„Nationale Plattform für die Zukunft der Mobilität“ gründlich hinterfragen

Foto: Pixabay CC/PublicDomain

Der Verkehr ist das Sorgenkind der europäischen Klimapolitik. Während die Treibhausgasemissionen von Industrie, Energiewirtschaft und Privathaushalten gegenüber 1990 gesenkt werden konnten, stiegen sie aufgrund wachsenden Straßenverkehrs im Bereich der Mobilität trotz hoher Emissionseinsparungen durch den Einsatz von Biokraftstoffen an. Die EU hat sich daher zum Ziel gesetzt, im Jahr 2030 vierzehn Prozent erneuerbare Energien im Verkehr zu verwenden. Dies ist nur mit einem Maßnahmenbündel aus zertifiziert nachhaltigen Biokraftstoffen, neuen Antriebstechnologien, mehr Energieeffizienz und intelligenten Verkehrskonzepten erreichbar. Bioethanol ist dabei die einzige im heutigen Tankstellennetz kurzfristig verfügbare und marktreife Lösung zur Senkung von Treibhausgasemissionen der Benzinmotoren.

 

Vor diesem Hintergrund ist die geplante Zusammensetzung der Expertenkommission der Bundesregierung zur „Zukunft der Mobilität“ (NPM) als Nachfolgekommission der Nationalen Plattform Elektromobilität erstaunlich. Offenbar wird der entscheidende Beitrag der Biokraftstoffe zur CO2-Minderung im Verkehr ignoriert. Dies zeigt der Umstand, dass die Teilnahme des für Energie aus Biomasse zuständigen Bundeslandwirtschaftsministeriums in der beim Bundesverkehrsministerium angesiedelten NPM an keiner Stelle vorgesehen ist. Die bekannt gewordenen Themen der sechs Arbeitsgruppen zeigen außerdem eine voreilige Konzentration auf die Automobil- und Elektroindustrie.

Es muss daran erinnert werden, dass sich die Europäischen Kommission, das Europäische Parlament und auch die Bundesregierung als Teil des EU-Ministerrates erst im Juni 2018 in Brüssel auf eine Neufassung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie geeinigt haben, die von 2021 bis 2030 gelten soll. Diese beinhaltet eine Anhebung des Mindestanteils erneuerbarer Energien im Verkehr von 10 Prozent auf 14 Prozent im Jahr 2030. Alternative Kraftstoffe wie beispielsweise Biokraftstoffe aus Anbaubiomasse, Abfall- und Reststoffen sowie Lignozellulose sollen dabei auch in Zukunft neben der Elektromobilität einen wichtigen Beitrag zur Treibhausgasminderung im Verkehr leisten.

Diese sorgfältig ausgehandelte Novelle der Erneuerbare-Energien-Richtlinie sichert die Zukunft europäischer Biokraftstoffe nach 2020 und basiert auf dem amtlich festgestellten Potenzial zur Minderung klimaschädlicher Treibhausgasemissionen.

Allein in Deutschland werden durch den Einsatz zertifiziert nachhaltiger Biokraftstoffe jährlich rund 7,3 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente vermieden. Unser Strom stammt derzeit nur zu 39 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen und ist im Übrigen fossilen oder atomaren Ursprungs. Eine nationale Expertenkommission zur Zukunft unserer Mobilität darf sich daher nicht hauptsächlich mit der Elektrifizierung des Verkehrs befassen. Es fahren momentan über 46 Millionen Pkw mit Verbrennungsmotoren auf unseren Straßen. Für diese Fahrzeuge müssen die Experten Lösungen finden und der verstärkte Einsatz von Biokraftstoffen hilft, Emissionen zu reduzieren. Jetzt und in Zukunft.

 

Norbert Schindler

Vorsitzender des BDBe Bundesverband der deutschen Bioethanolwirtschaft e.V.

 

 

Der BDBe hat eine interaktive Karte zu gegenwärtigen Biokraftstoff-Regelungen und Beimischungszielen in 30 europäischen Ländern veröffentlicht: www.bdbe.de/daten/bioethanol-weltweit

 

 

 

 

 

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