Leverkusen: Tote bei Explosion in Chemiepark

Leverkusen: Tote bei Explosion in Chemiepark
Screenshot: spiegel.de

Leverkusen: Tote bei Explosion in Chemiepark

Im Leverkusener Chemiegebiets Chempark, in dem der BAYER-Konzern und andere Hersteller produzieren, kam es zu einer schweren Explosion. „Videos zeigen, wie schwarze Rauchwolken über den Gebäuden des Chemparks Leverkusen aufsteigen“, berichtet spiegel.de. Es gab mindestens einen Toten, noch mindestens fünf Beschäftige würden vermisst, meldet am Nachmittag Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG). Die Ursache der Explosion blieb noch unklar.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe ordnete das Ereignis in die Warnstufe «Extreme Gefahr» ein.

CHemieunfall CBG
Rauch und Flammen über Chempark in Leverkusen Foto: CBG

Laut Chempark-Betreiber CURRENTA (ehemals Bayer Industry Services GmbH & Co. OHG), der im Auftrag von BAYER und anderen Chempark-Nutzern die Ver- und Entsorgung betreibt, erfolgte die Detonation im Tanklager der Sondermüllverbrennungsanlage. Die Polizei ließ das gesamte Industrie-Areal räumen und sperrte die Autobahn A1 in beiden Richtungen.

Die Betreiberfirma Currenta bat Anwohner darum, geschlossene Räume aufzusuchen und Fenster und Türen zu schließen. Werkfeuerwehr und Luftmesswagen seien im Einsatz.

Sonder-Müllverbrennung umgeben von Wohnhäusern

2019 hatte BAYER seine CURRENTA-Mehrheitsbeteiligung an einen Finanzinvestor verkauft, lässt aber Chempark und seine Sondermüll-Verbrennung rechtlich von CURRENTA betreiben, so CBG. Vor rund zehn Jahren erteilte die Bezirksregierung Köln dem Unternehmen die Genehmigung, die Kapazitäten der Brennöfen von 80.000 auf 120.000 Tonnen pro Jahr zu erweitern.

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Störfälle traten, laut CBG in dem „Entsorgungszentrum“ schon vielfach auf. Im Jahr 2011, als BAYER noch die Mehrheit der CURRENTA-Anteile hielt, erging nach einem Störfall dort ein Sandregen über Teile Leverkusens. 2010 entflammte ein Feuer und 2009 traten nach einem Defekt in der Dosier-Einrichtung der Abluft-Behandlung Schadstoffe aus.

Die Müllverbrennung ist umgeben von dichten Wohngebieten mitten auf der „größten Giftmüll-Deponie Europas“ in unmittelbarer Nähe eines der größten Chemie-Werke der Welt sowie nur eine Rhein-Breite getrennt von der Millionenstadt Köln. Explosionen dieser Art können eine Kettenreaktion auslösen und in einen Chemie-GAU münden.

Kritik von Bayer-Gegnern

BAYER/CURRENTA spielen mit dem Feuer. Dieser Beinahe-GAU zeigt einmal mehr, welche Gefahr von Produktion und Entsorgung chemischer Stoffe ausgeht, wenn diese der Profitmaximierung dienen. Offenbar reichten die Sicherheitsanforderungen von CURRENTA und seinen Auftraggebern im Chempark erneut nicht aus, um die Sicherheit der Arbeiter*innen und Anwohner*innen zu schützen. Seit Jahrzehnten fordert die CBG: Wirksamer Schutz für die Bevölkerung muss her!“, konstatiert Marius Stelzmann von der Coordination gegen BAYER-Gefahren.

„Für Windräder gelten gigantische Abstandsregeln, aber BAYER & Co dürfen in unmittelbarer Nähe zu Großstädten scheinbar tun und lassen was sie wollen. Dabei geht es hier um einen der größten Umschlagplätze für Chemiegifte in der Region! BAYER und CURRENTA müssen die Öffentlichkeit informieren, was da überhaupt explodiert und verbrannt ist und wie sie das in Zukunft verhindern wollen!“, meint Simon Ernst, Vorstand der CBG.

Jan Pehrke

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