Tsunami der Empörung

Foto: Pixabay CC/PublicDomain

Jetzt also auch in der Hauptstadt: Dieselautos müssen draußen bleiben. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) erwirkte vor dem Berliner Verwaltungsgericht (AZ: VG 10 K 207.16 ) ein Fahrverbot für luftverpestende Dieselmotoren. Nach Hamburg, Frankfurt oder Aachen und den bereits rechtskräftigen Urteilen für Diesel-Fahrverbote in München, Stuttgart sowie Düsseldorf wird es damit extrem eng für Dieselautos in Deutschland. Laut DUH könnten solche Verbote für weitere über 100 deutsche Städte drohen.

Richtig so: Schließlich betrogen die Hersteller ihre Kunden. Und (uns) alle ebenfalls, die wir die Luft in den Innenstädten atmen (müssen).

Trotzdem lamentieren jetzt vor allem die Betrüger. Sie stellen damit ein bislang gelebtes wie von allen akzeptiertes Rechtsempfinden einfach auf den Kopf. Nicht die Betrüger sollen zahlen, sondern die vielen betrogenen Autobesitzer.

Autofahren per Gerichtsurteil einfach zu verbieten kann nicht die Lösung des Problems sein. Sie halfen nur, das Problem endlich beim Namen zu nennen. Jetzt freilich könnten beispielsweise die betroffenen Bürgermeister aktiv werden: Alle betroffenen Städte und Gemeinden, deren Bürger bislang von den Autofirmen aus Profitgier gesundheitsschädlichen Abgasen ausgesetzt wurden und zusätzlich all jene, deren Mitbürgern solche Fahrverbote drohen, müssen sich dafür nur (endlich) zusammenschließen. Gemeinam sind sie stark genug. Die Städte sollten - und zwar sofort! - alle Urteile wirklich umsetzen und die Dieselautos aussperren.

Natürlich nicht, um den Bürgern das Fahren zu verleiden. Aber um die Autobosse zur Einsicht in ihr Unrecht zu drängen.

Die Folge einer solch konsequenten Umsetzung der Fahrverbote nämlich wäre sicher ein wahrer Tsunami der Entrüstung. Der würde über München (BMW), Stuttgart (Mercedes), Köln (Ford), Wolfsburg (VW), Rüsselsheim (Opel) und Ingolstadt (Audi) schwappen. Mit großer Wucht. Auch das zu Recht. Diese Empörung wäre vermutlich mächtig genug, die Grundmauern der Glas- und Betonpaläste der Autobauer zu erschüttern. Mal sehen, wie lange die sich dann noch selbstgefällig und völlig uneinsichtig ins eigene Versagen in den Chefsesseln sicher fühlen.

Es weiß inzwischen ja wohl auch der und die Letzte: Nicht die Autofahrer sind Schuld an der Misere. Versagt haben alleine die Autobauer - vor allerm deren Chefs. Auch für sie muss gelten, was für uns alle gilt: Schließlich zahlt, wer in der U-Bahn ohne Ticket kontrolliert wird, doch seine Strafe auch selbst. Die Autoindustrie dagegen kassiert trotz Skandal lieber weiter illegal Milliarden.

Das, liebe Politikerinnen und Politiker, erklärt bitte mal den Wählern.

 

Gerd Pfitzenmaier

Chefredakteur global°

 

 

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