Leuchttürme: Mehr Insektenvielfalt in der Agrarlandschaft

Leuchttürme: Mehr Insektenvielfalt in der Agrarlandschaft
Foto: Pixabay CC/PublicDomain

Leuchttürme: Mehr Insektenvielfalt in der Agrarlandschaft

Präsidentin Beate Jessel des Bundesamts für Naturschutz (BfN) besucht in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen Projekte aus dem Bundesprogramm Biologische Vielfalt.

Die biologische Vielfalt in der Agrarlandschaft stärken – das ist das Ziel von drei Modellprojekten im Bundesprogramm Biologische Vielfalt. Im Juli besucht Prof. Dr. Beate Jessel drei Vorhaben, um sich über den aktuellen Stand und erste Projekterfolge zu informieren. Die Vorhaben „VIA Natura 2000“, „Etablierung eines Mischfruchtanbaus von Erbsen und Leindotter“ und „FINKA – Förderung der Biodiversität von Insekten im Ackerbau“ verfolgen unterschiedliche Lösungsansätze für das gemeinsame Ziel einer insektenfreundlichen, naturverträglichen Landwirtschaft.

Kooperation und Vernetzung

„So unterschiedlich die drei Vorhaben auch sind, sie alle setzen auf Kooperation und Vernetzung, um die biologische Vielfalt in der Agrarlandschaft zu stärken: Landwirtinnen und Landwirte, Kommunen, Flächenbesitzende, aber auch die produzierende Industrie erproben gemeinsam mit Fachleuten aus dem Naturschutz, wie geeignete Wege hin zu naturverträglicheren Bewirtschaftungsweisen gelingen können. Damit zeigen sie lokal, was langfristig bundesweit gelingen muss: Nur mit gemeinsamen Anstrengungen können wir Veränderungen in die Fläche bringen und die biologische Vielfalt für kommende Generationen erhalten“, so BfN-Präsidentin Jessel.

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Alle drei Vorhaben tragen mit ihren Maßnahmen insbesondere dazu bei, Insekten wieder mehr Lebensräume und Nahrung zu bieten. Sie verfolgen dabei ganz unterschiedliche Ansätze:

Bei „VIA Natura 2000“ werden seit bereits einem Jahr wertvolle blütenreiche Randstrukturen entlang von Feldwegen, Äckern und Wiesen – sogenannte Saumbiotope – geschaffen. Von diesen wertvollen Lebensräumen für Insekten und andere Artengruppen gibt es bundesweit immer weniger. Die Stiftung Naturschutz Thüringen und die Umwelt- und Agrarstudien GmbH werden bis 2026 gemeinsam mit den Trägern von fünf Natura 2000-Stationen insgesamt 55 Hektar blütenreicher Feldsäume einsäen und so in der besonders intensiv genutzten Agrarregion Thüringens ein Netz von Lebensräumen für Insekten schaffen. Einen der gras- und krautbewachsenen Randstreifen, der im Projekt neu entstanden ist, besucht BfN-Präsidentin Beate Jessel gemeinsam mit den Projektbeteiligten im thüringischen Riethnordhausen.

Forschung zu biologischer Vielfalt auf ökologischen und konventionellen Vergleichsflächen

Ein anderer Ansatz wird in Sachsen-Anhalt erprobt: Im Projekt „Etablierung eines Mischfruchtanbaus von Erbsen und Leindotter“ arbeiten Industrie und Landwirtschaft gemeinsam am Aufbau einer innovativen und nachhaltigen Wertschöpfungskette. Die beteiligten landwirtschaftlichen Betriebe bauen Erbsen im Mischfruchtanbau mit der für Bestäuber wertvollen Nahrungsquelle Leindotter an. Leindotter blüht im Juni, einem Zeitraum, in dem das Blütenangebot auf den großflächigen, konventionell bewirtschafteten Landwirtschaftsflächen gering ist. Durch ihr rasches Wachstum unterdrückt die alte Nutzpflanze unerwünschte Beikräuter und dient den Erbsen als Rankhilfe.

Am Projekt beteiligt sind Unternehmen, die das Erntegut trennen, trocknen, reinigen und sachgerecht lagern können, sowie Ölmühlen und Futtermittelproduzenten, die den eiweißreichen Presskuchen verarbeiten. Das Leindotteröl wird über die Worlée-Chemie GmbH zu einem Bindemittel veredelt, welches der Baufarbenhersteller DAW SE (Deutsche Amphibolinwerke) zur Herstellung nachhaltiger Holzveredelungsprodukte wie Lasuren, Holzöle und Lacke benötigt. 

Auch im Niedersächsischen Projekt „FINKA – Förderung der Biodiversität von Insekten im Ackerbau“ steht die Zusammenarbeit im Vordergrund: In dem Vorhaben wurden 30 Betriebspaare aus je einem ökologischen und einem konventionellen Landwirtschaftsbetrieb gebildet, die sich darüber austauschen, wie auch in der konventionellen Praxis auf Insektizide und Herbizide verzichtet werden kann. Ein Team von Forschenden untersucht zudem, wie sich die biologische Vielfalt auf ökologischen und konventionellen Vergleichsflächen entwickelt. Ziel ist es, voneinander zu lernen und gemeinsam insektenfreundliche und wirtschaftliche Anbaumethoden zu entwickeln, die dem Verlust der biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft entgegenwirken.

Die Reise der BfN-Präsidentin findet anlässlich des zehnjährigen Jubiläums des Bundesprogramms Biologische Vielfalt statt. Neben den drei hier vorgestellten Projekten besucht sie auch die beiden Projekte „Treffpunkt Vielfalt“ und „Städte wagen Wildnis“ in Erfurt und Hannover.  Beides sind erfolgreiche Beispiele dafür, wie Natur in der Stadt mehr Raum und Aufmerksamkeit erhalten kann.

BfN

Hintergrundinformationen

Das Projekt „VIA Natura 2000“ wird seit Mai 2020 bis April 2026 im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums in Höhe von 4,8 Millionen Euro gefördert, sowie vom Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz mit rund 600.000 Euro finanziert. Weitere Informationen

Das Projekt „Etablierung eines Mischfruchtanbaus von Erbsen und Leindotter“ wird seit Januar 2018 bis Dezember 2022 im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums in Höhe von rund 680.000 Euro gefördert. Weitere Informationen sowie hier

Das Projekt „FINKA – Förderung der Biodiversität von Insekten im Ackerbau“ wird seit Mai 2020 bis April 2026 im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums in Höhe von rund 2,7 Millionen Euro gefördert, sowie vom Niedersächsischen Ministerien für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und dem Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz. Weitere Informationen

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