Mehr Wasser löst CO₂-Problem entwässerter Moore

Mehr Wasser löst CO₂-Problem entwässerter Moore
fr.de: Eine Studie zeigt: Steigt der Wasserstand im Moor auf 25–50 cm, sinken CO₂-Emissionen deutlich – teils wird der Boden zur CO₂-Senke.
Moore gelten als stille Klimaschützer, doch viele dieser Flächen wurden über Jahrzehnte trockengelegt, um sie landwirtschaftlich nutzen zu können. Seitdem verlieren sie kontinuierlich CO₂. Dabei entscheidet vor allem der Wasserstand darüber, ob ein Moor zur Emissionsquelle wird – oder wieder als CO₂-Senke wirken kann.
Eine aktuelle Untersuchung aus Nordnorwegen zeigt nun, dass sich mit einem gezielten Anheben des Wasserstands im Moor die Klimabilanz deutlich verbessern lässt – teilweise so stark, dass aus einer Emissionsquelle wieder ein Kohlenstoffspeicher werden kann.
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Hoher Grundwasserstand macht das Moor zur CO₂-Senke
In ihrem natürlichen Zustand sind Moore dauerhaft wassergesättigt. Im Boden herrscht Sauerstoffmangel. Abgestorbene Pflanzen zersetzen sich deshalb nur sehr langsam. Über Jahrtausende lagern sich so dicke Torfschichten an, die enorme Mengen Kohlenstoff binden.
Wird ein Moor entwässert, sinkt der Grundwasserspiegel. Sauerstoff dringt ein. Mikroorganismen beginnen, das organische Material schneller abzubauen. Der zuvor gespeicherte Kohlenstoff entweicht als CO₂ in die Atmosphäre.
Seit dem 17. Jahrhundert wurden große Moorflächen in Europa trockengelegt. Für nördliche, arktische Agrarmoore fehlten jedoch bisher verlässliche Daten.
Deutlich weniger Emissionen bei höherem Wasserstand
Im Pasvik-Tal in Nordnorwegen untersuchten die Forschenden 2022 und 2023 ein landwirtschaftlich genutztes Moor. Fünf Versuchsflächen spiegelten typische Bewirtschaftung wider: unterschiedliche Wasserstände, verschiedene Düngemengen und mehrere Ernten pro Saison.
Automatische Messkammern erfassten während der gesamten Vegetationsperiode mehrmals täglich CO₂, Methan und Lachgas. Insgesamt entstanden über 21.000 Einzelmessungen. Dadurch konnten auch kurzfristige Emissionsspitzen berücksichtigt werden.
Bei stark entwässerten Böden mit einem Grundwasserspiegel von 1,4 bis 1,6 Metern unter der Oberfläche verhielt sich das Moor wie eine deutliche Emissionsquelle. Wurde der Wasserstand jedoch auf 25 bis 50 Zentimeter unter der Oberfläche angehoben, änderte sich die Bilanz deutlich. „Bei diesen höheren Wasserständen blieben Methan- und Lachgasemissionen ebenfalls niedrig, was zu einer deutlich besseren Gesamtbilanz führte“, erklärt Studienleiter Junbin Zhao. „Unter solchen Bedingungen nahm das Feld sogar geringfügig mehr CO₂ auf, als es freisetzte.“
Arktisches Klima verlängert die Aufnahmephase
Ein entscheidender Faktor ist die Temperatur. Steigt die Bodentemperatur über etwa 12 Grad Celsius, nimmt der positive Effekt ab. Oberhalb von 15 Grad steigen CO₂- und Methanemissionen deutlich. „Der Effekt hoher Wasserstände ist in kühlen Klimazonen am größten“, sagt Zhao. In arktischen Regionen bleiben die Böden lange kühl. Gleichzeitig sorgen lange Sommernächte mit viel Licht für zusätzliche Stunden, in denen Pflanzen netto CO₂ aufnehmen.
Interessant ist ein weiterer Mechanismus: Bei höherem Wasserstand benötigt das System weniger Licht, um von einer Emissions- in eine Aufnahmephase zu wechseln. Dadurch beginnt die CO₂-Aufnahme früher am Tag. Dieser Effekt konnte die Gesamtaufnahme um bis zu 1,9 Tonnen CO₂ pro Hektar und Saison erhöhen.
Allerdings warnen die Forschenden auch vor den Folgen steigender Temperaturen. „Wenn sich die Böden weiter erwärmen, kann der Vorteil hoher Wasserstände schrumpfen“, so Zhao… weiterlesen


