Pestizide: Bäche in Agrarlandschaften stark belastet

Pestizide: Bäche in Agrarlandschaften stark  belastet
Kleingewässermonitoring Foto: Andre Künzelmann / UFZ

Kleingewässer in Agrarlandschaften stark mit Pestiziden belastet

Pestizide sichern einerseits die Erträge in der Landwirtschaft, andererseits gelangen sie aber auch in benachbarte Bäche und schädigen die aquatischen Lebensgemeinschaften, die für den Erhalt der Artenvielfalt entscheidend sind, Teil des Nahrungsnetzes sind und die Selbstreinigung des Wassers unterstützen. Forschende unter Leitung des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) konnten jetzt zeigen, dass selbst die zu hohen staatlichen Grenzwerte in über 80 Prozent der Gewässer noch überschritten werden.

Zwei Jahre lang haben die Forscherinnen und Forscher die Pestizidbelastung an mehr als 100 Messstellen an Bächen untersucht, die durch überwiegend landwirtschaftlich genutzte Tieflandregionen in zwölf Bundesländern fließen. In 18 Prozent der Bäche wurden sogar für mehr als zehn Pestizide Überschreitungen der jeweils festgelegten Konzentration (RAK-Wert) nachgewiesen.

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Kleingewässermonitoring/ Probenahme an der „Launzige“ bei Neichen, Sachsen mit Prof. Dr. rer. nat. Matthias Liess, Dipl.-Ing. Matthias Jordan, Oliver Weisner und Liana Liebmann Foto: Andre Künzelmann / UFZ

„Wir haben bundesweit eine deutlich höhere Pestizidbelastung in den Kleingewässern nachgewiesen als wir das ursprünglich erwartet haben“, sagt Prof. Matthias Liess, Ökotoxikologe am UFZ und Koordinator des Projekts Kleingewässermonitoring. Zum Beispiel überschritt Thiacloprid, ein Insektizid aus der Klasse der Neonicotinoide, den RAK-Wert in drei Gewässern um mehr als das 100fache. Andere Insektizide wie Clothianidin, Methiocarb und Fipronil, aber auch Herbizide wie Terbuthylazin, Nicosulfuron und Lenacil toppten den RAK-Wert um den Faktor 10 bis 100 in 27 Gewässern.

„Für empfindliche Insektenarten ist die Pestizidkonzentration in den kleinen Tieflandgewässern der wesentliche Faktor, der ihr Überleben bestimmt. Andere Umweltprobleme wie Gewässerausbau, Sauerstoffmangel oder zu hoher Nährstoffgehalt spielen dagegen eine geringere Rolle“, sagt Matthias Liess. Damit habe diese Studie erstmals ein Ranking der Umweltprobleme ermöglicht. Bislang wird das ökologische Risiko von Pestiziden im Freiland auf Basis von Laborstudien, künstlichen Ökosystemen und Simulationsmodellen vorhergesagt.

Die Ergebnisse aus dem Labor spiegelten aber laut Matthias Liess nicht die Realität wider: „Im Ökosystem wirken neben Pestiziden noch zahlreiche weitere Stressoren auf die Organismen, sodass diese auf Pestizide deutlich empfindlicher reagieren. Natürliche Stressoren wie der Räuberdruck oder die Konkurrenz der Arten werden im Zulassungsverfahren nicht ausreichend berücksichtigt. Diese offensichtlichen Probleme fallen aber nicht auf, da sowohl die Menge des Pestizideintrags als auch ihre Wirkung weder in Deutschland noch in anderen Staaten in der Umwelt validiert werden.“

Liess fordert daher ein regelmäßiges behördliches Umweltmonitoring, um die Menge und die Auswirkungen der Pestizide bewerten zu können. Auch sich die Risikobewertung auf Basis Jahre zurückliegender Zulassungen schnellstens ändern. Nur so könne die Artenvielfalt in unseren Gewässern erhalten bleiben und mit ihnen die Leistungen, die diese Lebensgemeinschaften für unsere Ökosysteme erbringen. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Water Research“ veröffentlicht. (Quelle: Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung)

hjo

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