Tesla-Bau gräbt den Menschen das Wasser ab

Tesla-Bau gräbt den Menschen das Wasser ab
Foto: Leonhard Lenz/wikimedia commons

Tesla-Bau gräbt den Menschen das Wasser ab

Die mit Händen förmlich greifbare Spannung, die bei der Tesla-Anhörung anfangs in der Stadthalle von Erkner bei Berlin beinahe jede Debatte abwürgte, wich längst einem zähen Ringen um Detailaspekte des Hightech-Bauvorhabens im bandenburgischen Forst. Das liefern sich engagierte Experten aus den Reihen der Gegner des Fabrikneubaus mit den bedacht nüchternen Verwaltungsbeamten des Umweltamts der Potsdamer Landesregierung.

Das Medieninteresse lässt nach fünf Verhandlungstagen nach, das Pressezelt ist gähnend leer, die Übertragung aus der Stadthalle dröhnt zwar von den Screens, aber kein Journalist mehr hört wirklich zu – dabei kommen jetzt erst die Kontroversen zur Sprache: etwa die Sorgen vieler Bewohner in der märkischen Region an der oberen Spree. Sie fürchten, dass die Autobauer ihnen das Wasser und damit der Gegend die Lebensgrundlage abgraben.

Klimawandel verschärft Angst ums Wasser rund um den Tesla-Bau

Gut 2.100 Beton-Pfähle sollen die Hallen, in denen Tesla etwa sein Presswerk auf dem Gelände betreiben will, um Teile für Motoren und Karosserien herzustellen, stabil im Sand verankern. Allein schon das Einrammen könne Wasser verschmutzen. Oder den unterirdischen Fluss des Grundwasserstroms behindern. So argumentieren Opponenten gegen die Gigafabrik: Es könne dabei ein irreparabler Schaden an der Natur entstehen.

Der mantraartig wiederholte Einwand des Landes und seiner Beamten, das dem keinesfalls von allen so hoch gelobte US-Autobauer vorab gleich mehrfach mit Ausnahmegenehmigungen einen Frühstart des Baus erlaubte ohne alle Auswirkungen auf die Umwelt umsichtig geprüft zu haben, wirkt da schlicht wie Hohn: Tesla baue auf eigener Verantwortung und übernehme das Risiko, notfalls alle Bauten wieder abreißen zu müssen.

Das jedoch klingt eher danach, den Menschen den letzten Glauben an demokratische Entscheidungsprozesse zu vergällen. Solch massive Eingriffe in die Landschaft kann niemand mehr ungeschehen machen. Im Wald schafft Tesla Tatsachen – und in Erkner versuchen Verwaltungsjuristen die berechtigterweise erbosten Bürger – formal sicher korrekt – ins Korsett der Behörde zu zwängen. Statt sie ernst zu nehmen und mit ihnen zu reden, verschanzen sie sich hinter Paragraphen. Nicht selten verweigern sie Auskünfte, schieben die Verantwortung für Antworten auf Bürgerfragen zwischen Tesla und den beteiligten Landesbehörden hin und her.

Politik den Bürgern nahe zu bringen: Landesregierung vergibt Chance

Beobachter können so leicht den Eindruck gewinnen, dies sei gewollt: Diese Taktik zermürbt „lästige“ Fragesteller.

Ein Wunder bleibt, dass sich auch nach vielen Tagen noch immer besorgte Bürger einfinden und ihre Chance wahrnehmen, dem die Stirn zu bieten. Dabei kommen wichtige Inhalte ans Licht: Dass etwa bereits heute der Grundwasserpegel im Gebiet sinke. Der Bedarf sei zu hoch. Der Klimawandel führe zudem zur zusätzlichen Wasserverknappung, weil weniger in tiefe Schichten versickern könne, sagt ein Naturschützer: „Es verdunstet bereits vom Erdboden.“

NABU-Wasserexperte Marten Lange-Siebenthaler zu Folgen der Fabrik für das Grundwasser

Die Seen der Region verlieren schon jetzt deutlich Wasser. Auch im nahen Löcknitz-Tal, das als ausgewiesenes Natura2000-Gebiet unter dem besonderen Schutz der EU stehe. Dass in Brüssel der zuständige Kommissar die so hurtig erteilte Baugenehmigung kritisch sieht, ficht in Potsdam oder im Berliner Wirtschaftsministerium offenbar niemand an. Die Minister sonnen sich da lieber im ihrem Erfolg einen Unternehmer von Weltrang, in die deutsche Provinz gelockt zu haben.

Es scheint, als ob sie allesamt wenig Interesse haben, dass immer wieder Bürger Wasser in den Festwein zu Ehren des Deals gießen. Die stellen aber hartnäckig die Frage nach der Rechtmäßigkeit des Hauruck-Verfahrens von Grünheide. Selbst mit weiteren Verlängerungen der Anhörung werden diese Zweifel freilich nur schwerlich vom Tisch sein. Hier hat die Landesregierung eine Chance verspielt, Vertrauen in ihre Entscheidungen zu stärken: Diese Eile scheint unerklärlich und provoziert unnötig.

Gerd Pfitzenmaier

2 Gedanken zu “Tesla-Bau gräbt den Menschen das Wasser ab

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