17.11.2019

Blubberblasen gegen Plastikmüll in Amsterdams Grachten

Screenshot: Tagesschau-Video

Zwischen 5 und 6 Millionen Tonnen Plastik landen weltweit jedes Jahr in Flüssen und gelangen so in die Ozeane. Die Gründe dafür sind vielfältig. In Amsterdam etwa gibt es keine unterirdischen Müllcontainer. Und so sorgen Wind, Ratten und Möwen dafür, dass Müll in die Grachten gelangt. Auch die 17 Millionen Touristen tragen ihren Teil dazu bei.

 

Im Rahmen der Bemühungen seitens der Stadt um saubere, plastikfreie Grachten - „Amsterdam Clean Water“ - wurde im Herbst die erste "Grachten-Waschanlage" in der Prinsengracht installiert. Die 60m lange und 1,50m tiefe Blasenbarriere soll den im Wasser schwimmenden Kunststoff-Müll aufhalten. Die Erfindung des niederländisch-deutschen Startups "The Great Bubble Barrier" besteht aus ainem Schlauch mit Löchern, durch den mit Druck Luft gepumt wird. Die dabei aufsteigenden Luftblasen bilden die Barriere.

 

"Es war uns wichtig, keine physikalische Barriere einzuziehen, sodass Fischen und Schiffe hindurchschimmen können, Plastik dagegen aufgehalten wird", erläutert Miterfinder Philip Ehrhorn die Idee.

Screenshot: thegreatbubblebarrier.com

Der aufgehaltene Müll treibt in einen großen Korb, der zweimal wöchentlich geleert werden soll. Somit soll verhindert werden, das der Kunststoffmüll in die Nordsee gelangt. 6 weitere dieser Anlagen sind geplant, immerhin hat Amsterdam ja reichlich Kanäle vorzuweisen. Die Anlagen wurden in den letzten 3 Jahren mehrfach getestet, unter anderem eine 200m-Barriere in Kampen an der Ijssel. Drei Wochen lang hat das Forscherteam gezeigt, dass die Blasensperre unter allen Wetterbedingungen in den Niederlanden funktioniert und im Durchschnitt 86% des gesamten verwendeten Testmaterials auffängt.

 

"Wir haben uns bewusst kleine und mittlere Gewässer ausgesucht", wird die Miterfinderin Francis Zoet zitiert, "denn alles, was wir hier schon aufhalten können, müssen wir später nicht mehr mühevoll aus dem Meer fischen. Zunächst mal wollen wir hier bei uns zu Hause loslegen und die Menschen überzeugen, aber wir wissen auch, dass das größte Problem in Asien liegt."

Laut Forschern des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Leipzig befördern zehn Flüsse den meisten Plastikmüll ins Meer, darunt sind allein acht asiatische Gewässer vertreten. Die Forscher schätzen, dass die 10 Flüsse bis zu vier Millionen Tonnen Plastik jährlich ins Meer tranportieren.

 

Angesichts der wachsenden Zahl von Einwohnern und Besuchern in der Stadt steigt die Notwendigkeit, Amsterdams Gewässer sauber zu halten. Darüber hinaus hat Amsterdam das Ziel, die erste Stadt der Welt mit einer Kreislaufwirtschaft zu werden, in der Produkte und Materialien wiederverwendet und Produktionsketten neu gestaltet werden, um die Verschwendung von Ressourcen zu minimieren. Nachhaltige Lösungen werden erwogen, um den steigenden Bedarf an immer mehr Produkten und Energie zu reduzieren. Amsterdam will 2050 die erste Plastic Smart City sein, die eine saubere Stadt mit möglichst wenig Restmüll ist - und das gilt auch für Amsterdams Wasser.


hjo

 

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