Arktis: Je grüner, desto wärmer

Die Arktis wird nicht nur wärmer, sondern auch grüner- und das schneller als bisher gedacht. Das ergab eine US-amerikanische Modell-Analyse der arktischen Vegetation für die kommenden Fünfziger Jahre.

 

Mehr Grün- damit assoziieren wir in unseren Breiten meist viel Gutes: Natur, Erholung, Oasen der Ruhe. Für die extremen Gebiete rund um den Nordpol gelten jedoch andere Gesetze. Tropische Regenwälder beeinflussen den gesamten Planeten (positiv)- für das vermehrte Grün der Arktis könnten sich globale Auswirkungen jedoch in gegenteiliger Weise bemerkbar machen.

 

50 Prozent mehr Wald um Nordpol?

 

Beispiele gefällig? „Manche Vogelarten wandern im arktischen Sommer nach Norden- in der Erwartung, dort die typischen polaren Verhältnisse, wie zum Beispiel offene Bodenflächen zum Nisten, vorzufinden“, erläutert Richard Pearson, Erstautor der jetzt in Nature Climate Change veröffentlichten Studie. Was, wenn diese Bodenflächen im Laufe der Zeit einfach zuwuchern?

Foto: Greenpeacede

So unwahrscheinlich scheint dies nicht zu sein: Innerhalb weniger Jahrzehnte könnten sich die Waldgebiete in der Polarregion um satte 50 Prozent ausweiten, so die Forscher. Die Baumgrenze Sibiriens etwa könnte sich mehrere hundert Meilen nach Norden verschieben. Und dann? Dann bekommt die Arktis, die sich ohnehin schon doppelt so schnell erwärmt wie andere Regionen der Erde ein noch größeres Problem: Die zusätzliche Bodenbedeckung wird dem Klimawandel weiter Vorschub leisten.

 

Warum? Solange der Boden von Schnee und Eis bedeckt ist, wird ein Großteil der einfallenden Strahlung direkt reflektiert. Schmilzt diese sogenannte Albedo jedoch weg, verdunkeln sich die Bodenflächen und nehmen mehr Wärme auf. Mehr Wärme, die die Albedo weiter verkleinert und damit für noch mehr Wärme sorgt- der Teufelskreis am Nordpol. Mehr Vegetation hilft da nicht weiter, sondern verschlimmert das Szenario- denn Pflanzen führen zu einer weiteren Verdunklung des Bodens. Als hätte die Arktis nicht schon genug Probleme, könnten Bäume, Sträucher & Co damit ein weiterer Faktor für den fortschreitenden Klimawandel sein. NISO

 

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