Schweizer-Bundesrat für Klimaschutz durch AKW

Schweizer-Bundesrat für Klimaschutz durch AKW
Milliarden-Projekt ITER in Südfrankreich: Fusions-Forschungs-Reaktor im Bau 2018 Foto: Oak-Ridge-National-Laboratory /Wikimedia (CC BY 2.0)

Schweizer Bundesrat propagiert Klimaschutz durch zukünftige AKW

Der Bundesrat will in den nächsten Jahren den Euratom-Beitrag massiv erhöhen und damit in ferner Zukunft das Klima schützen.

Trotz Atomausstieg propagiert der Bundesrat die «Dekarbonisierung» beziehungsweise den Klimaschutz durch zukünftige Atomkraftwerke und will dafür in den nächsten sieben Jahren das Euratom-Programm (siehe Kasten unten) der Europäischen Union mit über 400 Millionen Franken unterstützen.

Laut seiner Botschaft vom 20. Mai 2020 ist das Ziel des Euratom-Programms (2021-2027), «die Forschungs- und Bildungstätigkeiten im Nuklearbereich weiterzuführen, um die kontinuierliche Verbesserung der nuklearen Sicherheit und des Strahlenschutzes zu fördern und zur nachhaltigen, sicheren und effizienten Dekarbonisierung des Energiesystems beizutragen». Dabei seien «Synergien (…) mit dem Cluster Klima, Energie und Mobilität vorgesehen».

Österreich und Luxemburg dagegen

Mit diesem Bekenntnis übernimmt der Bundesrat die Position der EU-Kommission, die das Milliarden-Programm der Euratom als Effort für den Klimaschutz propagiert, wie Infosperber bereits früher berichtete (EU-Atomforschung: Schluss mit Schweizer Subventionen).

Anders als die Schweiz stemmen sich Österreich und Luxemburg gegen diesen atomaren Klimaschutz. Die österreichische Bundesregierung lehnt «die Verbindung zwischen Nuklearenergie und der Schaffung eines klimaneutralen Energiesystems (…) grundsätzlich ab». In der Atomenergie sieht sie «weder ein sicheres noch ein nachhaltiges Konzept». Eine Klimastrategie der EU könne «nur mit nachhaltigen Konzepten verfolgt werden».

anfuehrungszeichen

Euratom-Programm kostet 8,5 Milliarden Euro

Das Programm der Europäischen Atomgemeinschaft für Forschungs- und Ausbildungsmassnahmen im Atombereich (Euratom-Programm) umfasst die beiden Bereiche Atomspaltung (Fission) und Atomverschmelzung (Fusion). Zusammen sollen sie gemäss Vorschlag der EU-Kommission von 2021 bis 2027 rund 8,5 Milliarden Euro verschlingen, davon 2,4 Milliarden das Atomspaltungs-Programm und 6,1 Milliarden Euro das Fusions-Programm ITER (Internationaler thermonuklearer Versuchsreaktor) in Südfrankreich. Die EU-Kommission fordert «ein starkes Euratom-Programm», damit Europa in «die erste Riege der Stromerzeugung aus Kernkraft aufsteigen» und «seine technologische Führungsposition» behalten könne.

Bundesrat erhöht von 250 auf 410 Millionen Franken

Laut der Botschaft des Bundesrats soll die Schweiz das Euratom-Programm in den nächsten sieben Jahren mit rund 410 Millionen Franken aus der Bundeskasse subventionieren. Das Vorläufer-Programm 2014 – 2020 verschlang rund 250 Millionen Franken. Der Bundesrat erhöht also den Schweizer Beitrag für die europäische Atomforschung um 64 Prozent.

Davon sollen laut der bundesrätlichen Botschaft rund 130 Millionen in das Atomspaltungs-Programm fliessen. Dabei geht es unter anderem um die «Entwicklung neuer Reaktortypen», wie es in der Botschaft heisst, obwohl die Schweiz den Atomausstieg beschlossen hat.

280 Millionen sind für die Entwicklung von zukünftigen Fusions-Reaktoren vorgesehen, die der Bundesrat als «eine nachhaltige Lösung für den Energiebedarf einer umweltbewussten, CO2-neutralen Gesellschaft» anpreist, die aber erst «in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts» zum Einsatz kommen soll.

Bisher über eine Milliarde Franken

Diese Zukunfts-Hoffnung des Bundesrats erstaunt, denn bis 2050 sollte gemäss Energiestrategie der CO2-Ausstoss ohnehin gleich Null sein. Wofür es dann die Fusions-Reaktoren noch braucht, sagt der Bundesrat nicht. Abgesehen davon, ob bis dann die Fusions-Technologie bereit sein wird.

Denn die Fusions-Forschung dauert nun schon über ein halbes Jahrhundert an. Allein die Schweiz hat über eine Milliarde Franken dafür locker gemacht. Notabene, ohne eine einzige Kilowattstunde Strom zu produzieren.

Kurt Marti für InfoSperber

Den Originalartikel kann man bei InfoSperber nachlesen

Weiterführende Informationen

DOSSIER: Energiepolitik ohne neue Atomkraftwerke

Der Autor Kurt Marti war früher Beirat (bis Januar 2012), Geschäftsleiter (bis 1996) und Redakteur (bis 2003) der Schweizerischen Energie-Stiftung (SES).

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