Hinter der Grenze wachsen Windkraftfabriken

Hinter der Grenze wachsen Windkraftfabriken
Foto: Alexander-Droeger/_PixabayCC/PiublicDomain

Hinter der Grenze wachsen Windkraftfabriken

wiwo.de: Das Vestas-Werk in Brandenburg ist schon zu, jetzt schließt auch Nordex in Rostock endgültig. Doch Satellitenbilder zeigen: Während die deutsche Windkraftindustrie darbt, wächst die Branche in Dänemark gigantisch. „Wirtschaft von oben“ ist eine Kooperation mit LiveEO.

Bis zuletzt haben die Beschäftigten im Rostocker Nordex-Werk um ihre Arbeitsplätze gekämpft. Noch im April veranstalteten sie eine Großdemonstration, um die drohende Schließung noch abzuwenden. Es nützte nichts: Ende Juni verließ das letzte Rotorblatt das Werk im Hafengelände, 530 Mitarbeiter wechseln jetzt in eine Transfergesellschaft, wenn sie nicht längst nach anderen Jobs suchen. Sie ereilt damit das gleiche Schicksal, das schon die 500 Beschäftigten im Vestas-Werk Lauchhammer in der Lausitz Ende Februar traf. Auch dort wurde die Fabrik geschlossen, auch dort sollen Überkapazitäten am Markt und die Standortkonkurrenz mit Fernost schuld an der Misere gewesen sein.

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Für neue Jobs werden die Angestellten so weit nicht reisen müssen – zumindest, wenn sie ein bisschen Dänisch sprechen. Während die Windkraftindustrie nämlich in Deutschland in den vergangenen Jahren einen Niedergang erlebt, der fatal an die Entwicklungen in der Solarindustrie erinnert, spielt sich direkt nördlich der Landesgrenze die gegenteilige Geschichte ab: Die dänische Windkraftindustrie boomt, wie exklusive Satellitenaufnahmen von LiveEO belegen.

Fast jeder Superlativ, den die Branche derzeit vermeldet, spielt sich in Dänemark ab. Die größten Rotorblätter, die leistungsstärksten Generatoren, die größten Fundamente: Alles made in Denmark. Fast die Hälfte der gesamten in Europa installierten Offshore-Energie, so rechnete es ein dänischer Branchenverband jüngst aus, wurde über den Hafen von Esbjerg an der Westküste Jütlands abgewickelt.

Wie beeindruckend die Entwicklung tatsächlich ist, das zeigen die Satellitenbilder. Im Zentrum der dänischen Windindustrie steht der Hafen von Esbjerg, dessen Lage optimal geeignet ist, um die Offshore-Anlagen in der Nordsee zu erreichen. Von hier werden sowohl die meisten Bauteile für die Parks auf dänischem Grund als auch für jene in britischen Gewässern angeliefert. Auch der Bau des deutschen Windparks Kaskasi – der einzige deutsche Offshore-Park, der im laufenden Jahr ans Netz gehen soll – wird von hier aus abgewickelt.

Auf den Satellitenbildern ist zu erkennen, wie stark die Windkraft den Hafen inzwischen prägt: Noch vor 15 Jahren ist nur ein einzelner Turm einer Windkraftanlage erkennbar, ansonsten dominieren kleinere Werkshallen und Tanks das Bild – neben viel Grün. Im Laufe der Jahre dann wird die Fläche des Hafens um mehr als ein Drittel erweitert, die neuen Flächen sowie sämtliche Grünflächen sind nun von Rotorblättern und anderen Windkraftteilen belegt.

Noch nicht zu erkennen, aber längst in der Planung ist die nächste Entwicklungsstufe des Windkraft-Clusters Esbjerg. Bis 2026 wird die Stadt im Süden des Hafens eine weitere L-förmige Fläche aufschütten, die das Hafengelände um weitere 500.000 Quadratmeter erweitern wird, exklusiv reserviert für den Ausbau der Windenergieindustrie.

Aber auch jenseits des Hafens von Esbjerg ist die Windenergieindustrie in Dänemark längst ein bedeutender Wirtschaftszweig. Immerhin 2,3 Prozent aller privaten Beschäftigten im Land sind hier angestellt. Und damit abhängig von einer ganz speziellen Wachstumslogik. Die Windbranche nämlich ist stärker als jede anderen von Zyklen geprägt. Mit jeder neuen Rotorengeneration werden die Anlagen größer. Und damit auch all ihre Komponenten ausladender, schwerer und komplizierter zu transportieren. Entsprechend scharf ist der Ausleseprozess unter den Fabriken: Eine Fertigungsstätte, die für 80 Meter hohe Rotoren noch wunderbar geeignet gewesen sein kann, ist für 120 Meter große Anlagen nicht mehr zu gebrauchen, etwa weil die nächste Autobahnauffahrt nicht mehr ausgebaut werden kann, der Boden nicht mit weiteren Gewichten belastet werden darf… weiterlesen

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