Klimaneutralität als Booster für den Naturschutz

Klimaneutralität als Booster für den Naturschutz
Grafik: DNT (Cover der Honnoverschen Erklärung des DNT 2022)

Klimaneutralität als Booster für den Naturschutz

Anlässlich der Eröffnung des 36. Deutschen Naturschutztages (DNT) in Hannover wird die „Hannoversche Erklärung“ an Bundesumweltministerin Steffi Lemke übergeben. In der Erklärung, an der alle 1.000 DNT-Teilnehmenden mitwirken konnten, fordern die Beteiligten die Politik auf, zukünftig einen stärkeren Fokus auf die Biodiversitätskrise zu legen und die notwendige Transformation von Wirtschaft und Infrastruktur in eine klimaneutrale Gesellschaft nicht als Hindernis, sondern als Chance für mehr Naturschutz zu begreifen.

Die Biodiversitätskrise sei mindestens so existenzbedrohend wie die Klimakrise und untrennbar mit ihr verbunden, mahnen die Unterstützer*innen in der Erklärung. Vor dem Hintergrund der Energie- und Verkehrswende sowie der industriellen Transformation wird sich der Druck auf die Natur und auf die biologische Vielfalt in Zukunft zudem noch weiter erhöhen. Daher muss es zukünftig darum gehen, den Zustand der Natur dauerhaft und qualitativ auf zusätzlichen Flächen zu verbessern und Eingriffe in Natur und Landschaft konsequent unter der Prämisse eines Verbesserungsgebots umzusetzen, anstatt bloß einen Ausgleich herzustellen.

Synergieeffekte mit Zielen aus Klimaschutz und Klimaanpassung nutzen

Heute gilt es mehr als je zuvor, Synergieeffekte mit Zielen aus dem Klimaschutz und der Klimaanpassung zu nutzen. Ein effektiver Naturschutz sowie eine naturverträgliche Landnutzungspolitik seien zentrale Elemente für einen natürlichen Klimaschutz und dieser könne gleichzeitig helfen, die Biodiversitätskrise zu entschärfen. Daher fordern die Unterstützer*innen der Erklärung unter anderem anspruchsvolle ökologische Mindeststandards in der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft, den Abbau aller biodiversitätsschädigenden Subventionen, eine echte Offensive für die biologische Vielfalt sowie eine Energiewende im Einklang mit dem Natur- und Artenschutz. Nicht zuletzt müsse auch die Naturschutzfinanzierung neu ausgerichtet werden.

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Steffi Lemke, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz, sagte auf dem Deutschen Naturschutztag: „Das Motto des 36. Deutschen Naturschutztags „Naturschutz jetzt!“ ist zeitlos, in diesen Tagen aber wieder besonders wichtig: als Mahnung dafür, dass der Naturschutz auch im Kontext der „Zeitenwende“ nicht ins Hintertreffen geraten darf. Es gilt weiterhin: Diese Bundesregierung ist angetreten, den Naturschutz in Deutschland voran zu bringen. Die sozial-ökologische Transformation ist ihr zentrales Projekt. Ein wichtiges Element ist dabei, die Natur dort wirksam zu schützen, wo sie noch intakt ist und dort wiederherzustellen, wo sie geschädigt ist. Dafür setze ich mich ein, etwa mit dem Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz. Es geht darum, Synergien zwischen Natur- und Klimaschutz zu erschließen und Moore, Auen, Wälder und Grünland, marine und Küsten-Ökosysteme zu schützen, zu stärken oder wiederherzustellen. Denn gesunde Ökosysteme sind Teil der Lösung.“

Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz

Olaf Lies, Niedersächsischer Minister für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz (MU): „Klimaschutz und Artenschutz müssen wir zusammen denken, das geschieht auch mit dem vom Bund initiierten „Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz“. Es bietet mit den in Aussicht gestellten vier Milliarden Euro für die Jahre 2022 bis 2026 eine solide finanzielle Grundlage für zielgerichtete Maßnahmen vor Ort. Aber Geld allein reicht an dieser Stelle nicht, es muss auch klar sein, dass diese Mammutaufgabe ohne entsprechende Strukturen und Personal insbesondere bei den Ländern und der kommunalen Ebene nicht zu bewältigen ist. Daher müssen wir hier gemeinsam zu tragbaren Lösungen kommen, um mit der Umsetzung des Aktionsprogramms schnellstmöglich beginnen zu können.“

Sabine Riewenherm, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN): „Beim Klimaschutz und bei der Erhaltung der biologischen Vielfalt besteht Eile: Entschlossenes Handeln ist in beiden Fällen dringend erforderlich. Das stellt uns alle vor die große Herausforderung, in kurzer Zeit und mit hohem Tempo gemeinsam gute Lösungsvorschläge zu finden. Es gilt, unmittelbare politische Erfordernisse zu berücksichtigen und gleichzeitig die Ziele des Natur- und Klimaschutzes nicht aus den Augen zu verlieren. Um hohe ökologische Standards zu halten, müssen bei der Suche nach Flächen für den Ausbau der erneuerbaren Energien alle Flächennutzungen und -ansprüche in den Blick genommen und abgewogen werden.“

„Naturschutz jetzt!“

Florian Schöne, Geschäftsführer des Umweltdachverbands Deutscher Naturschutzring (DNR): „Naturschutz braucht mehr Fläche und Qualität. Die Rahmenbedingungen müssen künftig so gestaltet sein, dass vorrangig naturverträgliche Landnutzung unterstützt und gefördert wird. Erforderlich sind anspruchsvolle ökologische Mindeststandards in der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft sowie die Schaffung eines Mindestflächenanteils von zehn Prozent für Landschaftselemente, Saumstrukturen oder Brachen. Auch die Düngepolitik und die Pestizidzulassung müssen sich künftig am Schutz der Biodiversität orientieren. Eine naturverträgliche Landnutzungspolitik und eine konsequente Ausrichtung aller Fördermittel an ökologischen Leistungen sind entscheidend für die Erhaltung unserer natürlichen Lebensgrundlagen.“

Heinz-Werner Persiel, Vorsitzender des Bundesverband Beruflicher Naturschutz e.V. (BBN): „Naturschutz jetzt! Das Motto des DNT ist nie so aktuell gewesen. Die Biodiversitätskrise erfordert eine zügige Neufassung und Implementierung einer ambitionierten Nationalen Biodiversitätsstrategie und eines Nationalen Aktionsplanes. Mindestens zehn Prozent der Fläche müssen als strenge Schutzgebiete im Sinne der EU und ausgewiesen, bestehende Schutzgebiete aufgewertet und Konflikte mit den Schutzzielen durch negative Einflüsse ausgeschlossen werden. Die internationalen Ziele zur Wiederherstellung von Ökosystemen im Sinne der aktuellen UN-Dekade sowie der EU-Gesetzgebung sind zeitnah umzusetzen, indem weitere zehn Prozent der Fläche naturschutzfachlich stark aufgewertet werden. Für die Umsetzung der Aufgaben ist die Bereitstellung ausreichender personeller und finanzieller Mittel dringend erforderlich. Zusammenfassend ein Gruß von Mutter Erde: ihr braucht mich, ich brauch euch nicht!“

pm

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