LNG: Robert Habeck springt zu kurz

LNG: Robert Habeck springt zu kurz
Robert Habeck Foto: Wikimedia CC 2.0/Heinrich Böll Stiftung

LNG: Robert Habeck springt zu kurz

zeit.de: Um unabhängig von russischem Gas zu werden, braucht Deutschland LNG-Terminals – notfalls auch zulasten der Natur, sagt der grüne Energieminister. Doch das stimmt nicht.

Was ist wichtiger – der Kampf gegen Putin oder doch das Überleben des Schweinswals? Auf dieses Entweder-oder schrumpft die deutsche Debatte um die Energiepolitik gerade zusammen, Talkshow-gerecht und wunderbar einfach zu verstehen: Entweder wir bauen im Affenzahn in Nord- und Ostsee neue Terminals, zu denen dann Gas aus der ganzen Welt geliefert werden kann, was uns wiederum von den Lieferungen aus Russland und damit auch Putin unabhängig macht. Oder wir schützen bedrohte Meerestiere in der Ostsee, indem wir nicht jede passende Meeresbucht mit Gasterminals zubauen, hängen dafür aber weiter an Putins Pipelines. Was wollen wir also, mehr Sicherheit oder mehr Naturschutz?

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Es ist ein klarer Konflikt, bei dem man sich entscheiden muss. Bei dem es einen Entscheider mit Führungsstärke braucht und der eben die unangenehme Wahl trifft, zum Wohle des deutschen Volkes. 

Einer wie Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck, der die Lage auch anscheinend wirklich so zu interpretieren scheint. Gerade hat er im Privatfernsehen wortreich erklärt, warum Deutschland ein schwimmendes Gasterminal in Wilhelmshaven braucht. Er hat auch die Deutsche Umwelthilfe vor laufenden Kameras gedrängt, von Klagen dagegen abzusehen. Die Deutsche Umwelthilfe hatte nämlich Widerspruch gegen den Baubeginn in Wilhelmshaven eingelegt – für den Schutz der bedrohten Schweinswale. Und der Minister sicherte sich die Lacher, indem er sich zum größten Freund des Schweinswales erklärte. „Ich liebe Schweinswale, ich komme von der Küste, ich bin der größte Schweinswal-Fan in der Bundesregierung“, erklärte Habeck bei RTL. Aber im Falle der geplanten LNG-Terminals müsse die Versorgungssicherheit Vorrang haben. Der Auftritt kam gut an, zeigen Umfragen. 

Habeck bekommt für seinen eloquenten Terminallobbyismus viel Zustimmung und Zuneigung, weit jenseits des grünen Milieus. Da zeige ein Grüner Verantwortung in schweren Zeiten. Jetzt gehe es erst mal um Energiesicherheit, später dann um die Energiewende. In Zeiten des Krieges müsse eben auch mal ein Schweinswal dran glauben. So oder so ähnlich lauten die Kommentierungen – auch weil Habeck, anders als seine Vorgänger, schnell handelt und schnell neue Gesetze macht: An diesem Mittwoch verabschiedete das Kabinett beispielsweise das LNG-Terminal-Beschleunigungsgesetz.

Einwände kommen nur noch von Umweltgruppen

Im eher grünen Milieu grummelt es zwar manchmal leise über das Tempo, mit dem der Energiewendeminister zum Energiesicherungsminister mutiert. Naturschutz und der unentwegte Kampf gegen die Klimakrise gehören in der Partei durchaus zum Markenkern. Doch dort gibt man sich damit zufrieden, dass der Minister ja nur tut, was er muss. Dass selbst die FDP nun von Freiheitsenergien spreche und die Koalition viel Geld für die Energiewende zur Verfügung stelle. Und dass der Habeck ja viele Gesetze für den Ausbau der Erneuerbaren in der Pipeline habe… weiterlesen

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