Klimawandel verschärft soziale Ungleichheit

Klimawandel verschärft soziale Ungleichheit
Foto: Pixabay CC/PublicDomain/Bru-nO

Klimawandel verschärft soziale Ungleichheit

tagesschau.de: Der Klimawandel trifft alle Menschen – doch manche leiden stärker unter Hitze als andere. Besonders betroffen sind Ärmere, denn sie können sich schlechter schützen. Das könnte den gesellschaftlichen Zusammenhalt bedrohen.

Unter anhaltender Hitze leiden nicht nur einzelne Organe, wie beispielsweise das Gehirn, das Herz, die Bauchspeicheldrüse, die Haut oder der Darm. Vielmehr stellt die Hitze das gesamte System Mensch vor große Probleme, erklärt die Umweltmedizinerin Claudia Traidl-Hoffmann. Sie ist die Vizedirektorin des Zentrums für Klimaresilienz der Universität Augsburg.

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Das liegt daran, dass die Hitze einerseits bereits bestehende krankmachende Beeinträchtigungen verstärkt. Das betrifft chronische Volkskrankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Aber auch mentale und neurologische Erkrankungen wie Alzheimer oder Depressionen verschlimmern sich bei anhaltend hohen Temperaturen. Millionen Menschen sind von einer solche Vorerkrankung betroffen und erleiden deshalb eine Verschlechterung ihres Gesundheitszustands.

Die Ursache dafür, so Traidl-Hoffmann: Wenn „wir uns darauf konzentrieren müssen, unsere Körpertemperatur aufrecht zu erhalten, dann bedeutet das, dass andere Erkrankungen, die vom Körper Aufmerksamkeit brauchen, nicht mehr die Aufmerksamkeit bekommen, die es nötig hat, um diese Erkrankungen auch in Schach zu halten“.

Auch junge Menschen betroffen

Aber selbst für diejenigen, die jung und gesund sind, ist andauernde und hohe Hitze problematisch. Denn auch ein junger Organismus kann diese Belastung nur begrenzt ausgleichen. Wenn ein Mensch über viele Stunden praller Sonne und Hitze ausgesetzt ist, und das ohne Schutz, dann überhitzt der Körper. Mit der Folge, dass die Hitze Körperstrukturen wie beispielsweise Eiweiße nachhaltig zerstört.

„Wenn diese Strukturen zu heiß werden, dann denaturieren sie. Dann verlieren sie ihre Struktur und dann passt kein Schlüssel mehr in irgendein Schloss – das sind ja immer so Schlüssel-Schloss-Prinzipien. Und dann funktionieren Prozesse im Körper nicht mehr und dann stirbt man“, erklärt die Umweltmedizinerin. Alle medizinischen Behandlungsmöglichkeiten können derart überhitzte Menschen nicht mehr retten.

Wer ist vor allem betroffen?

Einerseits belastet die Hitze alle Menschen, weil sie die Leistungsfähigkeit einschränkt, und weil sie psychisch und emotional belastend sein kann. Aber manche Menschen sind besonders verletzlich. Und das sind vor allem Säuglinge, Kleinkinder und alte Menschen. Ihr Wärme-Regulationssystem arbeitet noch nicht oder nicht mehr optimal. Und da Deutschland die zweitälteste Bevölkerung in Europa hat, ist die Gruppe der Betroffenen hier besonders groß.

Hinzu kommt, dass auch diejenigen gefährdet sind, die der Hitze aus beruflichen Gründen nicht ausweichen können. Also beispielsweise auf dem Bau, bei der Feuerwehr, in der Landwirtschaft, beim Rettungsdienst oder bei der Müllabfuhr. Erschwerend ist für diese Menschen darüber hinaus, dass sie der Hitze nicht nur im beruflichen Alltag ausgesetzt sind, sondern oft auch in ihrer Wohnsituation. Häufig leben sie in kleinen Wohnungen, schlecht isoliert, ohne Schutz vor der Sonne, sodass es auch nachts nicht abkühlt.

Das ist ein großes Problem für den Organismus, betont Andreas Matzarakis, Umweltmeteorologe an der Universität Freiburg in einer Untersuchung für das Robert Koch-Institut. Denn der Körper kann sich dann nicht erholen. Der Forscher betont, dass sich „sozial Schwache weitaus schlechter vor der Hitze schützen können, weil in den ärmeren Stadtvierteln wenig städtebauliche Ausweichmöglichkeiten gegeben sind, beispielsweise durch Grünflächen oder Wasser.“

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