Klimaprojekte von Milliardären schaden oft sehr

Klimaprojekte von Milliardären schaden oft sehr
Foto: Quince Creative/Pixabay CC

Klimaprojekte von Milliardären schaden oft sehr

n-tv.de: Amerikas Milliardäre sind nicht nur für ihren luxuriösen Lebensstil bekannt, sondern auch für ihre großzügigen Spenden, gerne für Projekte zur Rettung der Welt. Aber was die Reichsten der Reichen als hilfreich erachten, schadet der Menschheit unter Umständen mehr, als dass es hilft.

Superreiche sind nicht nur schlecht für unseren Planeten, sie sind besonders schlecht. So lässt sich der jüngste Bericht der Armutsbekämpfungsorganisation Oxfam in einem Satz zusammenfassen. Demnach hat das reichste Prozent der Weltbevölkerung im Jahr 2019 etwa genauso viele Treibhausgase verursacht wie die fünf Milliarden Menschen, die die ärmeren zwei Drittel ausmachen.

Auf Deutschland bezogen verursachte das reichste Prozent der Einwohner 2019 insgesamt 83,3 Tonnen CO₂ -Emissionen pro Kopf und Jahr und damit mehr als 15-mal so viel wie die ärmere Hälfte der deutschen Bevölkerung, wie der Anfang der Woche von der Hilfsorganisation vorgelegte Bericht „Climate Equality: A Planet for the 99 Prozent“ ergab – nur wenige Tage vor dem UN-Klimagipfel in Dubai, der am 30. November beginnt.

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Die Konferenz ist ein weiterer Versuch, die internationale Gemeinschaft auf das 1,5-Grad-Ziel zur Begrenzung des Temperaturanstiegs einzuschwören, dessen Einhaltung zunehmend unwahrscheinlicher wird. Die Statistiken des Berichts belegen, was Oxfam seit Jahren anprangert. Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen den größten Problemen der Menschheit: die Klimakrise und die extreme soziale Ungleichheit. Warum sind die Milliardäre und Multimillionäre so viel schlechter für das Klima?

Da sind ihre Privatjets und ihre Jachten, die man eher als schwimmende Paläste bezeichnen muss. Die Stadtvillen und Landgüter, von denen die Superreichen in der Regel eine ganze Kollektion in den exklusivsten Winkeln unserer Welt ihr Eigen nennen. Vor allem aber profitieren sie durch ihre Investitionen und Beteiligungen an Konzernen, die die Umwelt verschmutzen. Da ein großer Teil der Superreichen ihren Reichtum aus dem Finanzmarkt und ihren Kapitalanlagen bezieht, tragen sie so überproportional dazu bei, die Klimakrise zu befeuern.

Die Elite unterminiert dabei den gemeinsamen Kampf gegen die Erderwärmung. Denn auch da sind die Lasten ungleich verteilt. Selbst im wohlhabenden Deutschland stellt die Anschaffung einer neuen Heizung oder eines Elektroautos viele Haushalte vor eine finanzielle Herausforderung – oder ist schlicht unbezahlbar. Kein Wunder, dass das Engagement der Superreichen für das Klima wie Heuchelei wirkt. Dabei zählen sich viele aus dem Club der Superreichen zu den Rettern der Menschheit.

Kaum ein bekannter Milliardär, der nicht ein WSP hat, ein „World-Saving Project“. Elon Musk etwa, aktuelles Vermögen 219 Milliarden Dollar, hat 100 Millionen davon als Preis für denjenigen ausgelobt, der eine bezahlbare Technologie entwickelt, die 1000 Tonnen CO2 jährlich aus der Atmosphäre ziehen und binden kann.

Bill Gates, derzeit um die 134 Milliarden Dollar reich, ist überzeugt, dass unser Energieproblem mithilfe der Atomkraft gelöst werden kann. Und anders als Normalverdiener kann er seine Vision auch verwirklichen. Dabei hat er nicht die Atommeiler im Sinn, wie sie heute im Einsatz sind, sondern eine neue Art Kraftwerk, die kleiner und billiger sein soll. „Natrium“ heißt das Modell, das bald im US-Bundesstaat Wyoming gebaut werden soll, denn der Reaktor wird mit flüssigem Natrium statt mit Wasser gekühlt. Experten sehen das Vorhaben kritisch, doch das US-Energieministerium hat bereits Unterstützung – und Subventionen – zugesagt.

Ein neues nukleares Zeitalter, gesponsert durch Superreiche, erscheint geradezu bescheiden angesichts von Vorhaben, die unser Klima „hacken“ wollen und die Erderwärmung durch Technologien aufhalten oder sogar zurückdrehen wollen. Der vornehmere Ausdruck ist Geo-Engineering. Gemeint sind Ideen wie Solar Radiation Management (SRM). Dabei sollen Aerosole in die obere Atmosphäre gesprüht werden, wahrscheinlich von einer Flotte sehr hoch fliegender Flugzeuge. Die Aerosole – verschiedene Substanzen sind im Gespräch – sollen die Sonne etwas abdunkeln und so die Atmosphäre abkühlen. Zu den Fans dieses Ansatzes gehört George Soros, der seine Pläne, ein solches SRM-Projekt anzustoßen und die Arktis damit wieder „einzufrieren“, bei der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar 2023 vorstellte. „Die Botschaft ist klar: Menschliche Beeinflussungen haben ein zuvor stabiles System zerstört und es bedarf des menschlichen Erfindergeistes, sowohl auf lokaler als auch auf internationaler Ebene, um es wieder in Ordnung zu bringen“, sagte er da.

Wissenschaftler sind tief besorgt. In einem offenen Brief forderten Hunderte von ihnen von den Regierungen, den Vereinten Nationen und anderen Akteuren sofortige politische Maßnahmen, um die Normalisierung des solaren Geo-Engineerings als klimapolitische Option zu verhindern. Problematisch ist nicht allein die Tatsache, dass Milliardäre Geld für neue, möglicherweise gefährliche Technologien geben. Problematisch ist, dass sie es inzwischen oft sind, die maßgeblich entscheiden, welche Technologien vorangetrieben werden sollen. Männer, die offenbar aus der Tatsache, dass sie im Silicon Valley mit Software oder an den Finanzmärkten viel Geld verdient haben, den Schluss ziehen, auch für die ganz großen Probleme der Menschheit die richtigen Lösungen zu kennen. Und dank ihres Vermögens können sie diese Gewissheit auch nahezu ungehindert in reale Vorhaben verwandeln….. weiterlesen

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