Bilanz der Energiepolitik ein Jahr nach Fukushima

Foto: Huber

Ein Jahr nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima, die zur Kursänderung in der Energiepolitik der Bundesregierung führen sollte, ziehen der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) und der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) unterschiedliche Bilanzen. Ernüchternd ist sie beim BEE. „Statt den mutigen Ankündigungen zur Energiewende die entsprechenden Taten folgen zu lassen, blockiert die Bundesregierung den Umbau unserer Energieversorgung an entscheidenden Stellen“, kritisiert Präsident Dietmar Schütz in einer Presseerklärung seines Verbands. BDI-Hauptgeschäftsführer Markus Kerber betont dagegen: "Die praktische Umsetzung der Energiewende in Deutschland liegt immer noch vor uns. Damit sie gelingt, muss jetzt deutlich mehr passieren."

„Ob im Stromsektor, bei der Wärmeerzeugung, im Verkehr oder beim Thema Effizienz – Anspruch und Wirklichkeit klaffen in der Regierungspolitik weit auseinander“, schreibt der BEE in seiner Presseerklärung zum Jahrestag der Fukushima-AKW-Katastrophe.

Der jüngste Angriff auf das wichtigste Förderinstrument für den Ausbau regenerativer Energien, das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), sei hierfür ein zentrales Beispiel, so der BEE-Chef. Dabei gehe es nicht mehr um eine angemessene Korrektur der Vergütungen für die Fotovoltaik in Folge gefallener Marktpreise. Vielmehr würden mit der viel zu abrupten Absenkung der Vergütung, der Begrenzung der vergüteten Strommenge sowie der geplanten Entmachtung des Parlaments bei zentralen Entscheidungen, wesentliche Eckpfeiler der notwendigen Investitionssicherheit gekappt.

Anders schätzt der BDI die Situation ein. Es sei keine Lösung, nur den Ausbau einzelner Technologien zu fördern. Entscheidend sei die Integration in das Gesamtsystem. Kerber: "Die Industrie verlangt sichere, saubere und bezahlbare Energie. Deshalb brauchen wir eine klare Steuerung und ein umfassendes Projektmanagement."

„Mit diesen Vorhaben untergräbt die Bundesregierung den Vertrauensschutz und die Planungssicherheit für Bürger und Investoren – und zwar in allen Sparten der Erneuerbaren Energien“, erklärt Schütz. „Die Bundesregierung begründet ihre Schritte mit der Marktintegration der Erneuerbaren Energien. Nur verschweigt sie dabei beharrlich, dass das bestehende Marktdesign nicht mehr funktioniert und die Refinanzierung notwendiger Investitionen nicht mehr ermöglicht – weder für schnell regelbare Gaskraftwerke noch für regenerative Erzeugungsanlagen oder Speicher.“

 

 

Auch im Wärmesektor herrsche weiterhin Stagnation. Noch nicht einmal der für Ende 2011 angekündigte Erfahrungsbericht zum Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz liege bisher vor. Im Streit um die steuerliche Förderung von Gebäudesanierungen zwischen Bund und Ländern gebe es ebenfalls keine Bewegung. Schütz: „Beide Seiten verzögern mit dieser Haltung den Umbau im Wärmesektor weiter auf unbestimmte Zeit. Bei den Besitzern veralteter Heizungsanlagen herrscht in der Folge Attentismus statt die notwendige Aufbruchstimmung für die Runderneuerung unserer Wärmeversorgung. “

Das gleiche düstere Bild liefere der Verkehrsbereich. Der Anteil verwendeter Biokraftstoffe war im vergangenen Jahr erneut zurückgegangen. „Neue Ansätze, wie künftig wieder mehr schmutziges Erdöl durch nachhaltige Biokraftstoffe ersetzt werden kann, sind in der Politik nicht zu erkennen“, konsterniert Schütz. Dabei müssten allein die verbindlichen EU-Ziele für 2020 zum Handeln zwingen. Auch in der Elektromobilität sei die Dynamik des letzten Jahres verloren gegangen. So blieben beispielsweise die großen Potenziale der deutschen Industrie beim Thema Leistungselektronik und netzfreundliche Fahrzeuge bisher ungenutzt.

 

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