Konzerne und WWF: Ja zu EU-Naturschutzregeln

Konzerne und WWF: Ja zu EU-Naturschutzregeln
Foto: Pixabay CC/PublicDomain

Konzerne und WWF: Ja zu EU-Naturschutzregeln

Mehr als 60 der größten europäischen Unternehmen aus den Bereichen Nahrungsmittel, Industrie, Finanzen und Energie, darunter Nestlé, Unilever und IKEA, sprechen sich aus unternehmerischen Interessen für die Rettung des Naturschutzgesetzes aus. Der ENVI-Ausschuss (Ausschuss für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit des Europäischen Parlaments) will am 15. Juni 2023 über dieses umstrittene Gesetz abstimmen.

Nestlé, Danone, Bel, Rémy Cointreau und SPAR gehören zu 39 Unternehmen, die eine Erklärung unterzeichnet haben, in der sie „dringend die Verabschiedung des ambitionierten und rechtlich bindenden EU-Gesetzes zur Wiederherstellung der Natur fordern, um „die Natur nach Europa zurückzubringen“.

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Gleichzeitig warnen weitere 29 Konzerne, darunter Unilever und IKEA, in einem offenen Brief davor, dass „Unternehmen und Finanzinstitute von der Natur abhängig sind und sich dem entsprechend dafür engagieren müssen, Natur wiederherzustellen, zu erhalten und bei der Transformation zu einer Natur-verträglichen Wirtschaft aktiv mitwirken müssten. Die hierfür nötigen Maßnahmen im erforderlichen Tempo könnten nur gelingen, wenn ehrgeizige Umweltpolitik entsprechende Rahmenbedingungen schafft und so Wirtschafts-, Steuer- und Gesetzgebungssysteme verändern.“

Bart Vandewaetere, VP ESG Engagement, Nestlé Europe, sage:

„Wenn die Natur unter Druck steht, stehen auch unsere Nahrungsmittelsysteme unter Druck. Ein Beispiel: Steigende Temperaturen werden die für den Kaffeeanbau geeignete Fläche bis 2050 um bis zu 50 Prozent verringern, wenn wir nicht eingreifen. Naturwiederherstellung und Ernährungssicherheit hängen voneinander ab – wir verlassen uns bei der Produktion unserer Rohstoffe auf die Natur.“

„Die Umsetzung des EU-Naturschutzgesetzes könnte den Übergang zur regenerativen Landwirtschaft in Europa beschleunigen und Vorteile für Landwirte, ihre Lebensgrundlagen und die Umwelt schaffen, indem die Bodenqualität verbessert wird, Wasserkreisläufe wiederherstellt werden und die Artenvielfalt erhöht wird. Die Verabschiedung dieses Gesetzes muss sicherstellen, dass den Landwirten mehr Mittel zur Verfügung stehen, um sie bei der Wiederherstellung der Natur in ihrer täglichen Arbeit zu unterstützen“, erklärt der Nestlé-Sprecher weiter.

Das Gesetz zur Wiederherstellung der Natur sieht vor, bis 2030 auf mindestens 20 Prozent der Land- und Meeresflächen der EU-Wiederherstellungsmaßnahmen durchzuführen und bis 2050 alle Ökosysteme zu reparieren, die einer Wiederherstellung bedürfen, um so eine langfristige und nachhaltige Regeneration und die Widerstandsfähigkeit von Biodiversität und Natur sicher zu stellen. Eine Schlüsselfunktion bei der Nahrungsmittelsicherheit hat die Biodiversität, da sie dafür sorgt, dass Getreide resistenter gegen Krankheiten, Schädlingsbefall und den Klimawandel ist.

Nestlé & Co. Seit an Seit mit Wissenschaftlern und Landwirten

Mit ihren Forderungen schließen sich die Unternehmen Landwirten, Jägern und Wissenschaftlern an, die vor den wirtschaftlichen Folgen warnen, wenn das Gesetz zur Wiederherstellung der Natur nicht umgesetzt wird. Es wäre das erste europaweite Gesetz, das den nationalen Regierungen rechtsverbindliche Ziele für die Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme vorgibt. Aktuell wird erwartet, dass die EVP das Gesetz ablehnt, nachdem die Fraktion die Verhandlungen am 30. Mai verlassen hat.

Ernest Mas, Obstbauer aus Tarragona, Spanien, sagt:

„Es gibt viele Leute, die denken, dass Nachhaltigkeit Geld kostet. Wir sollten auch darüber nachdenken, ob es uns Geld kostet, nicht nachhaltig zu sein. Wir müssen produzieren, wir müssen die Menschen ernähren, aber wir müssen es auf eine Weise tun, bei der wir die Natur nicht schachmatt setzen.“

Sabien Leemans, Senior Biodiversity Policy Officer, WWF European Policy Office:

„Fortschrittliche Unternehmen schließen sich einer langen Liste von Interessenvertretern an, die ein starkes Gesetz zur Wiederherstellung der Natur fordern, darunter Bürger, NGOs, die wissenschaftliche Gemeinschaft und andere Unternehmensnetzwerke. Die Mitglieder des Europäischen Parlaments und der EU-Mitgliedstaaten müssen diesen Forderungen Gehör schenken und Rechtsvorschriften erlassen, die Europa dringend benötigt und die für die Bewältigung von Natur- und Klimakrisen geeignet sind. Trotz der beschämenden Versuche, die Wiederherstellung der Natur als Feind von Landwirten, Fischern oder der Entwicklung erneuerbarer Energien darzustellen, erinnert diese Forderung daran, dass wir alle widerstandsfähige Ökosysteme für unsere Wirtschaftstätigkeit, Gesundheit und den Fortbestand dieses Planeten brauchen.“

Während Konzerne, Unternehmen, Landwirte und Aktivisten sich zusammenschließen, und erklären, warum das Endergebnis grün ist, müssen sich die Gegner des Gesetzes von mitte-rechts den Vorwurf gefallen lassen, die Wirtschaft wie auch die Umwelt zu schädigen.

Über WWF European Policy Office

Die Mission des WWF besteht darin, die Zerstörung der Umwelt und des Planeten zu stoppen und eine Zukunft aufzubauen, in der die Menschen im Einklang mit der Natur leben. Das European Policy Office trägt dazu bei, indem es sich für eine starke EU-Umweltpolitik in den Bereichen nachhaltige Entwicklung, Naturschutz, Klima und Energie, Meeresschutz, nachhaltige Finanzen und Außenpolitik einsetzt.

Christine Burger

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