Sorge um Regionalvermarkter der Nahrungswirtschaft

Sorge um Regionalvermarkter der Nahrungswirtschaft
Mareike Schalk und Birgit Wegener, Gründerinnen der HofladenBOX Foto: HofladenBOX

Sorge um Regionalvermarkter der Nahrungswirtschaft

Die gesellschaftliche Stimmung ist nach wie vor auf „Pro Regionalisierung“ ausgerichtet. Doch viele Mitglieder der Regionalbewegung erleben derzeit aufgrund der Kosten- und Umsatzkrise eine wahre Durststrecke. Die Zurückhaltung der Kunden, deren Kaufbereitschaft unter der Inflation leidet, ist immer deutlicher zu spüren. Das trifft die landwirtschaftlichen Erzeuger und das Lebensmittel-Handwerk ebenso wie die regionalen Vermarktungsinitiativen. Um die anhaltende Krise überstehen zu können, brauchen die
regionalen Akteure jetzt dringend Maßnahmen und Rahmenbedingungen, die ihnen weiterhin ein wirtschaftliches Auskommen auf dem Lebensmittelmarkt in der Regionalvermarktung ermöglichen.
„Nach einer gestiegenen Nachfrage während der Corona-Pandemie trifft der Einbruch in der Regiobranche die regionalen Produzent*innen hart“, berichten Birgit Wegner und Mareike Schalk, die beiden Gründerinnen der fränkischen HofladenBOX.

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Die HofladenBOX bietet als digitaler Hofladen über 60 regionalen Produzentinnen und Produzenten sowie Anbieter und Anbieterinnen im Ballungsraum Nürnberg/Fürth/Erlangen eine weitere Vermarktungsmöglichkeit ihrer Produkte und ist seit vielen Jahren engagiertes Mitglied in der Regionalbewegung. „Obwohl wir bei der HofladenBOX in den letzten vier Monaten lediglich eine Preissteigerung von durchschnittlich rund 5 Prozent bei regionalen Lebensmitteln an die Kunden weitergegeben haben, haben wir in derselben Zeit einen Umsatzeinbruch von rund 50 Prozent hin-
nehmen müssen“, berichtet Mareike Schalk.

Auch Jaques Wecke, Projektleiter der Marktschwärmer Deutschland und Mitglied in der Regionalbewegung, beobachtet, dass die regionalen Abholmärkte des Marktschwärmer-Netzwerkes – von denen es rund 160 im Bundesgebiet gibt – mit einem Nachfragerückgang konfrontiert sind. Und dass, obwohl ihre Preise mit durchschnittlich 2,2 Prozent im ersten Quartal 2022 deutlich weniger stark gestiegen sind als im Lebensmitteleinzelhandel mit rund 11,1 Prozent. „Wir wünschen uns, dass Kundinnen und Kunden regionale Produkte nicht als Luxusprodukt betrachten. Die Lebensmittelpreise bei Marktschwärmer sind im Verhältnis zu Produkten aus dem LEH wesentlich weniger angestiegen und das saisonale Angebot ist gerade jetzt sehr umfangreich.“

Bundesverband der Regionalbewegung ist besorgt

Der Bundesverband der Regionalbewegung ist besorgt um seine Mitgliedsorganisationen. „HofladenBOX und Marktschwärmer sind aktuell keine Einzelfälle. Funktionsfähige regionale Wertschöpfungsketten sind jedoch gerade in Krisen essenziell und können eine Sicherheitsarchitektur in unserer globalisierten Welt darstellen. Sie machen Regionen resilienter und halten die Wirtschaftskraft ländlicher Räume unter den Bedingungen permanenten Strukturwandels aufrecht“ sorgt sich Heiner Sindel, 1. Vorsitzender der Regionalbewegung.

Um die anhaltenden Krisen überstehen zu können, brauchen die Regionalinitiativen und kleinst-, kleine und mittlere Betriebe der Land- und Ernährungswirtschaft systematische Unterstützung. Neben einer mutigen Strukturpolitik mit einer Verdichtung regionaler Verarbeitungsstrukturen braucht es eine auf die Akteure regionaler Wirtschaftskreisläufe angepasste Förderpolitik. Gerade Kommunen sollten aus Sicht der Regionalbewegung jetzt befähigt werden, die Nahversorgerstrukturen als Kernbereich ihrer regionalen Daseinsvorsorge zu stärken und zu unterstützen. In einer Vorstudie für die Auflage eines Bundesprogramms Regionale Wertschöpfung erarbeitet die Regionalbewegung derzeit Maßnahmen und politische Handlungsempfehlungen, wie die regionalen Akteure durch bessere Rahmenbedingungen zukunftsfähig aufgestellt werden können. „Diese Prozesse müssen jetzt eingeleitet und politisch priorisiert werden, damit wir auch in Zukunft noch regionale Wertschöpfungsräume als Stabilitätsfaktoren in ländlichen Räumen haben werden“, fordert Heiner Sindel zum umgehenden Handeln auf. „Es darf momentan nicht an der falschen Stelle gespart werden“.

Andrea Winter

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