Jeder Quadratmeter im Garten zählt

Jeder Quadratmeter im Garten zählt
Foto: Jeanne Bblanche/Unsplash

Jeder Quadratmeter im Garten zählt

welt.de: Warum die 17 Millionen Gärten in Deutschland wichtige Lebensräume sind – Jeder Quadratmeter zählt, auch eine Blumeninsel: Wer mehr Wildwuchs im eigenen Garten wagt, kann die Artenvielfalt fördern und noch dazu Geld sparen. Experten geben nützliche Ratschläge – und warnen davor, Mähroboter einzusetzen.

Ein akkurat gekürzter Rasen ist für viele Menschen nach wie vor das Wichtigste im Garten. Und mancherorts werden die Rasenmäher bereits wieder aus den Schuppen geholt. „Gras gehört im Frühjahr zu den ersten Pflanzen, die wieder loswachsen“, sagt Margarita Hartlieb von der TU Darmstadt. Allerdings ist das Ideal vom uniformen Zierrasen ungünstig für die Artenvielfalt: „Solche Flächen sind oft artenarm, fast tot“, sagt Sophie Lokatis, Natur- und Artenschutzexpertin bei der Deutschen Wildtier Stiftung.

Dass Wiesen in Mitteleuropa eigentlich zu den artenreichsten Lebensräumen zählen, lässt sich hierzulande in den meisten Gärten kaum noch erahnen. „Da muss man nach Transsilvanien, wo Wiesen oft noch mit der Sense gemäht werden“, meint Lokatis. Sie seien noch reich an Insekten, Amphibien und typischen Wiesenvögeln. „Nur an solchen Orten ist zu begreifen, was wir hier verloren haben.“ Transsilvanien, auch Siebenbürgen genannt, liegt im Zentrum und Nordwesten Rumäniens, dort wird Landwirtschaft vorwiegend auf traditionelle Weise betrieben.

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Jede einzelne Mahd mit einem der hierzulande in Gärten überwiegend verwendeten Sichelmäher bedeutet für die Artenvielfalt einen Rückschlag – und viele Hobbygärtner kürzen ihren Rasen in der Wachstumssaison allwöchentlich, wenn nicht gar mit einem Mähroboter stetig. „Gras wächst rasch von unten nach, wenn es gemäht wird“, erklärt Lokatis, „andere Pflanzen können da nicht mithalten.“

Mähroboter halten nicht nur Gräser klein

Daher gebe es in regelmäßig kurzgeschorenem Rasen überwiegend nur zwei, drei dominierende Grasarten. Zur Blüte schafften es nur noch wenige andere Spezies wie Weißklee und Gänseblümchen, ergänzt Bettina de la Chevallerie, Geschäftsführerin der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft 1822 (DGG 1822).

Jede Mahd wirkt sich direkt auf die Insekten aus, denn es sterben Larven, Raupen und adulte Tiere. „Nach einem Mähvorgang sind zum Beispiel etwa 80 Prozent der Heuschrecken tot“, sagt Hartlieb, die am Projekt BioDivKultur für mehr Artenvielfalt auf Grünflächen beteiligt ist.

„Insekten werden vom Sichelmäher zerschlagen“, erklärt de la Chevallerie. Hinzu kämen unzählige kleine Lebewesen, die mit den Grashaufen entsorgt werden und darin gefangen verenden. Übrig bleibt blütenloses Grün, das keine Nahrung bietet; jedes noch so hübsche Insektenhotel ist nutzlos, wenn es in seiner Nähe kaum blühende heimische Pflanzen gibt.

Aber auch andere Tiere darben: „Zahl und Vielfalt der Singvögel sind in den vergangenen Jahrzehnten parallel zum Insektenschwund gesunken“, sagt Lokatis. Manche Arten seien stetig, zahlreiche andere vor allem bei der Aufzucht der Küken auf Insekten als Nahrung angewiesen. Dass viel Geld für Körnerfutter nebst schickem Häuschen ausgeben wird, fördert den Bruterfolg daher kaum. „Wichtig für Singvögel ist, dass der Garten naturnah und insektenfreundlich ist“, betont Lokatis.

Ganz ähnlich gelte das für Eidechsen, Frösche, Mäuse und andere Tiere, die im üblichen Ziergarten kaum noch Raum fänden. Sie profitieren von Kleinbiotopen wie Mauern, mehrjährige Hochstauden, Laub- und Totholzhaufen sowie Wasserstellen. Und einem Verzicht auf Mähroboter, die auch größeren Tieren den Tod bringen.

Vielen Menschen ist Experten zufolge gar nicht bewusst, welchen Wert Privatgärten für Biodiversität und Klimaanpassung haben. Wer denkt, dass sein kleiner Garten ohnehin keinen Einfluss hat, sollte sich klarmachen, dass es nach Angaben des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) etwa 17 Millionen Privatgärten in Deutschland gibt – eine riesige Anzahl kleiner Lebensräume mit enormer Gesamtfläche. Deren Bedeutung ist gerade deshalb groß, weil urbane Räume im Zuge intensivierter Landwirtschaft und abnehmender Strukturvielfalt im ländlichen Raum wichtige Rückzugsorte für etliche Arten geworden sind… weiterlesen

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