„Sparfuchs Duc“ erklärt Konsumvermüllern den Krieg

„Sparfuchs Duc“ erklärt Konsumvermüllern den Krieg

Sparfuchs Duc erklärt Konsumvermüllern den Krieg

Überall Restmüll von Starbucks, Redbull oder McDonald’s in den Straßen und in der Natur. Duc Pham erklärt den Konsumtreibern „to go“ den Krieg. Gründe hat der 29-jährige Finanz- und Persönlichkeitscoach gleich mehrere: Mit geschickter Werbung lockten diese Konzerne den jungen Leuten das Geld aus der Tasche; deren Verpackungen produzieren eine Menge CO2 und Müll; die Konsumenten werden dick – und es fehlt ihnen das Geld, fürs Alter vorzusorgen.

Der gelernte Bankkaufmann Duc, der mit 25 Jahren bereits Filialleiter war, hält flüchtigen Konsum für Geldverschwendung, der aus „schlechten Angewohnheiten“ resultiert. Als selbstständiger Finanzcoach gibt der Sohn aus ärmlichen Migranten-Verhältnissen seit 2018 Online-Seminare für überwiegend Leute bis 35, die wie er „in jungen Jahren in den Ruhestand gehen“ wollen. „Ich könnte allein von meinem passiven Einkommen leben“, sagt der Mann mit den vietnamesischen Wurzeln, der die Themen finanzieller Freiheit und Persönlichkeitsentwicklung eng beisammen sieht.

Geldanlegen – einfach erklärt

Konsum sieht der Mann, der sich mit Sparverhalten und Anlagestrategien bestens auskennt, generell kritisch: „Viele Menschen sollten an ihrem Leben etwas ändern statt sich mit schnellem Konsum immer wieder für faule Kompromisse in Beruf und Privatleben zu entschädigen.“ Duc ist von seiner Mutter zum „Sparfuchs“ erzogen worden, Konsum war entsprechend verpönt. „Sparen ist wichtig! war der wichtigste Glaubenssatz,“ sagt Duc in einem seiner vielen Seminare immer, die er zu finanzieller Unabhängigkeit seit Jahren hält.

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Ab 3.000 Euro netto im Monat, so der Finanzcoach, der von 2014 bis 2019 in Hamburg nebenbei Finanzen und Business studiert hat, mache noch mehr Geld nicht mehr glücklicher. Der Engpass beim Vermögensaufbau sei, dass man mehr ausgibt als man einnimmt. Und da seien der Coffe to go, der Snack auf die Hand oder der „schnelle Riegel an der Tanke fiese Geldabflüsse“, die sich pro Woche oder Monat schnell auf 20, 50 oder 80 Euro summierten.

Sein Tipp: Man solle wenigstens zehn Prozent der Einkünfte zurücklegen – am Monatsanfang. 30 Prozent seien besser. Bei ihm liege die Sparquote bei 70 Prozent. Man dürfe nicht unterschätzen, dass Eltern ihre Kinder beim Thema Geld lebenslänglich programmieren, wenn wir deren Glaubenssätze wie „Aktien sind schlecht“, „Geld macht nicht glücklich“ oder „Gönn‘ Dir was!“ unreflektiert und dauerhaft übernehmen. Erschwerend kämen Gewohnheiten wie unreflektierter Konsum dazu oder fehlende Ziele.

Konsum verbraucht Energie und Ressourcen

Der schlimme Nebeneffekt am Konsum: Er verbraucht Energie und materielle Ressourcen, erfordert viel Logistik und verursacht gigantische Müllberge. „Angesichts des rasanten Klimawandels sollten wir allein schon deshalb mehr Second-hand kaufen, Share Economy ausbauen und uns generell überlegen, was wir wirklich brauchen,“ sagt der Deutsch-Vietnamese, der auch als Trainer für Online-Vertrieb arbeitet und Greta Thunberg sowie „Fridays for Future“ richtig gut findet.

Duc Pham bei Videoaufnahmen Foto: Fromm

So summiere sich das monatliche Kindergeld von derzeit 204 Euro von der Geburt bis zum 25. Lebensjahr immer konsequent angelegt und mit sieben Prozent verzinst auf gut 154.000 Euro. Mit Fonds, Immobilien, Firmenbeteiligungen (Aktien) etc. sei eine solche Verzinsung immer realistisch, zumal über 25 Jahre hinweg als Mittelwert. Wichtig sei, zumal zu Beginn, breit in Branchen und Kontinente zu streuen, um Risiken zu minimieren. Und dann Ruhe zu bewahren und Geduld aufzubringen. Denn ständige Umschichtungen und Kurswechsel gefährdeten den linearen Trend, zumal unerfahrene Privatleute niemals erfolgreicher agierten als die Profis an den Kapitalmärkten, die zudem noch oft über Insiderwissen verfügten.

Und wer in dieser Anlagestrategie einen Widerspruch sieht, dem hält Duc entgegen, solche Renditen seien möglich mit Investitionen in regenerative Energien, Trinkwasseraufbereitungsanlagen, die Umrüstung von Diesellinienbussen auf Wasserstoff oder ökologische Bauformen mit Holz, Lehm oder Hanf. Vor der Investition in Sachwerte, so der Konsumkritiker, steht ohnehin die Investition in die eigene Bildung und Persönlichkeitsentwicklung. Deshalb schadeten schlecht bezahlte Jobs in der Jugend oder Ehrenämter nicht, um Erfahrung zu sammeln etwa in Bereichen wie Disziplin, Vertrauen oder Selbstorganisation.

So erreicht man finazielle Selbstverwirklichung

Im Einzel durchforstet Duc mit seinen Klienten deren Ausgabeverhalten und findet, z.B. wegen ungünstiger Gewohnheiten, selbst bei Auszubildenden oder Studenten Einsparpotentiale von 50 und mehr Euro pro Monat, die dann in den Vermögensaufbau fließen. Auch weniger Wohnfläche, Duschen und Heizen sind Positionen, die Sparpotential bergen. Berufstätigen etwa rät er, stets die Hälfte jeder Gehaltserhöhung zurückzulegen. So müsse man nicht mal auf etwas verzichten und der Zinseszinseffekt arrangiere den Rest.

Dabei unterscheidet der Wahl-Berliner vier Phasen: Die finanzielle Abhängigkeit, in der Ein- und Ausgaben sich die Waage halten. Von finanzieller Sicherheit spricht der Coach, wenn sein Klient drei Monate ohne Einnahmen seine Ausgaben bestreiten kann. Da beginne Freiheit schon, um etwa einen Job zu wechseln. Finanzielle Unabhängigkeit beginnt demnach, wenn passive Einkünfte reichen, den Lebensunterhalt zu bestreiten. Finanzielle Selbstverwirklichung sei dann erreicht, wenn das Vermögen über den eigenen Tod hinaus noch wirke, zum Beispiel in Form einer Stiftung, die dauerhaft bleibt.

Zwar arbeitet auch Duc rund 60 Stunden die Woche, aber nur, „was ich auch als Hobby betreiben würde.“ Seine Leidenschaft: Menschen befähigen, mündig mit Geld umzugehen. Ob sie es dann selbst verwalten, weil es ihnen Spaß macht, oder an einen Profi delegieren, bleibe ihnen überlassen. Sein Ziel: In seiner Heimatstadt Braunschweig die Volkswagen-Halle mit Menschen füllen, die ihn als Finanzcoach hören wollen. Sein Fanclub dafür wächst bereits deutlich.

Leonhard Fromm

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