Hecken, einzelne hochgewachsene Bäume und bestimmte Gehölzarten wie die Haselnuss verbessern die Speicherwirkung. »Wir haben gestaunt, als wir gesehen haben, wie groß die Wurzelstöcke der Haselnuss waren«, berichtet Don… weiterlesen

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