Kaum die Hälfte deutscher Manager kennt SDGs

Kaum die Hälfte deutscher Manager kennt SDGs
Foto: Pixabay CC/PublicDomain

Kaum die Hälfte deutscher Manager kennt SDGs

Nicht einmal jede zweite Führungskraft in Deutschland kennt die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. Gleichwohl sehen drei Viertel der Führungskräfte eine Mitverantwortung der deutschen Wirtschaft bei der Umsetzung der Sustainable Development Goals (SDGs), die im Herbst 2015 von den UN-Mitgliedstaaten verabschiedet wurden und bis 2030 erreicht werden sollen.

Bei der Frage, ob Führungskräfte in deutschen Unternehmen zu politischen und gesellschaftlichen Themen öffentlich Stellung beziehen sollten, zeigt die diesjährige Führungskräftebefragung der Wertekommission – Initiative Werte Bewusste Führung e.V., dass es hierzu eine geteilte Meinung gibt: Während jene, die dies befürworten, sich davon positive Auswirkungen vor allem auf das eigene Unternehmen und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter versprechen, fürchten andere negative Reaktionen in den Medien und insbesondere in den sozialen Netzwerken.

Unbekannte UN-Nachhaltigkeitsziele

Nur 40 Prozent der von der Wertekommission im Mai/Juni 2021 befragten 536 Manager gaben an, die SDGs zu kennen, so die Wertekommission in einer Pressemeldung. Selbst im Top-Management lag dieser Anteil nur bei 47 Prozent. „Sechs Jahre nach der Festlegung auf diese Ziele und neun Jahre vor deren geplanter Erreichung ist dies ein kritischer Befund“, sagt Sven H. Korndörffer, Vorsitzender des Vorstands der Wertekommission.

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Allerdings könne dieser Befund nicht als Zeichen von Ignoranz gegenüber den Inhalten dieser Ziele verstanden werden: „Nachdem die SDGs den Führungskräften erläutert wurden, bekannte sich die übergroße Mehrheit der Befragten dazu, Beiträge zu deren Erreichung leisten zu können. Dies zeigt, dass bei der Einbindung der deutschen Wirtschaft hinsichtlich der Umsetzung der Ziele noch erhebliches, bislang ungenutztes Potenzial besteht.“

Gespaltene Haltung zur politischen Positionierung

Zu der Frage, ob sich Führungskräfte in deutschen Unternehmen zu politischen und gesellschaftlichen Themen öffentlich äußern sollten, haben die Befragten eine gespaltene Haltung: 56 Prozent befürworten eine politische Positionierung, 44 Prozent sind dagegen. Unter den Befürwortern sind vor allem Top-Managerinnen und -Manager, während Führungskräfte, die zum mittleren und unteren Management zählen, sich eher gegen eine politische Positionierung aussprechen.

Öffentlich Stellung zu beziehen, halten die Führungskräfte vor allem zu den Themen rund um Rassismus, Diskriminierung und Antisemitismus (46 Prozent) für wichtig.

Mit deutlichem Abstand folgen die Themen Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Bildung und Gleichberechtigung, zu denen mehr als jede vierte Führungskraft öffentlich Position beziehen würde. Befragt nach den Konsequenzen einer politischen Positionierung, gaben viele Befragte an, dass dadurch die Identifikation und der Zuspruch der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie von Bewerberinnen und Bewerber gestärkt werden könne.

Negative Auswirkungen befürchten die Befragten insbesondere in den Medien und vor allem in den sozialen Netzwerken.

CSR: Ökonomie, Recht und Ethik im Fokus

Bei der Frage, für welche Dimensionen der Corporate Social Responsibility (CSR) sich Führungskräfte insbesondere verantwortlich fühlen, äußerten die meisten Befragten, dass sie für sich eine Verantwortung in ökonomischer, rechtlicher und ethischer Hinsicht sehen. Eine Verantwortung für die philanthropische und für die politische Dimension von CSR sehen sie dagegen weniger.

Bedeutsame Unterschiede im Antwortverhalten zeigten sich dabei zwischen dem Top-Management und den Führungskräften des mittleren sowie unteren Managements: Zum einen sehen Top-Managerinnen und -Manager in ihrer Rolle eine größere Verantwortung für die ökonomische Dimension als andere Führungskräfte. Und zum andern liegt die Einschätzung der politischen Verantwortung beim Top-Management höher als auf der mittleren und unteren Managementebene.

Ranking der Kernwerte unverändert

Im Rahmen der diesjährigen Führungskräftebefragung wurden die Managerinnen und Manager außerdem – wie in jedem Jahr – danach gefragt, welche individuelle Bedeutung sie den sogenannten Kernwerten Vertrauen, Verantwortung, Respekt, Integrität, Nachhaltigkeit und Mut im Unternehmenskontext beimessen. Im Vergleich zum Vorjahr ergaben sich dabei nur leichte Veränderungen: Vertrauen (32 Prozent), Verantwortung (27 Prozent) und Respekt (17 Prozent) wurden erneut am häufigsten genannt, für ein Drittel der Führungskräfte waren dies die drei wichtigsten Werte. Für über die Hälfte der Befragten veränderte sich die Bedeutung der einzelnen Werte nicht, über alle Werte hinweg nahm deren Bedeutung aber eher zu als ab: Am stärksten war dies bei Verantwortung der Fall (für 37 Prozent der Führungskräfte), gefolgt von Nachhaltigkeit (für 35 Prozent der Führungskräfte).

pm

Methodik der Führungskräftebefragung

An der seit 2006 regelmäßig durchgeführten Führungskräftebefragung der Wertekommission – Initiative Werte Bewusste Führung e.V. beteiligten sich in diesem Jahr 536 Führungskräfte aus der deutschen Wirtschaft, davon rund 34 Prozent aus dem Top-Management, 53 Prozent aus dem mittleren Management und 13 Prozent aus dem unteren Management. Die Online-Befragung wurde in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Forschungs- und Wissenschaftsmanagement sowie dem Institute for LifeLong Learning der Technischen Universität München umgesetzt. Zeitraum der Befragung war der 19. Mai bis 6. Juni 2021. Die vollständige Auswertung der Führungskräftebefragung 2021 kann auf der Website der Wertekommission heruntergeladen werden.

Die Realisierung der Studie wurde durch die DRIVEN Investment GmbH in Berlin ermöglicht; für diese Unterstützung sind wir sehr dankbar.

Über die Wertekommission
Wertekommission
Ergebnisband der Befragung 2021

Seit der Aufnahme ihrer Arbeit im Jahr 2005 ist der Begriff „Wertekommission“ zu einem Markenzeichen geworden. Der Untertitel „Initiative Werte Bewusste Führung“ macht das Anliegen des Vereins noch klarer: Die Wertekommission, die auf dem ehrenamtlichen Engagement von Führungskräften aus verschiedenen deutschen Unternehmen und Institutionen basiert, tritt dafür ein, dass sich Werte als Grundlage modernen Managements und erfolgreicher Führung durchsetzen. Die von der Wertekommission definierten sechs Kernwerte sind Vertrauen, Verantwortung, Respekt, Integrität, Nachhaltigkeit und Mut. Sie wurden auf mittlerweile 55 so genannten Werteforen intensiv diskutiert und geschärft, neu gefasst und wieder überarbeitet. Die sechs Kernwerte bilden die Grundlage der Arbeit der Wertekommission, die neben den Werteforen Führungskräftebefragungen initiiert, monatliche Podcasts zum Thema „Werte & Leadership“ veröffentlicht sowie Bücher zum Thema Werteorientierung publiziert. Mit der bundesweiten Kampagne „Werte zeigen Gesicht“ macht sie zudem bis Ende des Jahres 2021 auf die Bedeutung von Werten in Wirtschaft und Gesellschaft aufmerksam.

Über den Lehrstuhl für Forschungs- und Wissenschaftsmanagement der TUM School of Management

Die diesjährige Befragung wurde durch den Lehrstuhl für Forschungs- und Wissenschaftsmanagement der TUM School of Management der Technischen Universität München wissenschaftlich begleitet. Der Forschungsschwerpunkt des Lehrstuhls liegt auf den Themen Führung und Führungskräfteentwicklung im digitalen Zeitalter, dem Management von Forschungsorganisationen sowie Diversität in Organisationen.In enger Vernetzung mit Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft widmen sich die Forscher und Forscherinnen des Lehrstuhls überdies der Förderung effektiver und verantwortungsvoller Führung in der Praxis.

Über das TUM Institute for LifeLong Learning

Das TUM Institute for LifeLong Learning unterstützt internationale Fachexpert*innen und Führungskräfte aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft dabei, den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts durch wissenschaftlich fundierte und technologiegestützte Fach- und Führungskräfteentwicklung erfolgreich zu begegnen. Dazu bietet das Institute innovative Weiterbildungsangebote an, welche die neuesten

Forschungsergebnisse aus den Technik- und Naturwissenschaften auf praxisorientierte Art vermitteln. Die Technische Universität München hat das TUM Institute for LifeLong Learning im Januar 2021 eröffnet, um die TUM als Ort des lebenslangen Lernens zu manifestieren.

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