CO2-Budget der Erde bald ausgereizt

Warme Sonne, eisiger Winter Foto: Wikimedia CC/Gossau

Gut 70 Jahre früher als erwartet, ist das weltweite CO2-Verschmutzungsvolumen ausgereizt. Das errechnet jetzt der neue Low Carbon Economy Index 2013 der Unternehmensberater von PricewaterhouseCooper (PwC). 2034 haben die Menschen demnach soviel Kohlendioxid in die Atmosphäre geblasen, wie sie bis 2100 dürften, wenn sich der Globus nur um 2 Grad Celsius erwärmen soll.

Die Statistiker von PwC ermitteln seit 2009 jährlich die so genannte „CO2-Intensität“. In den G20-Ländern berechnen sie das Verhältnis von CO2-Emissionen zum realen Bruttoinlandsprodukt. Es müsste im laufenden Jahrhundert um jährlich sechs Prozent sinken, um die Klimaziele der Weltgemeinschaft zu erreichen. Die Realität sieht anders aus: Seit fünf Jahren sinkt der Index lediglich um 0,7 Prozent. Fazit der Wirtschaftsforscher: Bliebe es dabei, „ist das vom Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) aufgestellte CO2-Budget bis zum Jahr 2100 bereits 2034 aufgebraucht - ein Anstieg der Erdtemperatur um mindestens vier Grad in den nächsten knapp 90 Jahren wäre die Folge“.

 

Unternehmen müssen gegen Klimawandel aktiv werden

 

„Der Klimawandel ist kaum noch aufzuhalten. Unternehmen müssen ihn in ihren Strategien berücksichtigen. Sie brauchen eine aktive Klimaschutzpolitik, die sich nicht nur auf CO2-Emissionen konzentriert“, warnt daher Michael Werner, der Leiter Sustainability Services bei PwC. Der Klimawandel habe erheblichen Einfluss auf Wachstum, Ziele und Kosten von Unternehmen, betont Werner in einer aktuellen Presseerklärung zur CO2-Intensität: „Ihn aktiv zu managen, wird zu einer zentralen Aufgabe. So gilt es zum Beispiel, Risiken in der Lieferkette frühzeitig zu identifizieren und gegenzusteuern. Aber auch bei langfristigen Investitionen spielt das Thema in Zukunft eine zentrale Rolle.“

Noch immer machten Öl und Kohle gut 63 Prozent der weltweiten Energieversorgng aus. Die erneuerbaren Energierohstoffe kletterten seit 2007 weltweit gerade einmal von 7,2 auf 8,6 Prozent.

„Die G20-Länder konsumieren fossile Brennstoffe, als gäbe es kein Morgen mehr“, kritisiert PwC-Mann Werner. „Gefragt ist eine Energieversorgung, die ohne klimaschädliche Treibhausgase auskommt. Erneuerbare Energien, die in den vergangenen Jahren konkurrenzfähig wurden, erfüllen diesen Anspruch. Neben einem umweltfreundlichen Energiemix tragen eine höhere Energieeffizienz sowie die Lagerung von CO2 dazu bei, Wirtschaftsleistung und CO2-Emissionen in Zukunft stärker zu entkoppeln.“

 

Fatale Wirkung von Fracking: Billige Kohle steigert CO2-Emission

 

Mit der verstärkten Förderung von Schiefergas ist der Anteil des CO2-freundlichen Erdgases an der US-Energieversorgung von 25 auf 30 Prozent gestiegen. „Dies ließ“, schreibt PwC, „auf der anderen Seite den Preis von Kohle einbrechen.“ Fatale Folge: Der Preisverfall führte zur verstärkten Nachfrage nach Kohle als Energieträger – das wiederum ließ jedoch die CO2-Emissionen stark ansteigen! In der Europäischen Union gingen sie 2012 nach oben, in China ist die Nachfrage nach Kohle als Energieträger seit 2007 um 40 Prozent gestiegen.

Unter den EU-Staaten verzeichnet Italien den stärksten Rückgang an CO2-Intensität (-2,4 Prozent) seit 2007 aufgrund des Wachstums bei erneuerbaren Energien, gefolgt von Frankreich (-2,3 Prozent). In Frankreich ist die Reduktion wiederum auf den hohen Anteil an Kernenergie an der Energieversorgung zurückzuführen. Deutschland belegt gemeinsam mit Großbritannien den dritten Platz. Die CO2-Intensität sank hierzulande zwischen 2007 und 2012 um 1,7 Prozent - und damit deutlich stärker als im weltweiten Schnitt (-0,7 Prozent).

 

 

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