NASA-Technologie hilft Walhaie zu retten

NASA-Technologie hilft Walhaie zu retten
Foto: Matthew T Rader / Unspash

Wie NASA-Technologie helfen kann, Walhaie zu retten – die größten Fische der Welt

Von Hazel Pfeifer/CNN

Tausende von Menschen auf der ganzen Welt helfen mit, den größten Fisch der Welt zu retten. Indem sie Fotos von Walhaien machen, liefern diese „Bürgerwissenschaftler“ („Citizen Scientists“) Forschern wichtige Informationen über die Populations-Hotspots und Wanderrouten der Riesenhaie.

Walhaie sind vom Aussterben bedroht: Schätzungen zufolge sind die Populationen in den letzten 75 Jahren weltweit um mehr als 50 % zurückgegangen. Obwohl sie in vielen Ländern geschützt sind, werden Walhaie immer noch von der Fischereiindustrie getötet – sowohl absichtlich wegen ihrer Flossen (Haifischflossensuppe ist in Teilen Asiens eine Delikatesse) als auch als versehentlicher Beifang, vor allem in Thunfischfanggebieten, in denen Walhaie und Thunfische eng zusammen schwimmen. Walhaie sind zudem auch durch Öl- und Gasbohrungen, Schiffsunfälle und den Klimawandel bedroht.

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Die größten Fische der Welt, Walhaie, sind durch menschliche Aktivitäten wie Fischerei, Öl- und Gasbohrungen und Klimawandel gefährdet. Screenshot CNN

Um zum Schutz der Art beizutragen, hat der australische Meeresbiologe Brad Norman das „Wildbook for Whale Sharks“ mitbegründet, eine Foto-Identifikationsdatenbank, die 2003 online ging.

„Citizen Scientists“, Wissenschaftler und Walhai-Reiseveranstalter auf der ganzen Welt tragen Fotos von Walhaien in das System ein, das NASA-Technologie nutzt, um ihre Standorte zu kartieren und ihre Bewegungen zu verfolgen. Heute enthält die Datenbank über 70.000 Beiträge aus mehr als 50 Ländern – und ist damit eines der größten „crowd-sourced“ Naturschutzprojekte der Welt.

Abenteuer mit Riesenfischen

Trotz ihrer imposanten Größe – Walhaie können bis zu 20 Meter lang werden – stellen diese sanften Riesen keine Gefahr für Schwimmer dar. Sie ernähren sich von Plankton und winzigen Meeresorganismen und bewegen sich mit einer gemächlichen Geschwindigkeit von maximal drei Meilen pro Stunde, so dass Schnorchler und Taucher ganz nah herankommen können.

Norman studiert diese charismatischen Kreaturen seit über 25 Jahren. Er schwamm zum ersten Mal mit einem Walhai im türkisfarbenen Wasser des Ningaloo-Riffs an der Nordküste Westaustraliens. „Es war eine der erstaunlichsten Erfahrungen, die ich je gemacht habe“, erinnert er sich. „Ich werde es nie vergessen.“


Der Meeresbiologe Brad Norman fotografiert einen Walhai. © CNN

Dieser Walhai – der wegen seines deformierten Schwanzes den Spitznamen „Stumpy“ trug – war der erste Eintrag in einer Foto-Identifikationsbibliothek, die Norman 1995 erstellte. Die Bibliothek, die später von Normans Naturschutzorganisation ECOCEAN betrieben wurde, bildete die Grundlage für das „Wildbook for Whale Sharks“.

„Stumpy“ ist ein langsamer Schwimmer, mit dem man relativ leicht Schritt halten kann, sagt Norman. „Ich sehe ihn fast jedes Jahr und … ich denke: ‚Guten Tag, Kumpel, wie geht’s?“

Seit dieser ersten Begegnung ist Norman bei tausenden von Gelegenheiten mit Walhaien geschwommen – und er sagt, dass er immer noch jedes Mal einen Kick davon bekommt.

Warum die NASA-Technologie für Walhaie funktioniert

Bilder, die bei „The Wildbook for Whale Sharks“ eingereicht werden, werden von einem Algorithmus analysiert, der die Flecken und Streifen auf der Haut des Tieres scannt, die so einzigartig sind wie ein menschlicher Fingerabdruck, sagt Norman. Der Algorithmus identifiziert den Hai, indem er in der Datenbank nach einem passenden Muster sucht.


Walhaie sind an den Markierungen auf ihrer Haut zu erkennen. © CNN

Er basiert auf einer Technologie, die ursprünglich für das Hubble-Weltraumteleskop-Programm der NASA entwickelt wurde, und funktioniert bei Walhaien, weil ihre Hautmarkierungen ähnliche Muster wie die Sterne am Nachthimmel bilden.

Norman sagt, dass die Daten über die Standorte und Wanderrouten der Walhaie ermöglichen Entscheidungen über Strategien zum Schutz des Lebensraums. „Ich kann immer nur an einem Ort gleichzeitig sein“, sagt er. „Es ist so wichtig, dass Mitglieder der Öffentlichkeit bei unserem Projekt mithelfen.“

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Walhai-Populationen auf der ganzen Welt. Bürgerwissenschaftler berichteten über Walhai-Sichtungen unter Verwendung eines Fotos. Screenshot CNN

Ist das Schwimmen mit Walhaien gut für sie?

Norman sagt, er würde „jeden ermutigen, der die Gelegenheit bekommt, mit einem Walhai zu schwimmen“. Aber mehr Boote, Schnorchler und Taucher in Walhaigebieten könnten problematisch sein. Deshalb mahnt er, den Einfluss auf die Haie zu minimieren.

In Westaustralien sind Walhai-Tourenveranstalter streng reglementiert, wobei die Anzahl der Personen und der lizenzierten Boote, die sich gleichzeitig im Wasser in der Nähe der Tiere aufhalten, begrenzt ist – und ein Prozentsatz des Umsatzes in das Management der Walhai-Industrie fließt. An anderen Orten ist die Regulierung und Durchsetzung jedoch schwächer.

Auf den Malediven sind Walhaie eine beliebte Attraktion, aber die Richtlinien der Regierung, die die Haie vor Belästigungen schützen sollen, werden häufig missachtet. Dies kann zu Stress für die Tiere führen, während Verletzungen durch Bootskollisionen ihre Entwicklung und ihre Fähigkeit, weite Strecken zurückzulegen, beeinträchtigen können.

Walhaie auf den Philippinen werden routinemäßig mit Futter versorgt, um sie an Orte zu locken, an denen Besucher sie leicht sehen können. Dies kann das Tauchverhalten und den Stoffwechsel der Haie verändern, während ein hohes Maß an Narbenbildung auf vermehrte Bootskollisionen hinweist. Das Gedränge durch touristische Aktivitäten und Fütterung kann auch zur Zerstörung von Korallenriffen führen.

Aber dort, wo Walhai-Tourismus verantwortungsvoll praktiziert wird, kann er helfen, die Art zu retten. Norman hofft, dass weltweit mehr Daten gesammelt werden, um Informationslücken zu schließen und die Schutzbemühungen zu stärken. Er sucht nach dem, was er den „Heiligen Gral“ nennt – herauszufinden, wo sich die Walhaie zur Paarung aufhalten. Der Schutz ihrer Brutstätten ist die „eine große Sache“, die nötig ist, um die Art langfristig zu retten, sagt er. Die Hilfe von Tausenden von Bürgerwissenschaftlern gibt ihm eine bessere Chance, das möglich zu machen. 

Die Veröffentlichung erfolgt im Rahmen unserer Medienpartnerschaft mit CNN und ist im Original auf Call-to-Earth zu finden…

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