Rückenwind fürs Thema Nachhaltgkeit in München

Rückenwind fürs Thema Nachhaltgkeit in München
RCE BenE München: "BNE muss nicht nur vermittelt, sondern auch gelebt werden – mit Kopf, Herz & Hand" Fotos: BenE & Stuhldisteln

Rückenwind fürs Thema Nachhaltgkeit in München

Bildung für eine Nachhaltige Entwicklung (BNE) hat in Deutschlands größter Kommune eine lange Tradition. Schon 2007 initiierte der damalige grüne Umweltbürgermeister Monatzeder in der bayerischen Landeshauptstadt den Verein BenE München. Das internationale Netzwerk der von den Vereinten Nationen akkreditierten Kompetenzzentren (Regional Center of Expertise) nahm die Münchner schon bald danach als erstes und damit heute ältestes deutsches Mitglied im Kreis der inzwischen weltweit 170 RCE auf. Nun erfolgte eine weitere Auszeichnung für die Arbeit. Die UNESCO zeichnete das RCE BenE München offiziell als „Vorbild für Nachhaltigkeit“ aus. „Wir arbeiten mit dem ganzheitlichen Bildungsansatz der BNE für eine zukunftsfähige Welt von morgen innerhalb der planetaren Grenzen“, erklärt dazu BenE-Geschäftsstellenleiterin Sabine Leise den Ansatz der Arbeit im RCE. Im Interview mit globalmagazin bewertet Münchens Bürgermeisterin Katrin Habenschaden (Grüne) die Bedeutung der Auszeichnung und äußert sich dazu, wie München auch künftig Nachhaltigkeit in der Stadt an der Isar fördern will.

Welche Rolle spielt BNE in München und wie wird sie umgesetzt?

Katrin Habenschaden: Die Landeshauptstadt München ist mit mehr als 1,5 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern die größte deutsche Kommune. Wir sind uns bewusst, dass sich daraus eine besondere Verantwortung und Vorbildfunktion ergibt – auch im Bereich der nachhaltigen Entwicklung und der zugehörigen Bildungsarbeit.

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Wie setzen Sie diese Verantwortung in die Tat um?

München arbeitet aktiv im Partnernetzwerk der BNE-Kommunen, im Fachforum Kommunen der Nationalen Plattform BNE sowie im „Club der Agenda 2030 Kommunen“ mit. Aber nicht nur diese Gremienarbeit verstehen wir als Beitrag zur Umsetzung der Agenda 2030, des Nationalen Aktionsplans BNE und des Weltaktionsprogramms BNE, sondern auch die Unterstützung und Vernetzung des Engagements der Münchner Zivilgesellschaft und Stadtverwaltung. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die BNE-Projekte umsetzen, tauschen sich zum Beispiel im verwaltungsinternen Arbeitskreis BNE über ihre Arbeit, Projekte und Kontakte mit der Stadtgesellschaft aus.

Wie sieht das konkret aus?

Seit 2019 erarbeiten wir in einem stadtweiten, partizipativen Prozess die „BNE VISION 2030“. Sieben Arbeitskreise, von frühkindlicher Bildung bis hin zur Erwachsenen- und Seniorenbildung, haben hierfür Ziele und Maßnahmen formuliert. Diese sollen noch in diesem Jahr vom Stadtrat beschlossen werden, so dass wir künftig einen Masterplan haben, mit dem das Münchner BNE-Engagement gebündelt und zielgerichtet eingesetzt werden kann.

Welche Bedeutung spielt dabei nun die UNESCO-Auszeichnung für das RCE BenE München?
KAtrin Habenschaden BMin Muenchen
Katrin Habenschaden Foto: katrin-habenschaden.de

Der Verein BenE München wurde bereits 2007 zur UN-Welt-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung gegründet, um den Bottom-Up-Ansatz in München zu stärken. Schon im Gründungsjahr wurde der BenE München als RCE der United Nations University (UNU) akkreditiert und ist damit das älteste RCE Deutschlands. Die Auszeichnung im Jahr seines 15-jährigen Jubiläums gibt dem RCE BenE München Rückenwind, um gemeinsam mit uns und anderen Akteurinnen und Akteuren aus der Zivilgesellschaft unsere BNE Vision 2030 weiter voranzubringen.

Wie wichtig ist es für Ihre Arbeit als Bürgermeisterin, dass Sie in München einen solch anerkannten Akteur wie RCE BenE München haben?

Mit Blick auf das vielfältige BNE-Engagement in unserer Stadt habe ich als Bürgermeisterin besonders gerne die Zuständigkeit für das Thema BNE übernommen. Neben dem RCE BenE München sind in den letzten Jahre noch zahlreiche weitere BNE-Akteurinnen und Akteure sowie BNE-Projekte entstanden, von denen ebenfalls viele schon ausgezeichnet wurden, z.B. die Akteursplattform BNE, der Verein Rehab Republic und die Münchner Initiative Nachhaltigkeit (MIN). Viele von ihnen sind über München hinaus aktiv, das RCE BenE München sogar international. Damit ergänzt sich BNE hervorragend mit meinen anderen Zuständigkeiten wie etwa jene für Europa und Internationales. Für die Förderung und Unterstützung dieses Engagements der zivilgesellschaftlichen Initiativen sowie für die Vernetzung formeller und informeller Bildungsträgerinnen und -träger mit Stadtverwaltung und Wirtschaft wurde die Landeshauptstadt München 2012 und 2019 ausgezeichnet.

Das RCE BenE München setzt viele Projekte um: Welche Wirkung haben diese in der Stadt und für die Menschen in München?

Die innovativen und zukunftsweisenden Projekte des RCE BenE München zeigen uns, dass BNE-Arbeit immer wieder neu gedacht werden muss. Das sehen wir z.B. beim GMIN2T- Flächenprojekt. BNE-Arbeit muss aber auch verlässlich sein: Das ist z.B. der Fall beim Nachhaltigkeitspreis für Abschlussarbeiten an Münchner Hochschulen, der seit 2012 ausgeschrieben wird. Auch die Münchner Hochschultage werden bereits seit 2010 durchgeführt. Dort werden wichtige Nachhaltigkeitsthemen diskutiert und finden großes Interesse. BNE-Arbeit muss die Menschen persönlich ansprechen, das erreicht das RCE BenE München etwa mit seinem Projekt „Über den Tellerrand„.

Wie kann diese nun ausgezeichnete Arbeit nachhaltig gesichert werden?

Wir werden in München die BNE Vision 2030 konsequent umsetzen. Dabei ist das Engagement aller BNE-Akteurinnen und -akteure in München sehr wertvoll. Im Erarbeitungsprozess haben wir festgestellt, dass unserem Leitbild „Perspektive München“ noch eine koordinierende Umsetzungssteuerung und Evaluation fehlen. Deshalb haben wir mit Unterstützung von Engagement Global (BMZ) durch das Deutsche Institut für Urbanistik eine SDG-Analyse durchführen lassen, und am 1. April hat ein Stadtratshearing zum Thema „Nachhaltigkeitsstrategie“ stattgefunden. Nun muss entschieden werden, wie wir die Perspektive München weiter entwickeln oder eine eigene Nachhaltigkeitsstrategie aufsetzen.

Wie kann dabei eine Institution wie das RCE Bene München helfen?

Eine Institution wie das RCE BenE München bietet die Chance, unterschiedliche Akteurinnen und Aktuere zu vernetzen und BNE und die Agenda 2030 zu fördern und das breite Engagement wertzuschätzen.

Wie wichtig ist BNE für Sie persönlich bei der Gestaltung einer lebenswerten Zukunft?

Seit Jahrzehnten behalten wir in München die Konsequenzen des eigenen Handelns nicht nur lokal, sondern auch global im Blick, u.a. mit der Stelle für Kommunale Entwicklungszusammenarbeit und unserer frühen Vorreiterrolle beim städtischen Einkauf, den wir soweit wie möglich nach sozialverantwortlichen Kriterien ausrichten. Zudem fördern wir den Fairen Handel auf lokaler Ebene und unterhalten mehrere Klimapartnerschaften, z.B. mit dem indigenen Volk der Ashaninka im peruanischen Amazonas-Regenwald. All dies wurde bereits mehrfach ausgezeichnet. Im Juni 2016 hat unser Oberbürgermeister außerdem die Resolution des Deutschen Städtetags zur Agenda 2030 unterzeichnet. Auch damit bekennt sich die Stadt München zur bestmöglichen lokalen Umsetzung der Sustainable Development Goals. Schließlich haben wir uns das Ziel gesetzt, bis 2035 klimaneutral zu werden, die Stadtverwaltung soll dieses Ziel sogar schon bis 2030 erreicht haben – u.a. soll unsere Mobilitätsstrategie dazu beitragen. BNE spielt bei all diesen Anstrengungen eine Schlüsselrolle, denn solch ambitionierte Ziele sind nur gemeinsam mit der Stadtgesellschaft zu erreichen.

pit



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