Einfluss der Religion auf Klimapolitik wächst

Foto: Pixabay CC/PublicDomain/pexels

Religionen sind wichtig für den Klimaschutz: Die Politikwissenschaftlerin Katharina Glaab sieht in ihren Studien zu „Religion und Nachhaltigkeit“ Religionen als wichtige transformative Macht.

Glaab ist Professorin für Global Change and International Relations an der Norwegischen Universität für Umwelt- und Biowissenschaften (NMBU). In einem Vortrag an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster beleuchtete sie die Bedeutung von Religionen für die Klimapüolitik. Ihre These: In der internationalen Klimapolitik gewinnen religiöse Gruppen und Organisationen nach politikwissenschaftlichen Studien zunehmend an Einfluss. „Sie haben sich etwa bei den UN-Klimakonferenzen als Akteure unter den Nichtregierungsorganisationen etabliert und werden als eine Macht ernst genommen, die in vielen Ländern, nicht zuletzt durch hohe Mitgliederzahlen, umweltpolitische Prozesse effektiv anstoßen können“, sagtGlaab. „Um klimapolitisch wirksam zu werden, gründen religiöse Akteure interreligiöse Koalitionen und kooperieren mit säkularen Organisationen.“ Christliche Organisationen wie Brot für die Welt, die Lutheran World Federation und der Vatikan, aber auch buddhistische, muslimische und interreligiöse Gruppen brächten - so die wissenschaftlerin - vor allem ethische Dimensionen und Gerechtigkeitskriterien in klimapolitische Verfahren ein.

 

Emotionale statt technische Sprache

 

„Internationale Umweltpolitiker beziehen religiöse Akteure zunehmend in die Beratungen ein, weil sie ihnen viel Potenzial für gesellschaftliche Transformationen zuschreiben, ohne die Umweltpolitik nicht mehr möglich ist“, führte Glaab aus. „Sie gehen davon aus, dass Religionen Weltbilder formen können, eine hohe moralische Autorität besitzen, viele Anhänger haben und neben erheblichen Ressourcen auch ein enormes soziales Kapital zur Bildung starker Gemeinschaften haben. Dies schafft enorme Reichweiten, mit denen sich in Politik und Gesellschaften weltweit nachhaltig etwas verändern lässt“, so Glaab. Der Vortrag über ihre Forschungsergebnisse trug den Titel „Religiöse Akteure in der globalen Klimapolitik. Verhandlung, Übersetzung und Grenzsetzungen“.

 

Katharina Glaab Foto: Pressestelle Universität Münster

Wie Glaabs Studien weiter ergaben, setzt die Klimapolitik von religiösen Akteuren im Unterschied zu säkularen Umweltakteuren eher auf eine emotionale, als eine technische Sprache. Außerdem ziehen religiöse Umweltaktivisten ein Engagement im Rahmen etablierter politischer Institutionen offenen Protestaktionen vor – „obwohl sie inhaltliche Bedenken von radikaler agierenden zivilgesellschaftlichen Gruppen teilweise teilen, etwa gegenüber marktbasierten Lösungen gegen den Klimawandel“.

Der wachsende Einfluss von Religionen in der Klimapolitik ist der Forscherin zufolge auch auf ihr praktisches Potenzial zurückzuführen, für das zahlreiche energie- und ressourcenschonende Projekte in Gemeinden stünden. „Religiöse Akteure schließen so pragmatisch die Lücke zwischen dem Wissen über die Folgen unökologischen Verhaltens und dem Ausbleiben individuellen Verhaltensänderungen, wie man sie aus der Nachhaltigkeitsforschung kennt“, so die Politikwissenschaftlerin.

Glaab konnte im Rahmen des Forschungsprojekts „Religiöse Akteure in der Global Governance“ am Exzellenzcluster am Beispiel der Verhandlungen zum Pariser Klimaabkommen der Vereinten Nationen (UN) 2015 zeigen, dass der „Organisationsgrad des religiösen Engagements“ wächst und interreligiöse Koalitionen zunehmen. Als Beispiel nannte sie das religionsübergreifende Netzwerk „Interfaith Liaison Committee“, das mit dem Sekretariat der UN-Klimarahmenkonvention im Dialog steht, und das „Climate Action Network“, in dem religiöse und zivilgesellschaftliche Akteure kooperieren.

 

Verständnis für neue Lösungsansätze erweitert

 

„Dass die internationale Politik religiöse Umweltaktivisten zu Rate zieht, hat das Verständnis für neue Lösungsansätze wesentlich erweitert“, so die Forscherin. „Man hat erkannt, dass politische, ökonomische und technologische Ansätze nicht ausreichen, wenn ethische übersehen werden – denn sie wirken sich unmittelbar auf Machtverhältnisse, individuelle Rechte und gesellschaftliche Pflichten in den Ländern aus, die die Umwelt verschmutzen. „So stellt die Erd-Charta als Deklaration grundlegender ethischer Prinzipien für eine nachhaltige Entwicklung im globalen Maßstab fest, dass die ökologischen, ökonomischen, sozialen, kulturellen, ethischen und spirituellen Probleme und Hoffnungen der Menschheit eng miteinander verbunden sind und ganzheitlich angegangen werden müssen.“ Die Charta soll nach dem Willen vieler umweltpolitischer Akteure als völkerrechtlich verbindlicher Vertrag von der internationalen Staatengemeinschaft ratifiziert werden.


red

 

 

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