Umweltbewusster Kurzurlaub

Schnell mal zum Einkaufsbummel nach London oder für ein Wochenende die Gastfreundschaft der Alpen genießen. Gerade in Bezug auf Kurztrips steigt die Reisebereitschaft stetig an. Viele billige Angebote der marktführenden Unternehmen sind verlocken. Die Folgen dieser Entwicklung sind jedoch für Menschen und Umwelt dramatisch. Wer ohne schlechtes Gewissen dem Stress des Alltags entfliehen möchte, sollte deshalb einige Hinweise beachten.

Kurztrips lösen den Urlaub ab

Die kurze Erholung in nur wenigen Tagen hilft, wieder neue Energie zu tanken. Statistische Untersuchungen ergaben, dass sich 2014 allein in Deutschland 72 Millionen Reisen, auf weniger als fünf Tage bezogen (Dresdner Reisezentrum - Lufthansa City Center). Ökologisch vertretbar ist dies jedoch nur in den seltensten Fällen.

 

Folgen des Kurzurlaubs

Antje Monshausen von Brot für die Welt setzte sich mit dieser Entwicklung kritisch auseinander. Bedenklich sei vor allem der steigende Flugzeugverkehr, der als größter ökologischer Problemverursacher allgemein bekannt sei. Die Auswirkungen betreffe vor allem die arme Bevölkerung der Entwicklungsländer. Gerade im Bezug auf weiter entfernte Ziele stehe die Bilanz zwischen Kosten und Nutzen in keinem angemessenen Verhältnis.

 

Es gilt sich, deshalb schon im Vorfeld die Frage zu stellen: Welche persönliche Zielsetzung verfolgt die Reise? Die meisten Menschen reizt das Erlebnis mit fremden Kulturen und Menschen. Hierfür werden schon weite Strecken in Kauf genommen. Im Bezug auf einen Kurztrip erscheint die Investition von Zeit und Geld eher unangemessen. Auch bei den sogenannten All-inclusive-Resorts kommen Sie nicht auf Ihre Kosten, da diese Restaurantbesuche und Ausflüge meist gar nicht erst in Erwägung ziehen.

 

Was sollte Sie bei der Anreise beachten?

Im Allgemeinen gilt der Grundsatz, Flüge in jedem Fall zu vermeiden! Ist diese Richtlinie aufgrund der weiten Entfernung eher unangemessen, sollte wenigstens auf eine Airline zurückgegriffen werden, die die bestehenden Platzverhältnisse so gut es geht, ausnutzt. Eng bestuhlte Flieger erfüllen ein wesentliches Indiz von Umweltbewusstsein. Die Effizienz in anderen wichtigen Bereichen gibt der Index für Fluglinien der Organisation Atmosfair äußerst zuverlässig an. Verantwortungsvolle Gesellschaften sollten unbedingt eine Kompensation für die schädliche Wirkungsweise schaffen. In diesem Zusammenhang sind neben dem Kohlendioxid-Ausstoß auch die sogenannten RFI-Faktoren zu berücksichtigen. Beispielsweise eine maximale Flughöhe hat einen negativeren Einfluss als Linien, die nur im unteren Bereich verkehren. Mit Anbietern wie Atmosfair sind Sie garantiert auf der sicheren Seite.

 

Allgemeingültige Kriterien zur Orientierung

Der Verband Anders Reisen setzt sich aus nachhaltigen Reiseveranstaltern zusammen, die im Rahmen eines Forums allgemeingültige Kriterien zur Orientierung aufgestellt haben. Oberste Priorität besitzt dabei die Faustregel, dass je weiter das Ziel entfernt ist, umso länger sollte die entsprechende Aufenthaltsdauer, seien. Bei Entfernungen, die weniger als 800 Kilometern betragen, ist eine andere Alternative in jedem Fall angebrachter. Zudem ergaben Studien des ökologischen Verkehrsklubs Deutschland, das die Angebote der Bahn an Arbeitstagen meist günstiger ausfallen, als die der Fluggesellschaften. Auch der Zeitfaktor ist fragwürdig. Die langen Abfertigungszeiten auf Kurzstrecken führen zu erheblichen Einbußen. Im Sinne eines umweltbewussten Umgangs entspricht die Aufenthaltsdauer bei bis zu 3800 Kilometern mindestens eine Woche.

 

Unterkunft, die den Interessen der Bevölkerung entspricht

Logischerweise sind Einrichtungen, die von Inhabern der einheimischen Bevölkerung geführt werden, den globalen Hotelketten vorzuziehen. Nur auf diese Weise kommt das Geld dem Land zugute und fließt nicht in international agierende Konzerne. Die Geschäftsführerin, Petra Thomas, vom Verband Anders Reisen gibt noch einen ganz besonderen Tipp. Die Architektur der gewählten Unterkunft liefert ein direktes Indiz für das Verantwortungsbewusstssein der Besitzer. Entspricht das Design dem typischen Bauklotz oder wurde sich auf natürliche Materialien bezogen? Einfacher geht es auch mit dem Gütesiegel von Global Sustainable Tourism Council, das einen direkten Beleg liefert.

 

Derzeit gibt es noch keine Veranstalter für Wochenend-Kurztrips, die sich zur Nachhaltigkeit bekennen. Deshalb kann eine Einschätzung nur über das Leitbild vorgenommen werden. Vorsicht ist auch bei privaten Vermietern geboten. Oft besteht der Verdacht, nicht angemessen registriert zu seien, wodurch wiederum die Mehrwertsteuer für Sozialleistungen entfällt.

 

Zusätzlich übt Antje Monshausen auch Kritik an dem Einfluss der örtlichen Mietpreise. In Metropolen wie beispielsweise München oder Belin würden mittlerweile ganze Straßenzüge mit Ferienwohnungen besetzt. Die Auswirkung zeige sich in starken Verdrängungstendenzen für die arme Bevölkerung.

 

Identifikation von negativen Einflüssen der Unterkunft auf die Umwelt

Mit einer unabhängigen Studie hat Tourismwatch 2014 45 Flug- und Reiseanbieter bezüglich der Klimatransparenz unter die Lupe genommen. Darunter befanden sich auch 20 Onlineportale. Das Ergebnis ist erschreckend. Keine der über das Netz agierenden Unternehmen gab die CO2-Emissionen an. Dem zur Folge konnte auch keine Kompensation umgesetzt werden.

 

Nach Angaben von Monshausen seien gerade die steigenden Luxusangebote mit Vorsicht zu genießen. Das Ziel der Reise geht oft in schützenswerte und abgelegene Gegenden. Die schädliche Auswirkung für Mensch und Umwelt sei kaum wieder gut zu machen. Es gilt zu bedenken, das der riesige Wohnraum auch gereinigt und beheizt werden muss. Jegliche abenteuerliche Aktivität, wie beispielsweise ein Flug ins Gebirge oder die Jeepsafari hinterlasse in jedem Fall einen ökologischen Fußabdruck.

 

Der umweltfreundliche Kurzurlaub Weit entfernte Ziele sind im Rahmen eines Kurzurlaubs ökologisch nicht vertretbar. Für eine wohlverdiente Erholungspause eignet sich ein naheliegendes Ziel, das mit Bahn oder Bus gut erreicht werden kann. In Deutschland gibt es beispielsweise viele sehenswerte Nationalparks. Aber auch hier gilt es, im Rahmen des Umweltschutzes die Regeln einzuhalten. Vorgeschriebene Wege dürfen nicht verlassen werden.

 

Die Anreise mit dem Auto stelle eines der größten Probleme. Die Lärmentwicklung gefährde das Wohlbefinden der dort lebenden Tiere. Wer trotzdem nicht auf sein persönliches Gefährt verzichten möchte, sollte in jedem Fall die Sammelparkplätze nutzen und den Rest wandern. Für Shoppingausflüge eignet sich ein näheres Ziel. In Koppenhagen gibt es beispielsweise ein fast so großes Angebot wie im weit entfernten Mailand.

 

Unabhängige vom Zielort besitze für Tourismwatch die Wertschöpfung der kulturellen Gegebenheiten die oberste Priorität. Die kulinarisches Besonderheiten sollten auch zum Einsatz kommen. Nur auf die Weise sei der Gewinn für die ansässige Bevölkerung gesichert.

 


26.04.2016 13:34
Lena Weberstein

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Deutschland