Experten einig: SuperGrid für erneuerbare Energien

Foto: ap/Petra Bork

Die Energiewende erfordert zusätzliche Energiespeicher. Denn das schwankende Angebot etwa von Sonne und Wind müssen etwa Pumpspeicher ausgleichen. Bei einer Tagung in Chemnitz forderten daher jetzt Wissenschaftler wie der Inhaber der Professur Leistungselektronik und elektromagnetische Verträglichkeit an der dortigen TU, Josef Lutz, Lösungen auf EU-Ebene: „Wenn wir im EU-Rahmen für die jeweilige Form der regenerativen Energie jeweils die ertragreichsten Standorte wählen, können sich regionale Erzeuger und industrielle Großtechnik ergänzen.“ Rainer Marquardt, Professor für Leistungselektronik und Steuerungen an der Universität der Bundeswehr München ergänzt: „Um dies zu erreichen, ist ein großräumiger, elektronisch gesteuerter Energieausgleich geeignet, der Solar- und Windkraft-Anlagen von Südeuropa bis nach Nordeuropa und viele regionale Erzeuger einschließt. Auf diese Weise lassen sich teure Speicher sowie konventionelle Reservekraftwerke weitgehend vermeiden und vorhandene Speicher können überregional besser genutzt werden.“

"Die Technik der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung - kurz HGÜ - ist dafür sehr gut geeignet", versichert Lutz. Die Energieübertragung sei damit auch über sehr große Strecken verlustarm möglich. "Eine Hochspannungs-Gleichstrom-Leitung kann gegenüber einer 380-Kilovolt-Freileitung bei gleichem Leitungsquerschnitt - also gleichem Einsatz von Metall - deutlich größere Energiemengen übertragen", erläutert Lutz. Bei einer Freileitung betrage der Landschaftsverbrauch im Vergleich nur etwa ein Drittel.

Marquardt ergänzt: „Weitgehend unbeachtet von der Politik wurde diese Technik inzwischen wesentlich weiterentwickelt. Die zur Umwandlung des Gleichstroms in Drehstrom notwendigen Converter haben einen Entwicklungsstand erreicht, der höchste Zuverlässigkeit und Energieeffizienz auch an großen verzweigten HGÜ-Netzen ermöglicht. Des Weiteren sind - ohne prinzipielle Begrenzung der Entfernung - Erdkabel, Seekabel und Freileitungen in Kombination einsetzbar, so dass Siedlungs- und Landschaftsschutz-Gebiete geschont werden können.“ Auch Lutz ist ein starker Befürworter dieser Technik: „Sie ist eine Alternative zum gegenwärtig diskutierten Ausbau von Stromautobahnen auf Basis des konventionellen 380-kV-Netzes. Mit der sehr viel leistungsfähigeren HGÜ würde in Deutschland wohl eine Nord-Süd-Leitung reichen. Im Norden könnten wir die über HGÜ ankommende Wasser- und Windkraft aus Norwegen andocken, im Süden Solarenergie aus dem Mittelmeerraum", sagt der Chemnitzer Professor und geht auf der Landkarte noch einen Schritt weiter: "Auch die nordafrikanischen Länder können sich als Lieferanten von Solarstrom anbieten. Und eine HGÜ-Leitung von Tunesien nach Italien wird seit Januar 2012 bereits projektiert." Eine Lösung in internationalem Maßstab sei aus seiner Sicht sehr sinnvoll: "Stromnetzwerke der Zukunft erfordern ein Denken in ganz neuen Dimensionen." "Wir brauchen ein SuperGrid für erneuerbare Energien", fordert auch Marquardt.

 

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